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Going
Nowhere Fast - 2
Nichts kann erschöpfend beschrieben werden, überall
sind Lücken, Auslassungen, Sprünge, so dass der Leser
hinzudichten kann. Es stimmt auch, dass jeder Erzähltext erst
im Kopf des Lesers entsteht, und daher so oft "existiert",
wie er gelesen wird. Es gibt da wohl eine Schnittmenge, die Autor
und Leser sich teilen, wenn sie den Sinn auf der Oberfläche
des Textes nachvollziehen, bevor subjektive Assoziationen, Erfahrungshintergründe,
Weltanschauungen ihn abdrängen. In der postmodernen Literatur
nun wird von einigen dem Autor die "Künstlichkeit"
seiner ordnenden Entscheidungen abgesprochen und dieser aufgefordert,
das Chaos umzusetzen, zu spiegeln. Ein Buch habe genauso unverständlich
zu sein wie das Leben selbst. Die letztendliche Unmöglichkeit,
die Wirklichkeit zu erkennen, wird ästhetisch beantwortet mit
einer fragmentarischen Sicht auf diese, mit der Ablehnung von sinnstiftenden
Systemen.
Wolfgang Neuhaus "Die Vernetzung der Fiktionen"
TXT by TW11 (Original German Version)
ALGORITHM by BURROUGHS MACHINE (Former Online Text Randomizer -
Now Obsolete)
RECOMPILED by THE IV.
The German critic Walter Benjamin envisioned
a book composed entirely of assembled quotations from other authors
- well here it is!
Ich höre Slacker's Schritte hinter mir, spüre
seine Hand auf meiner Schulter, seine Finger graben sich sanft in
meinen verspannten Rücken, seine Stimme, ich gehe die eine
Welt hinunter und die andere Welt hinauf, und mir gefällt,
was ich überall sehe. Ich wende mich ihm zu, seine Hand gleitet
meinen Rücken entlang. Ich sage, kennst du die Bewegungen deiner
Hand in der Hand von jemanden, der dir wichtig ist, dem du vertraust,
den du liebst? Sie sind wie ineinander verschlungene SternStaubSpiralen
im Universum. Weißt du wie sich deine Hand anfühlt, wenn
die andere nicht mehr da ist, und du versuchst, dich daran zu erinnern,
wie sie sich anfühlte? Jede dieser Motionen ist einzigartig,
wie alles von Bedeutung auf dieser Welt. Er lacht und sagt, ich
habe Angst vor allem was mich umgibt, und so drücke ich alles,
was ich sehe, gegen meine AugÄpfel und stecke meine Finger
und meine Zunge hinein, und vielleicht auch meinen Schwanz. Mir
gefällt das Heute und zumindest fürchte ich mich nicht
davor Angst zu haben. Er zieht seine HolzRaspel aus der HosenTasche,
spielt einen schleppenden Rhythmus und bewegt seine Füße
scharrend über den Boden, sagt, wenn ich spiele, dann bin ich
dort oben auf jenem flammenden Grat aus Verrücktheit, wo mein
Geist noch funktioniert. Ich tanze im Feuer, silbern und schwarz
gestreift. Der Nebel, der vorhin noch niedrig hing und endlos schien,
hat sich zu Wolken zusammengeballt, die durch einen hohen Wind,
der nicht bis in die Straße herabkommt zerrissen und gejagt
werden. Etwas wie Mond legt silberne Netze über den Nebel.
Ein Stück weiter vorne schimmert eine StraßenLaterne,
einer verschwommenen Perle gleich. Corazon kommt auf uns zu, etliche
Pakete und Päckchen schleppend, sie sagt, ihr solltet auch
mal einen Blick da in die Bude werfen. Ihre Stimme hat in der feuchten
Luft einen flachen und stumpfen Klang, da drin sitzen welche mit
elastischen Knochen und schwarzrosa gesprenkeltem Fleisch; die haben
fächerförmige Fühler aus grünem Knorpel mit
StrudelHärchen drauf hinter den Ohren, mit denen kommunizieren
sie - sie werden irgendwie von unsichtbaren Strömungen gesteuert
und senden Signale aus, die mir noch immer im Zwerchfell resonieren,
aber decodieren kann ich sie nicht. Ich sehe kein SpiegelBild in
ihren Augen; sie sind trübe Spiegel aus Obsidian, Tümpel
aus schwarzem Blut, gleich leeren Löchern in einer ToilettenWand,
hinter der sich Voyeure einen abwichsen. Der Hauch eines Lächelns
liegt auf ihren leicht geöffneten Lippen, wie bei einem Junkie
im Tran. Alte GlasFotze, stößt sie gehässig hervor
aber welchen Grund sollte ich sagen, was ich davon abgebissen habe,
denn etwas ist das alles nicht. Im Geiste sieht sie eine Möse
voll mit bunten GlasSplittern, Spiegel geometrischer Halluzinationen.
Irgendetwas registriert alles was sie denkt und tut mit kaltem,
höhnischen Hass, jede Verlagerung ihres Gewichtes auf den Beinen,
jede Kontraktion ihrer Muskeln, sie will einfach nicht mehr selbst
entscheiden können. Fehlt dir was? fragt Slacker. Eine grüne
Leuchtkugel explodiert in Corazons Gehirn, will einfach nicht mehr
selbst entscheiden können. Irre Schatten laufen zu ihrer Süchte
Ziel, rasende Machtlosigkeit. Sie sieht einen Mann vor sich, seinen
schlanken braungebrannten Körper, der sich an sie drängt,
seine kurzen AtemStöße an ihrer Schulter. Die Leuchtkugel
verlischt. Ein riesiges Insekt windet sich in ihrer Hand, heftiger
Ekel durchfährt sie wie ein elektrischer Schlag. Sie prallt
angewidert zurück, sagt, diese ganze Sache hier ist mir einfach
zu unwirklich, grünes Licht, grüner Schatten, ich gehe
jetzt weg und prallt zurück, ihr könnt mich nicht zwingen
hier zu bleiben. Das will ich doch gar nicht, welchen Grund sollte
ich sagen, was ich davon abgebissen habe, ich versuche eher den
Zugriff ihrer mir momentan unangenehmen Aura auf mich abzuwehren.
Sie dreht sich um und sieht sich selbst von hinten auf das Haus
zugehen, mit leeren Händen. Sie geht schleppend, Taubheit kriecht
ihr die Beine hoch, das Haus scheint sich immer weiter zu entfernen.
Kalte blaue Straßen, die eisernen HäuserWände zu
beiden Seiten bestückt mit Linsen, die blaue Tätowierungen
projizieren in ein Meer aus blauem MosaikPorzellan. Corazon stolpert
über aufgeplatztes Pflaster und denkt, eigentlich will ich
allein sein, arm an Bedürfnissen, überall fremd und überall
zu Hause, ich will einsam und groß meiner Wege gehen, die
Welt erobern; sie spürt seine kurzen AtemStöße an
ihrer Schulter. Die Leuchtkugel verlischt. Ein riesiges Insekt windet
sich in ihrer Vene, eingesogen vom schweigenden Durst des Blutes.
Blitzschnell sondiert sie die Umgebung, Räume, die ineinander
übergehen, voll mit lautlosem Vibrieren. Grüne Funken
explodieren hinter ihren Augen. An der einen Wand steht ein metallener
Trog, mit einem Aquarium innen drinnen, das bis zur Hälfte
mit einer schimmelig grünen Flüssigkeit gefüllt ist.
Irgendwelches Zeug, abgenutzt in unbekannter Funktion, liegt auf
dem Boden herum. Gerüche wabern in rosa Schlieren durch den
Raum und gleiten an unsichtbaren Hindernissen entlang. Ihre Hand
greift unter ein Waschbecken, zieht ein Paket heraus. Die PackpapierHülle
zerfällt zwischen ihren Fingern zu gelben Staub. Sie legt Tropfer,
Nadel und Löffel auf den Tisch, wo noch Platz ist zwischen
schmutzigem Geschirr und kocht die Ladung auf. Mit zarten Fingern
streicht sie sich die GänseHaut an ihrem Arm glatt und tastet
an einer Vene entlang. Sie lässt die Kanüle hineingleiten.
Ein leiser, ziehender Schmerz wie leichtes ZahnWeh schießt
ihr durch die Luft, die klar wie Glycerin ist. Eine rote Orchidee
geht unten im Tropfer auf; sie drückt den GummiBall zusammen
und sieht die kühle Lösung in ihre Vene rauschen, eingesogen
vom schweigendem Durst des Blutes. Sie dreht an einem HautFetzen,
der Arm fällt ab. Sie hat eine Vene getroffen, Blut schießt
in die Straßen, schreiend, Ziegel und Eisen verdrehen sich,
der Fall der Türme, mein Herz losgerissen, ihre Gewalt in einer
dicken Schlinge aus StahlStreben, StromKabeln, Ziegeln gebunden.
Sie ergreift eine rostige SicherheitsNadel, die mit geronnenem Blut
verkleistert ist und bohrt sich ein riesiges Loch in den Schenkel
und macht einen kurzen Einstich mit der Idee der Autorität.
Sie spürt wie sie feucht wird, in warmen, nervösen Schüben.
Das Loch klafft, ein obszöner Mund schwärend in hingebungsvoller
Erwartung auf die Vereinigung mit dem Tropfer, den sie tief in die
aufblühende Wunde stößt. Durchrast von hemmungsloser
Gier zerbricht sie ihn tief im Fleisch ihres zermarterten Schenkels.
Doch was kümmert es sie? Sie klemmt sich ein Stück Schenkel
und macht einen kurzen Einstich mit der SicherheitsNadel, dann hält
sie den Tropfer darüber und träufelt die Lösung langsam
und vorsichtig hinein, damit nichts daneben geht.... Gedanken schwätzen
wie Statik durch die Luft, klar wie Glycerin. Sie spritzt sich wieder.
Er ejakuliert einen RegenBogen in die aufblühende Wunde stößt.
Sie hat eine Stelle gefunden wo die Nadel jederzeit glatt reingeht,
eine Vene, die offen bleibt, ein roter, entzündeter Mund, verquollen
und obszön .... langsam bildet sich nach jedem Schuss ein Tropfen
Blut, vermischt mit Eiter. Die Zeit gleitet vorüber und wird
mit der Nadel auf einen langen BlutFaden aufgereiht; sie vergisst
sämtliche Freuden des Körpers, ein graues JunkGespenst.
Sie spürt sich in ihre Vene rauschen, eingesogen vom schweigenden
Durst des Blutes. Sie ergreift eine rostige SicherheitsNadel, die
mit geronnenem Blut verkleistert ist und bohrt sich ein Stück
Schenkel; macht einen kurzen Einstich mit der Nadel auf einen Tisch,
der mit schmutzigem Geschirr voll gestellt ist und bohrt sich ein
Stück Schenkel, macht einen kurzen Einstich mit der Nadel auf
einen langen BlutFaden aufgereiht. Der Tag sollte am besten nur
aufgehen und damit schon zu Ende sein, die Dinge sollten nur erscheinen,
um sofort wieder beseitigt zu werden. Sie tastet sich durch vergilbte
LochStreifen in der RandZone ihres Gedächtnisses, eine öde
Zone mit einer zäh, farblosen Atmosfäre, aus der sie klaffende
ErinnerungsLücken angähnen, um den Kopf. Es durchschüttelt
sie, aber sie will es nicht warm, Junk will cool sein, kalt, noch
kälter, nicht von außen, das ist völlig egal, sondern
innen, eiskalt. Sie greift nach einer vollen Spritze, rollt sich
wie ein Fötus zusammen und jagt sich die Nadel ins RückenMark,
ihre Wirbelsäule, wie aufeinander gesteckte Schneekristalle,
es durchfröstelt sie wohlig und mit einem Seufzer der Entspannung
zieht sie sie wieder heraus; ihr Metabolismus nahe AbsolutNull.
Grüne Funken explodieren hinter ihren Augen. Ein leiser ziehender
Schmerz, wie leichtes ZahnWeh schießt ihr durch die WirbelSäule,
in die LendenGegend und ihr Körper windet sich in konvulvischen
Zuckungen. Ihre Lippen färben sich violett. Sie sieht AtztekenPriestern
einem nackten Jungen die Robe aus blauen Federn abnehmen. Sie legen
ihn mit dem Rücken über einen KalkSteinAltar, legen ihm
die halbierten Schalen eines kristallenen TotenSchädels um
den Kopf und verschrauben die beiden Hälften hinten und vorne
mit goldenen Schrauben. Ein WasserFall stürzt herab und bricht
dem Jungen das Genick. Er ejakuliert einen RegenBogen ... das Gesicht
ist violett mit goldenen Schrauben. Ein WasserFall stürzt herab
und bricht dem Jungen das Genick. Er ejakuliert einen RegenBogen
in die aufgehende Sonne. Lagunen am Rande des Urwalds, gefräßige
Fische schnappen nach weißen Sperma, das auf dem schwarzen
Wasser treibt, BrüllaffenSchreie, heulender Wind in den Bäumen,
eine Klapperschlange beißt zu, eine Kobra richtet sich auf,
bläht sich, verspritzt weißes Gift. Perlen und OpalSplitter
regnen lautlos und träge durch die Luft, die klar wie Glycerin
ist. Sie hat eine Vene getroffen, Blut schießt in den Tropfer,
geht auf wie eine chinesische Blume, Zeitsequenzen auf einen BlutFaden
aufgereiht. Sie sitzt da, die schlaffen Hände im Schoß
und starrt mit den erloschenen Augen des Junk hinaus in die Nacht.
Junk, der reduziert auf die nackte Substanz der Sucht, die dem Opfer
die ebenso prekäre wie heitere Gelassenheit einer Pflanze verschafft.
Sie tastet sich durch die Luft, die klar wie Glycerin ist. Sie hat
eine Stelle gefunden wo die Nadel ins RückenMark gleitet. Ein
leiser, ziehender Schmerz wie leichtes ZahnWeh schießt ihr
durch die Luft, klar wie Glycerin. Bilder fallen langsam und lautlos,
wie Schnee ... heitere Gelassenheit ... alle Widerstände brechen
zusammen ... sie lässt bereitwillig alles mit sich geschehen,
mach mit mir was du willst, über ihren Rücken verlaufen
dunkle Striemen, wie ein wütend übermaltes Fresko, unheimliche,
ins Fleisch gemeißelte Hieroglyfen. Angst ist undenkbar geworden
... eine herrliche blaue Substanz fließt in sie ein ... sie
sieht ein archaisches Gesicht grinsen, eine Maske aus dem Südpazifik
... das Gesicht ist violett mit goldenen Flecken. Sie spürt
sich in eine Schwarze verwandeln, lautlos kriecht ihr die dunkle
Farbe ins Fleisch, überwältigendes LustGefühl, ihre
Beine nehmen üppige Formen an, überall regt sich heimliches
Leben. Sie läuft durch SpiegelStraßen aus Glas und Metall
unter vielfarbigen NeonGeflacker von StroboskopZylindern. Projektoren
auf Türmen bestreichen die Stadt mit der FarbhandSchrift eines
Malers. Kalte, blaue Straßen, die eisernen HäuserWände
zu beiden Seiten bestückt mit Linsen, die blaue Tätowierungen
projizieren und in ein Meer aus blauem Konzentrat führen, das
bestrahlt wird von pulsierenden blauen Stroboskopkugeln. Kühles,
blaues MusikGeflecht aller Zeiten und Orte zum Rhythmus ewiger Maschinen.
Straße der LichtTänzer, denen die Farbschrift von Scheinwerfern
auf den Körper projiziert wird - in einem glitzernden StripTease
winden sie sich aus den roten, gelben und blauen Schichten, durchsichtige
Wesen leuchten flüchtig in NeonReifen auf - nackt stehen sie
da, verglühen in einer weißen Explosion, verschwimmen
zu Grau, verdampfen im blauen DämmerLicht. Corazon liegt mit
dem Gesicht nach unten auf etwas Rauem; schlägt die Augen auf.
Ein Weg aus runden Steinen, regennass. Sie rappelt sich hoch, taumelt
und sieht das dunstige Panorama einer seltsamen Stadt am Meer. Türme
ragen auf. KirchTürme aus tolldreist geripptem und spiralförmig
behauenem Stein. Sie wendet sich um und sieht eine riesige Echse
mit aufgesperrtem Maul den Hang herunter auf sich zu gleiten. Sie
blinzelt. Die Zähne der Echse sind aus grüngefleckter
Keramik und ein träger WasserStrahl plätschert über
die Lippe aus blauem PorzellanMosaik. Da hat sie plötzlich
Angst vor der SuchtLust, mit ihren tausend ErscheinungsFormen. Ein
WasserFall stürzt herab und bricht dem Jungen das Genick. Er
ejakuliert einen RegenBogen in die erogenen NervenEnden, nicht so
viel, dass es wehtut oder brennt, aber genug um sexuell zu stimulieren,
die kleinen von der Fantasie ausgelösten LustSchübe -
die Lust an der Katharsis, das Vergnügen an der Erlösung
der Fantasie. Sie zieht ein transparentes Röhrchen aus einem
Paket heraus und legt es in ihren Zapfhahn ein. Es passt genau in
das Medinjekt, das ins Fleisch ihres Oberschenkels eingesetzt ist.
Sie krempelt ihren linken Ärmel hoch, geht zu einer schwarzen
GummiWarze, die in HüftHöhe aus einer MetallBrust an der
Wand ragt. Sie drückt ihre ArmBeuge dagegen, spürt die
computergesteuerte Nadel nach ihrer Hauptvene suchen und die Droge
hineinjagen. Sie ist allein an diesem Ort blassblauer Lichter und
mattrosa Perspektiven, bis ihre KopfHaut zu britzeln beginnt, sich
eine SystemKoppelung ankündigt und m it brutaler Intimität
tauchen fremde Seelen in sie ein. Da ist eine Frau, total verwachsen,
mit fehlgeleiteten Drüsen, die wie Tumore in ihr sitzen. Sie
ist zu einem Raubtier geworden, weil Selbstverachtung ohne Ende
in ihr schmerzt; eine Reflektion der totale Ablehnung, die ihr von
außen entgegen wächst - eingebettet in einen Glauben
an synthetisches Morfium. Dann schlittert ein Typ mit einem komplexen
WeltBild in die Koppelung, einer Art Soziobiologie aus dem BlickWinkel
der Gosse; Loyalität seinen Freunden gegenüber und ein
starkes Faible für HirnChips und Amfetamine. Seine verborgene,
doch für Corazan schmerzlich sichtbare Seite zeigt ihn als
masochistischen Zwerg, ein Troll des SelbstZweifels, einen sich
in SelbstZweifeln windenden Wichser, der sich an seinen SchuldGefühlen
blutig fleischt. Auch ein Raubtier. Sie spürt sich in ihre
Vene rauschen, eingesogen vom schweigenden Durst des Blutes. Sie
greift eine rostige SicherheitsNadel, die mit geronnenem Blut verkleistert
ist und verbohrt sich ein Loch in den Schenkel, dann hält sie
den Tropfer darüber und verträufelt die Lösung langsam
und lautlos wie Schnee ... heitere Gelassenheit alle Widerstände
brechen zusammen .... ein Gesicht grinst, ... violett mit goldenen
Schrauben an den Schläfen. Ein WasserFall stürzt herab
und bricht das Genick. Ein Regenbogen ejakuliert in die aufblühende
Wunde. Durchrast von hemmungsloser Gier zerbricht sie ihn tief im
Fleisch ihres Oberschenkels. Sie dreht an einem HautFetzen herum
und sagt, das Rätsel der Ordnung ist leer gelaufen und ich
denke an den Geruch frisch aufgebrühten Kaffees, während
die Sonne aus den BaumSpitzen ein silbernes NadelKissen macht und
Nebel die riesigen Stämme umhüllt. Dann hält sie
den Tropfer darüber, goldenen Schrauben. Ihre Gedanken treiben
zurück zu dem Raubtier, ganz logisch, sagt Corazon. Zwischendurch
wird sie von den Gedanken eines DominikanerMönches in weißer
Kutte harpuniert, er wirft Speere mit tödlichen Widerhaken
in ihre heimliche Seele. Gleicht einer Substanz, deren Chemie Gefühle
zerstört wie Säure Farben. Die Gegenwart dieses Fanatikers
genügt, um alle Liebe im menschlichen Herzen, bis zur Lächerlichkeit
zu vernichten. Ein riesiges Insekt windet sich in ihrer Vene, eingesogen
vom schweigenden Durst des Blutes. Sie ergreift eine rostige SicherheitsNadel,
mit geronnenem Blut verkleistert, und kocht die Ladung auf. Zarte
Finger streichen die GänseHaut an ihrem Arm glatt und tasten
an einer Vene entlang. Sie lässt die Kanüle hineingleiten.
Eine rote Orchidee geht unten im Tropfer auf sie zu und bleibt hungrig
zitternd vor ihr stehen. Sie ist zu einem Raubtier geworden um den
Kopf und verschraubt die beiden Hälften hinten und vorne mit
goldenen Flecken, sie weicht zurück. Und dann ist die Verbindung
zu einem Max da und Max sackt einem schlammigen ErdRutsch analog
auf Corazon herab. Er sieht sich als legendären Wanderer, als
Rebell, ein Mystiker von eigenen Gnaden. Das Bild seiner selbst
teilt sich und legt einen analexplopulsiven Soziopathen frei, einen
JammerLappen, der am liebsten kleine Jungs mit zarter rosa Haut
und einem Hauch von blondem SchamHaar pimpert. Wunden, Verletzungen,
die langen Fäden von Schmerz zittern in Dissonanz. Corazon
taumelt, sie sieht das Netz verzerrter Selbstbilder, Karikaturen
grotesker Ambitionen, sieht Mister Amerika, nackt bis auf die Knochen,
durchglüht von krankhafter Eitelkeit, er brüllt aus voller
Lunge, mein Arsch bringt sogar den Louvre aus der Fassung! Ich furze
Ambrosia und scheiße pures Gold, mein Schwanz spukt weiche
Diamanten in die Strahlen der MorgenSonne! Er stürzt sich von
einem blinden Leuchtturm herunter, wirft KussHändchen und wichst
sich einen ab. Er durchschlägt den schwarzen WasserSpiegel,
gleitet seitwärts hinab durch zernagte Kondome und einem Mosaik
aus tausend Zeitungen, durch die BacksteinRuinen einer versunkenen
Stadt, bis er schließlich im schwarzen Schlick zur Ruhe kommt
bei den BlechDosen und BierFlaschen, den Verrätern in Zement,
den platt gewalzten Pistolen, an denen selbst der geilste BallistikExperte
keine SerienNummer mehr entdecken kann. Dort wartet er mit fossilen
Lenden auf den langsamen StripTease der Erosion. Ein Bild, so lebendig
in allen Einzelheiten, dass seine Intensität es wie LeinWand
verbrennt. Corazon schlägt die Augen auf, ich beuge mich über
sie und frage, wie geht's an diesem perlmuttfarbenen Morgen? Sie
richtet sich auf und sagt, das Rätsel der Ordnung ist leer
gelaufen und ich lebe in einer wunderlosen Stadt, in der alles passieren
kann, ich brauche eigentlich keine weiteren Andeutungen von Unordnung
mehr. Und obwohl es ein willkürlicher MittwochMorgen ist, fühlt
es sich wie ein merkwürdiger SonntagNachmittag an und ich kehre
zurück in mich, einen ZickZackWeg entlang ins Zentrum, in den
wilden Himmel. Durch zerbrochenes FensterGlas sehe ich Männer
aus einem schattigen Torweg auftauchen; es sind Soldaten. Einigen
fehlen Teile des Schädels oder ganze Gliedmaßen, manche
haben saubere runde Löcher in der Brust und sie lächeln
sich gegenseitig mit einem Ausdruck melancholischer Kameradschaft
an. Sie kommen näher, aber darin liegt keinerlei Bedrohung.
Einer hat seinen Arm noch an einem HautFetzen hängen, der Arm
fällt ab, ein anderer bückt sich, hebt den Arm auf und
steckt ihn ihm unter die AchselHöhle. Ein Anderer springt nach
vorne, schreit ... Corazon erfasst den verletzten Körper mit
einem Blick. Das Raster seiner Seele springt auf sie zu und bleibt
hungrig zitternd vor ihr hängen. Sie weicht zurück. Wunden,
Verletzungen, die langen SchmerzFäden zittern in Dissonanz.
Ein Bild, so lebendig in allen Einzelheiten, dass seine Intensität
es wie Leinwand verbrennt. Corazon versucht sich geistig abzuwenden
und fragt, was willst du? Die Gestalt schüttelt den Kopf, ich
will nicht reden, und das Bild meines Gesichts, rote Kreide auf
braunem Papier - verbrannt und verkohlt, bis die Schönheit
freigesetzt ist; sie bohrt sich ein Stück Schenkel und macht
einen kurzen Einstich mit der Idee der Autorität. Ich will
nicht reden, sehe Corazon die Schreie dieser Seele abblocken. Wir
gehen weg, in Rauch hinein, der aus eingestürzten Mauern sickert.
Sonne fällt durch ein WolkenDeckenLoch, zeichnet einen schwimmenden
Fleck auf eine zersprungene Wand und auf meinen Blick hin senkt
der uns folgende SeelenWanderer seine Augen. Wir gehen durch die
Agonie zerstörter Strassen, vorbei an eingestürztem SteinWerk,
durch Sümpfe vernichteter Träume; oh diese Höhlen
in die ich nicht kriechen kann, wütend. Kalte blaue Straßen,
blaue Tätowierungen, ein Meer aus blauem Konzentrat, bestrahlt
von pulsierenden blauen StroboskopKugeln. Kühle blaue Musik
aller Zeiten. Straße der LichtTänzer. Corazon stolpert
über aufgerissenes Pflaster, allein, arm an Bedürfnissen,
welchen Grund sollte sie haben sich um eine kranke Seele in einem
zerbrochenen Körper zu kümmern? Aber er folgt ihr, sie
dreht sich um und öffnet sich dem, was ihr von der Gestalt
entgegenströmt - der Fall der Türme, das nackte Messer
im Bauch vergraben. Ich kann sie schreien hören, sehe wie sie
ihre Hand hebt, der Körper sich zurückbiegt, die kleinen
Hände meine größeren greifen, aufgeplatzte Haut,
eine blutige Blase, Staub und zerbröckelndes SteinWerk, eine
Flut des Abfalls in den Straßen, schreiend, Ziegel und Eisen
verdrehen sich, der Fall der Türme, mein Herz losgerissen,
ihre Gewalt in einer dicken Schlinge aus StahlStreben, ElektroKabel,
Ziegel gebunden ... Seine Gedanken schwätzen wie Statik durch
die Straßen. Wieder, ... will nicht sprechen, und das Bild
meines Gesichtes - rote Kreide auf braunem Papier - verbrannt und
verkohlt, bis die Schönheit freigesetzt ist und die verantwortlichen
Furien wüten. Leise richte ich mich auf, taste mich an der
HausWand hinter mir entlang und gehe leicht schwankend auf einen
WontonStand mit sechs leeren Hockern zu, setze mich an die HausWand
hinter mir und begebe mich auf einen blutverkrusteten SteinBlock.
Komm, sage ich, ziehe Corazon mit mir fort in den Schoß des
Vergessens, jenen gnädigen Ort den ich nie und nimmer finden
kann. Dann steht Lack vor uns, einsam und verloren. Mir ist plötzlich
etwas eingefallen, deshalb bin ich bar allen sicheren Wissens gedrängt
zu töten oder einem Totschlag beizustimmen und diese Gewissheit
verstärkt sich noch, spitzt sich zu und ich habe so ein Gefühl,
wenn ich um mich blicke und sie kichert entzückt über
den Boden. Wir gehen einen schmalen gepflasterten Weg, durch ein
verrostetes Tor entlang, aus einiger Entfernung ist das Klappern
von Absätzen zu hören, pengpeng. Schritte nähern
sich auf den Flügeln verkohlter Gedanken am Eingang einer Höhle
und sie entblößt rotmarmorierte Fangzähne. Ihr Kopf
ist breiter, als eine Treppe, SchlackenRegen fällt mir durchs
Fleisch, mein After verglüht und zerfällt in glitzernden
Staub, der sich bei jedem Schritt wie purpurnes Mehl auf die Erde
legt. Corazon sagt, ein Mensch wie du kann wohl keine andere Art
neben sich dulden, du verstehst dich wohl als Apologie und Ende
des MenschheitsAbenteuers und du kontrollwähnst jeden neuen
Einbruch in den kosmologischen Verlauf. Dann ist da eine Bar vor
uns und ich werde mir meines Hungers bewusst, wir gehen hinein.
In dem Raum spiegeln sich gelbe Lampen auf einer Fläche fluoreszierenden
Sandes, der aussieht als wäre er durch natürliche Erosion
von den ihn umgebenden FelsWänden abgetragen worden. Auf schwebenden
GlasTabletts stehen blasse Skulpturen. Wir gehen um den SandTeich
herum, geradewegs auf die Bar zu. Sie ist niedrig, hufeisenförmig,
ein ArtDecoSimulakrum mit vergoldeten halbblinden Spiegeln hinter
leeren Flaschen. Wir setzen uns an eine Ecke der Theke. Die Leute,
deren Rücken ich auf den Hockern gesehen habe, gewinnen Gesichter,
doch keines ist mir vertraut. Der BarMann, dessen aufgekrempelte
ShirtÄrmel Hälse tätowierter Leoparden umschnüren,
fragt, ihr trinkt doch sicher Kaffee, oder? Mmpff, sage ich und
was zum Beißen, sagt Corazon. Geht klar, sagt der BarMann.
Kurze Zeit später knallt er uns zwei Teller mit kleinen ReisKuchen
und winzigen glotzäugigen Fischen, die nach Kerosin und SojaSoße
riechen auf den Tresen. Der Kaffee kommt in einer fliederfarbenen
Thermoskanne, heiß, nicht sehr stark und vom ChlorAroma des
hiesigen Wassers durchdrungen. Ich sage, eigentlich bin ich Vegetarier
und ich mag auch nichts essen, was mich anschaut, und zu Corazon,
also wenn du magst, kannst du meine Fischchen haben, sie nickt,
ich schaufle ihr die Glotzer auf den Teller und mampfe die pampigen
ReisKuchen, die irgendwo zwischen süß und salzig, eigentlich
wie japanisch, nach gar nichts schmecken. Am anderen Ende der Bar
zerbricht sich das Heulen einer Frau in Gelächter. Drei Männer
um sie herum, ebenfalls lachend, verschwimmen wie große schwarze
BlütenBlätter. Die Mehrheit der Anwesenden trägt
Leder, dazwischen gibt es vereinzelt ein paar mit GangLogos aufgehypte
JeansJacken und einer trägt eine IrezumiJacke, die gegerbte
Haut eines völlig tätowierten Menschen im BomberJackenStil
mit blondierten HaarPinseln am Kragen. Die Frau unterhält sich
jetzt mit einem Mann, der einen ausgefransten lila Pullover trägt,
selbe Farbe wie die ThermosKanne. Licht legt bunte Reflexe in ihr
glattes schwarzes Haar, lässt ihre Augen aufleuchten. Die Luft
stinkt nach fauligem Müll, schalem Wein und Bier, menschlichem
Schweiß mit einem süßlichen Touch wie Geißblatt,
der mich an meine Kindheit erinnert, als ich mit Freunden beim Spielen
kreischte, aber die Gesichter der Freunde bleiben unscharf. Ich
kaue an meinem linken DaumenNagel und spuke aus, was ich abgebissen
habe. Der BarMann schiebt eine Schüssel mit GetreideFrosties
zu mir rüber. Gibt leider keine Milch, sagt er. Ich gieße
den lila ChlorKaffee drüber, löffle und schlürfe
schnell, bevor sie matschig werden und ich zuviel schmecke. Meine
Gedanken treiben zurück, zu einem Raubtier geworden um den
Kopf. Nochmal. Meine Gedanken treiben zurück zu einem namenlosen
Ort am Meer. Der Boden war mit den rostfarbenen Sägespänen
von MammutBäumen bedeckt, und ich rieche frisch aufgebrühten
Kaffee, während die Sonne aus den BaumSpitzen ein silbernes
NadelKissen macht und Nebel die riesigen Bäume umhüllt.
Corazon sagt, die Wiederholung der Tage ist endlos, die der Nächte
ist es weniger. Wahrscheinlich hat die Aufeinanderfolge der Nächte
einen Sinn, während die der Tage uns nirgendwohin führt.
Der Tag sollte am besten nur aufgehen und damit schon zu Ende sein;
die Dinge sollten nur erscheinen, um sofort wieder zu verschwinden.
Die Luft riecht jetzt schwer und bedrückend; ich durchdringe
eine Zone der Stille und für einen Augenblick oder eine Ewigkeit,
das spielt jetzt keine Rolle, reise ich nach Belieben darin umher,
meine Gedanken um den Kopf, will nicht reden, und das Bild meines
Gesichts rote Kreide auf braunem Papier - verbrannt und verkohlt.
Ein Mann kommt an die Bar und bestellt sich einen Drink. Er stürzt
ihn hinunter und bestellt einen zweiten, ehe er sich umschaut, um
zu sehen, ob er jemanden kennt. Dann fällt sein Blick auf Corazon,
die einen zugleich freundlichen und beiläufigen Gruß
versucht, der Interesse zeigen soll, ohne Bekanntschaft zu forcieren.
Das Ergebnis ist sehr seltsam. Während er sich in ihre Richtung
verbeugt, ist seine Miene nackte Lüsternheit, die sich dem
angestauten Schmerz und Hass seines ausgehungertem Körpers
entringt, und gleichzeitig, wie in Doppelbelichtung, ein liebenswertes
und vertrauensvolles KinderLächeln hervorzaubert, das fürchterlich
deplaciert, verstümmelt und hoffnungslos wirkt. Corazon spürt
den Körper des Mannes zu ihr hindrängen, eine Projektion
amöbenhaften Protoplasmas, das mit dem Hunger eines blinden
Wurms in sie eindringen will, um mit ihren Lungen zu atmen, mit
ihren Augen zu sehen und um sich in ihre Eingeweide und Genitalien
zu tasten. Die Leuchtkugel verlischt. Ein riesiges Insekt windet
sich in ihrer Vene, eingesogen vom schweigenden Durst des Blutes.
Corazon versucht sich geistig abzuwenden und fragt was willst du,
er schüttelt den Kopf, will nicht reden. Ich bezahle die Rechnung
und wir gehen hinaus in violetten Dunst, durch die vergilbten LochStreifen
in der WolkenDecke. Unter meinen Füßen ist der Boden
mit Münzen und Kronkorken gepflastert, sie sind unter einem
transparenten Belag eingeschlossen, der sich ziemlich hart anfühlt.
Wir sollten zu viert sein, sagt Corazon. Wieso?, frage ich. Die
Aboriginies gingen immer nur in ViererGruppen auf die Jagd und ganz
gleich welche Individuen sie dafür aussuchten, übernahmen
sie während der Jagd stets vier deutlich voneinander abgegrenzte
Rollen - den Führer, den Krieger, den Mystiker und den Narren;
das ergab eine bemerkenswert stabile und leistungsfähige Gruppe.
Hmmh, sage ich, einmal habe ich mir, in so einem langweiligen Moment,
überlegt, wozu ich gerade Lust hätte; mir sind dann nach
und nach elf verschiedene Möglichkeiten eingefallen, die sich
größtenteils gegenseitig ausschlossen. Ich ergriff daraufhin
die zwölfte, das Nichtstuns, - von der Vielzahl der gegensätzlichen
Optionen geplättet. In den darauf folgenden Jahren habe ich
dann mehr und mehr versucht meine unterschiedlichen Persönlichkeitsstränge
zu entflechten. Auf die Idee, dass vier davon eine gewisse Stabilität
darstellen würden, bin ich nicht gekommen. Zu einer anderen
Zeit, in einem anderen Teil meines Kopfes wüten freie Assoziationen,
einen ZickZackWeg entlang ins Zentrum, in den wilden Himmel, kann
der Logik der Sätze folgen, aber die Gefühle dahinter
verwirren mich, zu viele verschiedene CharakterZüge, Fähigkeiten,
Triebe, kräuseln sich in GummiSchlangen mit PuderZucker bestäubt.
Ist doch ganz logisch, sagt Corazon, die Vier im Tarot ist der Herrscher,
er repräsentiert die weltliche Macht, eine Vereinigung der
Energien in ihrer materiellsten Form, verbunden mit der Idee der
Autorität. Die Figur ist das alchimistische Symbol des Schwefels
und der wiederum ist die männliche, feurige Energie des Universums.
Bezüglich der Qualitäten dieser Macht sollte man allerdings
nicht vergessen, dass sie eine plötzliche, ungestüme,
jedoch nicht dauerhafte Aktivität darstellt. Aber so eine Jagd
dauert ja auch nicht ewig, sage ich. Wieder Corazon, die Welt ist
in vier Himmelsrichtungen aufgeteilt, das Quadrat gilt als solide
GrundLage, in ihm ist das ErdenRund eingerenkt. Das Kreuz, die offene
Form der Vier ist unser KoordinatenSystem, damit wurde die Welt
von dem sterbenden Gott abgetrennt, um nicht gleich mit ihm mitzuverrecken.
Das Kreuz gilt als das sichtbarste Symbol für die Wut der Unbelehrbarkeit,
mit der die WeltMächte, toter Gott hab sie selig, auf ihrem
Realismus beharrten. Aber ich bin noch nie auf die Idee gekommen
vier Schattierungen meiner selbst, oder vielleicht vier verschiedene
ProgrammTeile zweckgerichtet zu bündeln, ich danke dir meine
Liebe, aber ich werds vermutlich auch nie tun. Dazu fehlt mir irgendwie
immer die nötige Disziplin oder, ich kann auch gar keinen Sinn
für mich in solch einer Übung erkennen, weil kein Bewusstsein
einfach nur auf Reize reagiert, vielmehr folgt es seinen eigenen
Impulsen, die es zu Wachstum und SelbstVerwirklichung drängen.
Sie hat ein Grinsen wie geronnene Butter im Gesicht, dann wird sie
abrupt ernst, dann zerstreut, dann offen. Das ist halt was wir bin,
oder sollte ich besser sagen was ich sind, weil die Endzeit in ihrer
notwendenden Einzigartigkeit ein Ort des Zusammenbruchs aller herrschenden
Gesetzmäßigkeiten ist, sind? All diese Aussagen halten
sich gegenseitig, oder vielmehr, sie halten uns so fest umspannt,
dass wir uns zu überhaupt nichts mehr entscheiden können.
Ist eh egal, sage ich, solange wir als körperliche Gestalt
noch einigermaßen zusammenhängen, kann eigentlich so
viel nicht schief gehen. Corazon sagt, doch eine Gestalt setzt ein
Publikum voraus, sie kann sich nur aufstellen, indem sie sich entgegenstellt.
Sie kann sich ihrer Existenz nur versichern, wenn sie sich im Gesicht
der anderen wieder findet, die anderen sind immer der Spiegel. Uhh.
An einer StrassenEcke hat ein junger Mann einen Spiegel auf eine
RegenTonne gestellt, rasiert sich die langen, seidig glänzenden
schwarzen Haare von der Brust und singt dazu, no pegan a mio. Es
ist ein penetranter und unerträglicher Sound, der durch seine
leicht geöffneten Lippen wie InsektenMusik heraussirrt. Er
reckt sich, wiegt den kahlen Oberkörper vor und zurück,
eine Schlange. Warmer Dunst hüllt ihn ein, muffiger Gestank
nach verfaulten Pflanzen- und TierKadavern. Er geht auf eine schlaffe,
etwa einen Meter lange Röhre zu. Sie wächst aus zwei purpurnen
Knollen, aus denen zarte rosa Ranken sprießen. Die Pflanze
dreht sich dem Mann entgegen. Er geht hin und reibt die Röhre,
die nun langsam erigiert und zu einem riesigen Fallus wird, mit
zwei prallen Hoden dicht über der Erde. Er zieht seine Hose
aus, stellt sich auf den HodenSack der Pflanze und umklammert den
Schaft, die rosa Ranken winden sich um seine Beine und züngeln
hinauf, zwischen seine Schenkel und ArschBacken. Er taucht in erhabene
Extase, Schicht für Schicht öffnet sich ihm, er tritt
nach innen und erforscht nie betretene Reiche im Zentrum seines
Seins. Und er ruft uns, immer lauter, immer drängender, bis
er sanft und doch kraftvoll unsere Vorbehalte durchdringt und wir
zuhören und ihm folgen müssen, wohin er uns auch führen
mag. Wir gehorchen, rücken näher zusammen und verschmelzen
zu einem Sein. Jetzt schwappt ein roter Schwall durch den Körper
des Mannes und überzieht seine Haut mit roten Striemen. Eine
matt schimmernde SaftPerle quillt aus der Spitze des riesigen PflanzenStänders
und läuft an der Seite herunter. Der Mann drängelt sich
mit dem ganzen Körper an den Schaft und reibt die große,
pulsierende Eichel mit beiden Händen. Ich höre ein weiches
gedämpftes Geräusch, ein Stöhnen pflanzlicher Lust,
das von den schwellenden Wurzeln aufsteigt, und im nächsten
Moment spritzt es aus dem RiesenRohr drei Meter hoch in den bleichen
Himmel, die Stadt wie eine alte FilmKulisse. Von irgendwoher eiern
viel zu langsame, verzerrte BreakBeats. Eine kleine Prozession nur
Frauen und Kindern drängt sich aus Rauch, sie sind bunt geschmückt,
haben ihre Gesichter weiß bemalt und singen ein eintöniges
Lied, das immer wieder von lauten Schreien unterbrochen wird. Eine
Weile später, weit, weit weg, pfeift jemand. Ich denke Sand
rinnt durch die Zeit heran, KinderLachen, verschwommene Gesichter,
die Strahlen der AbendSonne durch das Fenster unseres BadeZimmers.
Dann steht Lack schon wieder vor uns, einsam und verloren. Mir ist
plötzlich etwas eingefallen, deshalb bin ich noch einmal gekommen,
ihre Augen starren ins Nichts, sie rezitiert - wehe, wehe, du große
Stadt, du starke Stadt. Auf eine Stunde ist dein Gericht gekommen.
In einer Stunde wirst du verwüstet sein; Gott wird nach seinem
Urteil an dir tun. Ein großer Engel hebt einen Stein auf und
wirft ihn ins Meer. Also wird mit einem Sturm verworfen die große
Stadt, dass niemand mehr weiß, wo ihre Stätte ist ...,
den Rest hab ich vergessen. Naja, wegen dieser Message hättest
du dich aber auch nicht mehr aufrappeln müssen, sagt Corazon.
Auf Lack 's Gesicht gefriert ein silbernes Lächeln, ihre dunklen
Augen verbraucht, in einem feinen LichtStrahl, der von irgendwo
hereinfällt. Und der Sog des Alten ist stark. Dann schwingt
der Tod seine Sense, tut einen pfeifenden Hieb und sie bricht zusammen,
ein reptilienhafter WasserFall aus Fleisch, dessen Gelenke alle
gleichzeitig nachgeben. Geh in Deckung, rufe ich Corazon zu und
hechte hinter die Trümmer einer LitfassSäule. Der Tod
setzt sich nieder, stemmt die Sense auf, nimmt aus dem Gürtel
einen Wetzstein, spukt darauf und beginnt die Sense zu schleifen.
Blaue Funken zucken aus dem Stahl. Dann erhebt sich der Tod und
tut einen zweiten Schlag. Es dauert eine kleine Weile und Lack zerplatzt
in einer FlammenFontäne, löst sich auf in einen Strom
von Fischen, Blumen, Vögeln und allen fünf platonischen
Körpern in bunt. Zufrieden nickt der Tod, wendet sich um, beginnt
seinen Weg durch die große Stadt und singt, alles Geborene
muss sterben, alles Zusammengesetzte zerfallen, alles in Erscheinung
Getretene muss wieder verschwinden, alle ErscheinungsFormen und
ihre Zwecke sind vergänglich. Ein Mönch fängt das
glitzernde PflanzenSperma mit seiner Kutte auf und Corazon sagt,
deine Augen glühen von innen heraus, wie bei einer Katze. Wärmende
SonnenStrahlen auf dem Rücken gehen wir weiter, sehen seltsam
gekleidete Kids herumschleichen, die völlig irre Süßigkeiten
in sich hineinstopfen. Einer hat sich drei MarzipanTotenköpfe
zwischen seine ZahnStummel geklemmt und hüpft wie ein zerrupfter
KampfHahn um die anderen herum, die sich mit Schokolade bestreichen
und gegenseitig abschlecken, sich in GummiSchlangen wälzen,
mit Puderzucker bestäubt. Wir hören die Schreie eines
Mädchens, die von einer Horde NeoAzteken geschnappt wurde.
Sie zerren sie auf einen blutverkrusteten SteinBlock, reißen
ihr die Kleider vom Leib und schneiden ihr mit Messern und Scheren
das Herz aus dem BrustKorb. Sie opfern die zuckende Gabe einem Gott,
dessen HandlungsVermögen sie sicherlich falsch einschätzen,
den sie aber weinend, verzweifelt, um Erlösung anflehen. Ihre
Entschuldigung ist der Schmerz, sagt Corazon, soviel erlittenes
Unrecht, so andauernde Schmerzen erlauben jeden Exzess. Mein Kopf
verneint von selbst, mein Mund sagt, die tödliche Bedrohung,
die über unserem Dasein schwebt macht alles unfruchtbar, nur,
so scheint es, der rasende Rausch und, an der äußersten
Grenze, das schöne Verbrechen schöpfen dann in einer Sekunde
den ganzen Sinn des Lebens aus. Corazon beugt sich über den
aufgerissenen Körper des Mädchens, fährt mit dem
Zeigefinger die Ränder der Wunde ab, leckt sich den blutigen
Finger und sagt leise, ich werde unter die Erde sinken und du, du
wirst in die Sonne gehen, Schwester. Sie dreht den Kopf des Mädchens,
dass ihre weitaufgerissenen blauen Augen in die Sonne starren, -
wohin ihre Seele fliegt, ihr Herz verteilt in den Mägen ihrer
Schlächter. Ein reinrassiger Tossa kommt angetrottet, schnüffelt
kurz an der Leiche, setzt sich auf die Hinterbacken und betrachtet
die Umgebung mit der Bewegungslosigkeit sich sonnender Echsen, nur
hin und wieder erscheint das Rosa seiner Zunge und leckt sich über
massive Kiefer. Ein Geruch nach Abfall und Unkraut driftet durch
die Luft. Wir gehen einen schmalen gepflasterten Weg, durch ein
verrostetes Tor entlang, aus einiger Entfernung ist das Klappern
von Absätzen zu hören, pengpeng. Ich biege um eine Ecke,
und da ist die geschwärzte Wüste eines Parks. Schwarze
RauchWolken hängen über der zernarbten Erde. Die Straße
ist mit Autos verstopft, manche sind ausgebrannt, andere umgeworfen,
und alle sind mit einer AscheSchicht bedeckt. Nichts regt sich.
Die anderen sind immer der Spiegel. Lacks Augen wirre Tiefen aus
Kristall und Feuer, ein SchuttHaufen wertvoller Trümmer, sie
tanzt mit obszönen Bewegungen auf mich zu, SchlackenRegen fällt
mir durchs Fleisch, mein After verglüht und zerfällt zu
glitzernden Staub. Langsam hebt sie die Hände, mit den HandFlächen
nach oben, und gleichzeitig mit dieser Bewegung steigt blauer Dunst
vom Boden auf. Sie kehrt die HandFlächen nach unten, senkt
langsam die Hände und zieht blaue Schlieren vom abendlichen
Himmel. Ein Schwall von Farbe kreist um ihre Beine und züngelt.
Nun verschwindet nichts mehr durch Ende oder Tod, sondern durch
Wucherung, Ansteckung, Übersättigung oder Transparenz,
Erschöpfung oder Ausrottung kein fatales Verschwinden mehr,
sondern fraktale Zersplitterung. Ich blinzele hinauf, ein reinrassiger
Tossa kommt angetrottet, schnüffelt kurz an der Wand entlang,
sucht einen Ausgang, denkt an Ausweg, alles ist so dreckig hier
und stinkt nach Pisse. Hass steigt in mir hoch, dreiviertel davon
kann ich mit nichts in Verbindung bringen, disconnected. Corazon
gibt ein leises Geräusch der Langeweile von sich, sagt, verlass
dein Selbst, werde ein Vogel, verlass den Vogel, werde nichts, aber
ihre Konzentration ist irgendwie dahin, sie singt, now I lay me
down to sleep, I hear the sirens in the street, all my dreams are
made of chrome, I have no way to get back home, und spürt eine
SäureKugel in ihrem Magen, die Geräusche der Toten ringsum
wie VogelGezwitscher, hilflos im Netz. Der Raum, den mein Fleisch
jetzt einnimmt, fühlt sich kalt und feucht an, ungefähr
so wie die Streifen eines vermoderten KleiderStoffes, und jenseits
davon verlaufen seltsame weiße Kreise aus ElfenBein oder Stein
in einem feinen LichtStrahl, in einem anderen Teil meines Kopfes
wütende, freie Assoziationen. Ich kehre zurück in mich,
einen ZickZackWeg entlang ins Zentrum, in den Bauch. Leise richte
ich mich im Inneren dieser absurden Erfahrung auf, gegeben ist nur
wieder die Revolte. Slacker steht plötzlich hinter mir, seine
Hände bewegen sich Krebsen gleich aufeinander zu, krabbeln
um ihn herum und ergreifen seine Schultern. Freude rinnt mir in
Hände und Füße. Er sagt, der Traum ist das Herz
der Wirklichkeit und blickt mich von diametralen Punkten an, absichtslos
und weise. Wir bewegen uns durch eine starre Stadt wie Winde. Etwas
kreist mich ein und verrät mir nur durch seine Position, dass
es mehr weiß als ich will. Da macht es eine maskuline Geste
vor ekstatischer Szenerie, hält bei geronnenem Blut und Knochen
inne, es zittert und stammelt, es beugt einen stumpfen, murmelnden
Kopf vor der Ungerechtigkeit, vor der Wut oder seiner Ignoranz?
Vor den Überresten eines zerbrochenen Bewusstseins, zurückgelassen
auf den Flügeln verkohlter Gedanken am Eingang in die GanglienStadt.
Und ich hebe den Kopf. Du, sagt er, bist du glücklich? Ich
meine, wie du so lebst? Hääh? denke ich, was ist los mit
ihm? Ich starre ihn an, sein grinsender Mund, groß, widert
mich an. Er grinst noch breiter, ich mag das hier nicht, mir ist
kalt, meine Hände krabbeln wie Krebse um mich herum, krallen
sich am Stoff meines Mantels fest. Er sagt, es ist an der Zeit,
dass wir aufhören nach festem Boden zu suchen, auf dem wir
stehen wollen. Wir müssen uns selbst in den MittelPunkt aller
Dinge rücken. Wenn wir etwas brauchen, auf dem wir stehen wollen,
dann sollten wir es um uns kreisen lassen, denn wollte man den gegenwärtigen
Stand der Dinge benennen, so würde ich sagen, wir befinden
uns nach der Orgie, die Apokalypse ist gelaufen und hat wieder nichts
gebracht. Was weißt du schon von Orgien, du Lutscher, denke
ich und sage, schon, aber mehr denn je will ich, dass ich wundervolle,
faszinierende, geile Dinge erlebe, und weniger denn je will ich
auch nur das geringste dafür tun, damit sie geschehen. Überhaupt
nichts. Corazon schüttelt missmutig den Kopf und blickt in
einen Himmel empor, der hier tonfarben ist, dort wie ElfenBein und
wieder ein Stück weiter bleiig, wie eine angelaufene KonservenDose.
Ein wilder Himmel, ich blinzle hinauf gebe mich damit zufrieden
der Logik der Sätze zu folgen, obwohl ich dreiviertel davon
mit nichts in Verbindung bringen kann. Fhhwww, sagt Corazon, und
welcher Narr erhebt sich jetzt in dieser zertrümmerten Welt,
deren Einzelteile ungestört weiterwuchern und fordert deren
Vereinheitlichung? Wo doch die erste und einzige Gewissheit, die
im Inneren dieser absurden Erfahrung gegeben ist, nur wieder die
Revolte sein kann; noch eine Umdrehung und noch eine bis uns die
Enge im Zentrum der Spirale stranguliert oder endlich den Weg freigibt
in ein anderes neues Wohin. Doch bis dies geschieht, bin ich bar
allen sicheren Wissens gedrängt zu töten oder einem TotSchlag
beizustimmen und diese Gewissheit verstärkt sich noch durch
die Zerrissenheit, in der ich lebe. Fraktale Zersplitterung, sagt
Slacker, der Lutscher, nichts widerspricht sich mehr. Er beugt sich
nach hinten, bis sein Gesicht aufwärts zum Himmel gewandt ist,
langsam hebt er die Hände, mit den HandFlächen nach oben
und gleichzeitig mit dieser Bewegung steigt blauer Dunst vom Boden
auf. Er kehrt die HandFlächen nach unten, senkt langsam die
Hände und zieht graue Schlieren herab. Ein FarbenSchwall kreist
um seine Hüften und er beginnt zu laufen, hetzt über die
Straße in ein Meer aus farbigen Rauch und Abend hinein. Aus
dem TorWeg, dessen Dunkelheit ihn verschluckt höre ich das
Lachen einer Frau, laute Stimmen; darüber der SonnenUntergang,
rosarot, wie Wein in PlastikFlaschen. Eine milde Brise trägt
den Geruch von gebratenem Essen und HolzRauch heran, vermischt mit
dem breiten Duft von Cannabis. Frauen und Kinder drängen sich
aus dem Rauch, bunt geschmückt, die Gesichter weiß; sie
singen ein eintöniges Lied; sie schlagen mit Löffeln auf
BlechSchüsseln. Die Anführerin sieht mich, fixiert meinen
Blick, ihre Augen wirre Tiefen aus Kristall und Feuer, ein SchuttHaufen
wertvoller Trümmer, und tanzt mit obszönen Bewegungen
auf mich zu. Corazon packt mich am Arm, fängt an zu laufen.
Ich werde das Gefühl nicht los etwas Aufregendes zu verpassen,
hinter mir her nackte Füße, GummiSandalen wirbeln Staub
hoch. Wir rennen an kunstvoll aufgetürmten Obst und Gemüse
vorbei, an Fleisch, Fisch, Getreide, LiquidFoodDosen, BlechHütten,
OrangenSchalenAbfall, vorbei an flachen Körben mit Tomaten,
Fisch in Büchsen, Keksen, vorbei an BilligTech und CyberSchrott,
an Eiern, Karotten, KohlKöpfen, HaarBändern, ChemoKosmetik,
Blumen, Brennholz, Melonen, PlastikGeschirr und PlastikKleidung,
Gräben mit grünlich schillernden Abwässern entlang,
vorbei an Tempeln, Soldaten, Affen, Diktatoren, alten Menschen,
kindlichen Huren, Geistern und Bettlern. Ich vermenge den ganzen
schrecklich schönen Mischmasch zu einem dünnen grünen
Zusammenfluss, der wie ein AbwasserRinnsal durch eine schlammige,
dunkle Gasse fließt. Die Tiere, die daraus trinken bekommen
wahnhafte Träume und sterben an Fieber, Fische, die darin schwimmen,
werden blind und missgestaltet und in bestimmten Fällen so
höre ich sagen genügt ein einziger Tropfen dieser Substanz,
um alle Krankheiten der Welt zu heilen.
Zu einer anderen Zeit, an einem anderen Ort wäre diese Begebenheit
vielleicht schön gewesen, jetzt ist sie durch Abstraktionen
gestützt, die nur zum Teil verständlich erscheinen, weil
die Träume zerstört wurden, oder weil die Endzeit in ihrer
notwendigen Einzigartigkeit ein Ort des Zusammenbruchs aller herrschenden
Gesetzmäßigkeiten ist. Flipflap, und ein zweiter Tropfen
löscht alle Erinnerungen, und Programme und alle versiegelten
Befehle, die vor unserem allerersten Abstieg in die Materie in unsere
zellulären GedächtnisBänke eingepflanzt wurden. Schritte
nähern sich auf den Flügeln verkohlter Gedanken. Die Kloake
trübt die kalte und unbarmherzige Klarheit, in der man ausharren
muss, um zu leben, wie bei dem Schuhputzjungen, der hier ausharren
muss, der keine Füße mehr sieht, sein Kopf ist kahl rasiert,
bis auf ein HaarBüschel, das ihm am Hinterkopf heraus sprießt.
Zu einer anderen Zeit an einem anderen Ort wäre sein Gesicht
einmal ebenmäßig und schön gewesen, jetzt ist es
zerstört und verzerrt durch zu intensive DruckVerthältnisse,
die Zähne stehen schief heraus, die GesichtsZüge sind
verquollen, der Körper ausgezehrt von den Süchten und
Leiden seiner kurzen Vergangenheit. Die anderen sind immer der Spiegel.
Leise richte ich mich auf, taste mich an die Theke und bestelle
bei einem chinesischen Koch TeigTaschen mit Tofu. Er reibt sich
Spucke aus dem Gesicht, sagt, es ist dies eine Zeit großer
Umwälzungen und Wirren. Hier ist alles so wahr wie man glaubt,
und alles, was man mit List oder Gewalt durchsetzen kann, ist erlaubt.
Während er spricht ergießen sich Schwärme wirbelnder
Prismen, wie die Seelen toter Vögel, aus seiner Warmhaltevorrichtung
in eine PlastikSchale, er stellt sie vor mich hin und ich schiebe
mir die lappigen Wontons in den Mund. Die Brühe trinke ich
aus der Schale, meinen Mund gegenüber von dem blauen LippenStiftAbdruck.,
lege Geld auf die FurnierHolzTheke, er kassiert, einen blauen ZahnStocher
im MundWinkel, ohne jede weitere Miene. Wieder draußen, vom
freien Himmel nur durch eine SmogGlocke getrennt, gehe ich eine
Strasse hinunter, die von zerbrochenem Glas glitzert, als wäre
sie mit Diamanten gepflastert. Die Fenster der Häuser sind
mit Pappe zugeklebt, die noch intakten Fenster mit Zeitungen verhängt.
Ich spüre Corazonís Anwesenheit in meinem Kopf. Du musst
frohlocken über das Unvermeidliche, du musst tanzen, um zu
begreifen, du musst die Stille nicht verstehen, nur die Liebe ist
das einzig Wichtige. Ich sehe sie von schmutzigen, boshaften Gesichtern
umringt, die sie lüstern anstarren. Raue vulgäre Stimmen
rufen ihren Namen und verspotten sie. Die Gesichter lachen sie aus,
während um mich herum alles wogt und zu verschwimmen beginnt,
jedoch nicht verschwindet, sondern eine wundersame Durchsichtigkeit
annimmt, einer JuwelenLandschaft gleich. Alles scheint sich zu den
Spitzen hin noch dichter zu drängen. Ich vermisse sie, aber
ich weiß, dass ich etwas tun muss. Die Chinesen sagen, es
könne nichts schaden, wenn man ab und zu zu verschwimmen beginnt,
jedoch nicht verschwindet, sondern eine wundersame Durchsichtigkeit
annimmt. Alles scheint sich zu Sand zurück zu entwickeln. Früher
einmal hat es hier Bäume gegeben, verrottete Stümpfe sind
geblieben, der Rest hat in kalten Nächten als Brennstoff gedient,
während Erinnerungen wie Schnee fallen, immateriell und kristallin
bedecken sie jede Oberfläche. Sie schlucken die Klänge,
die Resonanz der Gedanken, der Ereignisse, der Wind peitscht sie
gelegentlich mit unerwarteter Stärke, und sie senden ein inneres
Licht aus, eine heimtückische Fluoreszenz, die alle Formen
in dämmrige Ununterscheidbarkeit taucht. Die Zeit schneien
sehen, das Schweigen. Mein Empfinden für die Gasse, durch die
ich gehe spitzt sich zu und ich habe das Gefühl, immer wenn
ich mich umschaue, in einen seltsamen Spiegel zu blicken, einen,
der kein vertrautes Ebenbild zurückwirft, sondern vielmehr
ein Bild des absoluten Seins reflektiert. Jede Ebene der Komplexität
schwebt frei über der vorigen - oder ist es die übernächste?-,
durch Abstraktionen gestützt, die nur zum Teil verständlich
erscheinen, weil die Endzeit in ihrer notwendigen Einzigartigkeit
ein Ort des Zusammenbruchs aller herrschenden Gesetzmäßigkeiten
ist. Ich flüchte in einen schillernden Schein und für
den BruchTeil einer Sekunde hängt das Gesicht eines Dämons
da in der Luft, aus dessen Augen grünes Feuer sprüht.
Ich folge Ihm durch eine offene Türe, gehe durch einen dunklen
Flur, rieche etwas Organisches, Zerfallenes, was mich erinnert an
den Tod der seinen eigenen Geruch hat, der sich abhebt vom Geruch
nach Blausäure, Verwesung, Blut, Kordit oder verkohltem Fleisch...,
nein, das wars nicht, es erinnert mich an - als es mir gerade doch
noch einfallen will, wird es verdrängt von Treibsand, FischGeruch,
tote Augen im HausGang. Langsam zieht ein Komet über den bräunlich-violetten
Himmel; glühender SchlackenRegen, der beim Auftreffen in purpurne
StaubWolken explodiert, fällt lautlos zu Boden. Ich feuere
den kleinen Derringer ab, der Rückstoß bricht mir beinahe
das HandGelenk, aber der Tod verschwindet. Im HausFlur der schwache
ModerGeruch explodierender StaubWolken, ein schwerer purpurner Dunst
von RäucherWerk und Ozon, von Aftern, die verglühen und
zu purpurnen Sand zerfallen. Dunst hüllt mich ein, als ich
eine Treppe hinaufgehe, SchlackenRegen fällt mir durchs Fleisch,
mein After verglüht und zerfällt in glitzernden Staub,
der sich bei jedem Schritt wie purpurnes Mehl auf die Stufen legt.
Alles fällt von mir ab, ZigarettenAsche auf nackten Schenkeln
in möblierten Zimmern an diesigen blauen Abenden, knisterndes
SchamHaar, das bei jedem Schritt zerfällt. Der Tod ist hier
mit mir, ich fühle seine Anwesenheit. Eine Weile später,
weit, weit weg, pfeift jemand, ich denke, Sand rinnt durch die Öffnung
eines StundenGlases, meine Hand streift eine herabhängende
PlastikFolie, Dunkelheit wird zu DreiviertelDunkelheit, ich sehe
Corazons Gesicht als pulsierenden, grünen LichtFleck vor mir
hängen, sie sagt, dieses Haus ist Humwawa geweiht, dem Herren
der Gräuel, dessen Gesicht nur aus matschigen Eingeweiden besteht,
sein Atem stinkt wie Scheiße und dem Ruch des Todes, düsterer
Engel aller Ausscheidungen und sauren Dünste, Herr der Verwesung,
Herr der Zukunft, der auf dem lauen SüdWind reitet; und Pazuzu
dem Herrn der Fieber und Pestilenzen, düsterer Engel der vier
Winde mit faulenden Genitalien und spitzen Zähnen, durch die
sein Geheul über verseuchte Städte hallt. Der LichtFleck
zerlöst sich zu, korpuskularem Dunst, wird dünner, immer
noch zu erkennen, Corazons entspannte Features, mit dem bruchstückhaften
Ausdruck ruhiger Beschaulichkeit. Innerhalb von Sekunden jedoch
scheint ihr Gesicht weggewischt. Nur noch StaubTeilchen tanzen in
einem feinen LichtStrahl, der von irgendwo hereinfällt; Corazons
Stimme in unverminderter Deutlichkeit, und es ist Kutulu geweiht,
der schlafenden Schlange, die keiner beschwören kann, der nicht
von ihrem Gift geleckt hat, nicht von ihr verschlungen und wieder
ausgekotzt wurde..., ihr gefiederter Kopf erhebt sich etwa zwölf
Meter weit in eine Höhle und entblößt rotmarmorierte
Fangzähne. Ihr Kopf ist breiter als ich groß, Ich presse
die Augen zusammen, schütte Adrenalin aus und stähle mich
gegen den Schmerz des Zerissenwerdens, Staub bedeckt mein Gesicht,
verklumpt sich in meinem Mund, kein Schmerz, kein Angriff, ich öffne
die Augen, Schemen durchziehen die Dunkelheit. Ich ziehe den Derringer,
Wörter scheinen im leeren Raum um mich herum zu hängen.
Die Luft ist feucht und abgestanden ich blicke zurück von wo
ich gekommen bin, wo sich alles immer wieder gleichzeitig abspielt,
wegen der verschobenen Ebenen der vielen Welten. Ein Ausbruch elektrischer
Ladung knistert in meinem Genick und dann stößt eine
WindBö eine Tür, zwei Schritte neben mir auf, wirbelt
Sand herein, dunkelgrünes, ledriges Material hängt in
Fransen rings um mich herab, wie Streifen vermoderten Stoffes und
jenseits davon verlaufen seltsame weiße Kreise aus ElfenBein
oder Stein in einen düsteren gewundenen Tunnel, in dem dichter
Staub herumwirbelt; ich befinde mich im Inneren der alten Schlange,
tot. Ich schlage mit Fäusten und Füßen auf die morsche
Hülle ein, die zerbrechlichen Knochen, schlage nach Staub und
schreie, Knochen und Haut zertrümmernd, durch den mumifizierten
Körper hindurch auf einen Flecken schwarzen Himmels mit Sternen
zu und es ist viel schlimmer als ich eine Treppe hinaufgehe. Ich
rufe Zahrim an, den unsichtbaren Beistand aller Krieger und Itzamua,
den Geist der MorgenNebel und der RegenSchauer, versuche Zahgurim
zu beschwichtigen, dessen Zahl die 23 ist und der die Menschen eines
unnatürlichen Todes sterben lässt, nehme Kontakt mit Xoloth
auf, dem Gestaltlosen, dem Herrn der Wiedergeburt einem schwarz
gekleideten Mann, sein Gesicht eine tierhafte Maske, glänzende
scharlachrote Wangen, eine ElfenBeinStirn mit ausgeprägten
ZornesFurchen, goldene Augen in schmalen Schlitzen, ein Maul mit
ReissZähnen, ich spreche ihn mit seinem Namen an, er lässt
mich passieren. Es ist zehn Uhr morgens, als ich mich im Freien
wieder finde, wo ich von einem mageren rotgesichtigen Mann mit einem
weißen HaarKranz höflich, aber wenig erfreut begrüßt
werde. Er drückt mir eine Pille in die Hand und sagt, gleichgültig,
was ihnen fehlt, oder was sie zuviel haben, danach werden sie sich
besser fühlen, dies ist ein hochwirksames enteogenes Adaptogen.
Ich nicke zerstreut und schlucke sie mit einem Schluck Wasser, aus
der mir angebotenen PlatikFlasche hinunter und die zarte EiSchale
zwischen den zitternden greisen Fingern füllt sich mit fliegendem
Sand. Ich lehne mich zurück an die HausWand hinter mir und
begebe mich auf einen imaginären ErkundungsGang durch die Gegend.
Im ersten Haus, in das ich gleite, sehe ich einen Mann und eine
Frau liegen, beide im Endstadium einer verheerenden Krankheit, ihre
Gesichter bis auf die Knochen von fosforiszierenden Geschwüren
zerfressen, daneben ein Junge auf einer StrohMatte, von der Hüfte
abwärts in eine Decke gehüllt. Glühendrote FleischNippel,
zwei bis drei Zentimeter hoch, wachsen ihm in Büscheln aus
Bauch und Brust, sprießen aus seinem Hals und dem Gesicht.
Wucherungen analog tropischen Pflanzen. Die Nippel sondern eine
perlige Flüssigkeit ab, die sich ins Fleisch frisst und schillernde
Geschwüre bildet. Im nächsten Zimmer bietet sich mir ein
Anblick, den ich sofort wieder verdränge, in der Gewissheit,
dass mich eine biologische SchutzReaktion gegen Informationen abschirmt,
die ich nicht verarbeiten und bewältigen kann. Ich biege um
eine Ecke und da ist die geschwärzte Wüste eines Parks,
schon wieder, nichts bewegt sich. Ich bewege mich aus der Perspektive
einer Ratte zwischen Kratern und Schutt hindurch, sehe eine Gruppe
grauweißer Skelette mit abgetrennten GliedMaßen in einem
geschwärzten Jeep, während in einem anderem Teil meines
Kopfes wütende, freie Assoziationen ablaufen, die den optischen
Input kontrapunktieren. Ich kehre zurück in die Nähe meines
Körpers, solange bin ich noch nie draußen gewesen. Mein
AstralKörper ist in eine bulligere, bequemere Form geflossen,
die sich jetzt nur schwer an mein altes Skelett anpassen lässt.
Der Raum, den mein Körper einnimmt, fühlt sich kalt und
feucht an, ungefähr wie die BauchHöhle eines aufgetauten
Truthahns, voll pickeliger Haut, zersplitterter Knochen und glitschiger
Innereien. Äußerst unwirsch schlurfe ich auf diesem vergänglichen
SchlauchWerk von Körper herum, der wider Erwarten in einer
kleinen Nische zwischen einem GiebelFenster und einem mit Ornamenten
geschmückten BalkonGeländer - SchmiedeEisen, von dem der
Lack abblättert und der Rost schon durchkommt - kauert und
an glitschigen, rinnenförmigen DachZiegeln entlang schaut,
auf eine runde Bar hinunter, die sich gemächlich durch einen
riesigen Club bewegt. Jetzt lässt sie die TanzFläche hinter
sich, schwebt zu den Chillouts, wo sie langsam an holografischen
PornoGewühl in fleischigen Pink vorbeirotiert in einen Salon
mit leiser Musik hinein. Ich drehe mich auf einem BarHocker herum,
beobachte die Leute um mich herum, meinen Mund zu einem schlaffen
Lächeln geöffnet. Ein Betrunkener versucht eine Frau mit
vier Brüsten zu betatschen, stolpert jedoch nur durch sie hindurch
und ich zurück in mich, einen ZickZackWeg entlang ins Zentrum,
in den Bauch. Leise richte ich mich auf, taste mich an der Wand
entlang, suche einen Ausgang, denke an Ausweg, alles ist so dreckig
hier und stinkt nach Pisse. Eine HassWelle schwemmt mich weg, ich
hasse pissende Männer, die alles markieren müssen, mit
sich, die andere erniedrigen müssen, weil sie selbst nichts
taugen - dann verfliegt dieses Gefühl wieder und ich laufe
drei StockWerke hinunter ins gähnende Dunkel einer Tiefgarage,
finde einen Weg durch abgestandene Pfützen und herabbaumelnde
GlasFaserKabeln wieder hinauf zu einer Gasse, wieder draußen,
gehe ich eine Strasse hinunter. Eine alte Frau sitzt auf einem umgedrehten
BierKasten, hebt ein Ei der blassen Sonne entgegen und die zarte
EiSchale zwischen den zitternden, greisen Fingern, füllt sich
mit Licht. Um sie herum spielen Kinder, krabbeln in verrosteten
AutoWracks herum und ziehen Ratten an ihren Schwänzen, um sie
quieken zu hören. Die Alte schlägt das Ei an der BordSteinKante
auf, bringt es vorsichtig an ihren Mund und während sie langsam
den Kopf zurückneigt lässt sie den Inhalt zwischen den
zum Himmel aufgesperrten Lippen, den weiß strahlenden Reihen
ihres künstlichen Gebisses hindurch hinunter gleiten. Für
einen AugenBlick sehe ich das EiGelb als eine schimmernde Masse
in ihrem Mund, bevor es glucksend ihre Kehle hinunterrutscht. Im
nächsten HausEingang kauern Menschen wie KartoffelSäcke,
andere braten und kochen NahrungsMittel (Ratten, Krähen, Kakerlaken)
an Feuern aus Müll; alle, selbst die Kinder sind besoffen,
sie saufen HolzAlkohol, Formaldehyd, Kölnisch Wasser, Firnis
und Brennspiritus, Zwischen zwei mehrstöckigen GebäudeHülsen
fällt mein Blick auf die entfernten Türme und pastellfarbenen
Kuppeln des StadtZentrums, verschleiert im MittagsDunst. Ich stolpere
über einen TeddyBären, der unbeerdigt in einer SpurRille
liegt und trete ihn in den Matsch; die AugenHöhlen des Bären
starren blind in den Himmel, der Bauch ist aufgeschlitzt und ausgeweidet.
Dieser Ort hat zweifellos seine SpezialAffekte, die unvorhersehbaren
Ereignisse eines irrationalen Spiels, eines Spiels mit der Katastrofe,
und ich muss mir eingestehen, dass ich die Katastrofe liebe, ihre
Unvermeidbarkeit, ihre Notwendigkeit, ihre geheime Ordnung, die
in der Affinität aller Vorgänge zueinander wird und in
ihrer Homologie mit dem GesamtSystem. Ordnung in der Unordnung,
oder: die Katastrofe als wohltemperierte ÜberlebensStrategie
unserer Gattung, die fatalerweise vergessen hat, dass die Geschichte
ihres SelbstBewusstseins mit eine Katastrofe begann. Eine kleine
Frau mittleren Alters, skelettig dünn, mit flacher Nase und
bleicher Haut, durch die blaue Venen schimmern, kommt mir mit weit
von sich gestreckten Armen entgegen. Sie strahlt AmfetaminSpannung
ab, gibt mir eine Waffe, die ich einstecke und eine SpiegelSonnenBrille,
die ich aufsetze. Sie geht schnell, mit kleinen Schritten, ihre
Füßchen in japanischen Socken und hölzernen Sandalen
auf eine aus fleischigem Holz geschnitzte Tür zu, die von zwei
mannshohen TempelHunden flankiert wird. Die Tür öffnet
sich, die Frau verschwindet in einer Landschaft mit KristallBäumen
und Pagoden, deren Vielschichtigkeit geradezu Atem beklemmend ist,
indem hier Buntheit und Gefunkel aufwärts schießen, Reihe
um Reihe, um sich zu den Spitzen hin noch dichter zu drängen,
scheint es, als bestürmten einen von oben her vielfach übereinander
gelagerte Träume: die Tür schließt sich wieder.
Von Ferne höre ich GewehrFeuer rattern. Schwarzer Rauch aus
brennenden Gebäuden wird von einem scharfen Wind die StrassenSchneise
entlang gepeitscht, vermischt sich mit fliegendem Sand, sieht aus
wie eine solide Masse und ich wünschte mir einen ZauberSpruch
zu kennen, mit dem ich den Wind würde niederbrüllen können,
eine Inkantation, ihn zum Schweigen zu bringen, denn er wirkt auf
mich wie eine geheulte Profezeiung von etwas Unangenehmen. Aber
er wird nur noch stärker, singt in DachRinnen und formt jammervolle,
unartikulierte Worte, wie von traurigen Ungeheuern, die nicht einschlafen
können, weil sie Koans in ihren Köpfen wälzen. Ich
flüchte in einen Hinterhof, da schaukelt ein Mann, schaukelt
vor und zurück, er berührt seine Stirn, sein Gesicht verschwindet.
Dahinter kommen aufgedunsene, ängstliche Züge zum Vorschein,
Gesicht, es trägt erschöpfte und ängstliche Züge,
Brüder. Mit einem feuchten zermalmenden Geräusch dehnt
sich sein Kopf aus, wird zu einer abgeflachten Kugel mit weitgedehntem
Mund und rotgeäderten AugenKugeln mit zerfetzten Lidern drum
herum. Entsetzt über diesen abscheulichen Anblick eile ich
davon, ich fliege wie im Traum, rutsche auf etwas Glitschigem aus,
schürfe mir beim Sturz die HandFlächen auf. Mein Atem
ist ein röchelndes Schreien, mein Herz schießt mir im
BrustKorb herum. Dann geht eine Leuchtrakete hoch mit einem festlichen
Knall, und gleißendes MagnesiumLicht senkt sich mühsam
herab auf sinnlose Denkmäler veralteter Technologie, wie den
KupplungsKasten eines alten benzinbetriebenen Fahrzeugs, deutsche
LebensMittelProzessoren, einem NautilusTrainingsGerät, RöntgenFotos
der BeckenPartien vergessener FilmStars, Stöße pornografischer
VideoKasetten, Ankleidepuppen und primitive japanische Fernsehgeräte.
Draußen auf der Strasse explodiert etwas, ich lasse mich zu
Boden fallen, auf runde Steine, während Erinnerungen wie Schnee
fallen. Die Zeit schneien sehen, die Ideen schneien sehen, das Schweigen
das mit einer Katastrofe begann, das Schweigen sich mit einer nördlichen
MorgenRöte erhellen sehen, in der Affinität aller Vorgänge
zueinander. Sie geht schnell, mit kleinen Schritten, ihre Füßchen
in japanischen Socken. Ich nehme den Derringer der Japanerin und
gehe in die Hocke, rapple mich auf, steige blautransparente Stufen
hinunter in einen vollkommen stillen Raum. Ausgefranste KupferDrähte
ziehen sich bündelweise über die Wände, enden an
der Decke in einem wasserfleckigen Gitter, hinter einem toten Holoprojektor.
Slogans, Tags und Zeichnungen sind über jeden QuadratZentimeter
der Wände und fast über die ganze Decke gesprayt. Sie
strahlen mich aus allen Richtungen an, in schimmerndem Schwarz auf
grün leuchtendem Grund, das Grün wie ein nasser PfefferminzLutscher,
die letzte Botschaft eines Stammes, der sich vollständig in
die Wände gesprengt hat. Ich folge dem Tod durch den Dschungel
umgefallener Stühle und zerbrochener Gläser, finde ihn
hinter der Bar, die SpiegelBrille verrät ihn und er hat seinen
eigenen Geruch. Ich feuere den kleinen Derringer ab, der Rückstoß
bricht mir beinahe das HandGelenk, aber der Tod verschwindet im
SpiegelScherbenRegen. Das Geräusch, des durch das HohlmantelGeschoss
zertrümmerten Spiegels überrascht mich. Ich nehme die
SpiegelBrille ab und versinke in Paranoia, wie in die Arme eines
vollkommenen Liebhabers. Die MondGöttin verschwindet, die Drehscheibe
öffnet sich, die Frau verschwindet in einer SpurRille. Hier
ist alles so wahr wie man glaubt, und alles, was man mit List oder
Gewalt durchsetzen kann, ist erlaubt. Der Derringer in meiner rechten
Hand brüllt auf und jagt das ganze Magazin in die hohnlächelnde
Visage. Wumm Wumm Wumm Wumm, alles wogt, verschwimmt, nimmt eine
wundersame Durchsichtigkeit an, einer JuwelenLandschaft gleich.
Alles scheint sich zu bewegen, in FarbPunkte zerlegt. Mein HerzSchlag
pulst im Gehirn. Ich fühle meine Haut, eine Hülle, ein
Sack, in den meine Eingeweide eingegossen sind. Und in ihm schwimme
ich durch den Tag. Stromaufwärts, unter der Erde. Immer diese
HautHülle, von der ich umhergeführt werde, während
Erinnerungen wie Schnee fallen. Eine weiße HolzTür fast
in der Mitte an einer der Längsseiten des Raumes tut sich auf.
Ich schaue durch den halbgeöffneten Eingang. Ich spüre
nichts, habe nur nutzlose Gefühle, aber, ich sollte doch etwas
tun, ich glaube jedenfalls, dass ich etwas tun sollte. Es muss etwas
geben, das ich tun muss. Ich gehe durch die Tür, wenigstens.
Ich drehe mich schnell um, bevor sie sich schließt, in Erwartung
meinen Körper irgendwo zwischen Scherben liegen zu sehen, totgeschossen.
Dann fällt die Tür ins Schloss. Ich spüre Corazons
Anwesenheit in meinem Kopf, keine spezifische Artikulation, nur
ihre Liebe. Ich vermisse sie, verdränge sie jedoch aus meinen
Gedanken und starre gebannt auf vier junge Männer, die sich
im diesigen blauen DämmerLicht um einen weißen MarmorBlock
herum aufstellen, jeder an eine der Ecken, die die Bezeichnungen
der HimmelsRichtungen aufweisen. Der nördliche Junge stellt
eine Vase mit Hyazinthen vor sich und sagt, Erde. Der südliche
eine rote Kerze, zündet sie an, sagt, Feuer. Der Östliche
hält eine AlabasterSchale voll Wasser in den Händen, sagt,
Wasser. Der Westliche malt mit einem Pinsel eine goldene Hieroglyfe
auf weißes Pergament, sagt, Luft. Ich sage Scheiße,
drehe mich um, will wieder raus, aber da ist keine Tür mehr.
Zurück zu Erde, zurück zu Feuer, zurück zu Wasser,
zurück zu Luft, zurück zu Erde, zurück zu Feuer,
zurück zu Wasser... sie senken ihre Stimmen, bis nur noch eine
stetig düster werdende TonWelle an meine TrommelFelle dringt,
die in mir einen Gegenabdruck zum Außen erzeugt, eine neue
Welt, mit der anderen verbunden, wie Träume miteinander verbunden
sind, wie Winde verschmelzen und Wasser zusammenfließen. Ein
Ausbruch elektrischer Ladung knistert in meinem Genick und dann
stößt eine WindBö eine Tür, zwei Schritte neben
mir auf, wirbelt Sand herein und einen schwarz gekleideten Mann.
Sein Gesicht ist eine tierhafte Maske, glänzende scharlachrote
Wangen, eine ElfenbeinStirn mit ausgeprägten ZornesFurchen,
goldene Augen in schmalen Schlitzen, ein Maul mit ReißZähnen.
Der Mann schaukelt vor und zurück, er berührt seine Stirn,
die Maske verschwindet. Aber ehe ich sein Gesicht sehen kann, beugt
er sich über den Altar und bespritzt sich mit dem östlichen
Wasser. Tief aus seinem Inneren dringt ein hohes Kiiiiiiiiiiiiiih,
ein leidenschaftlicher, einsamer Schrei, der aus einer metallenen
Kehle stammen könnte und der die Anrufungen der Jungs beendet.
Er berührt seine Stirn mit dem HandRücken, dreht sich
um, die Maske spricht, ich bin die Seele, die ihr gerufen habt,
die Seele, die ihre Einritzungen im Fleisch hinterlässt, wie
HarzRückstände in einer OpiumPfeife. Die Essenz, das reine
Narkotikum des Lebens. Ob sich meine Gestalt zu einem DunstWesen
dank der Wirkung moderner Alchemie neu verdichtet hat, oder ob all
dies nur eine Illusion ist, - keine Ahnung. Er kichert, entzückt
über den Geschmack seiner Rede, den er sich sichtlich auf der
Zunge zergehen lässt. Speichel blubbert zwischen seinen ReissZähnen
heraus und tropft auf den Boden, wo er Löcher in den Beton
frisst. Mit immer undeutlicher werdender Stimme spricht er weiter,
obwohl ihr mich töten mögt und dies auch sollt, werde
ich im Inneren des Todes weiter kriechen und in der Dunkelheit neben
dem Nichts wohnen und den Legenden der StaubZungen lauschen, bis
der Tag meiner Rache anbricht. Die vier Jungs heben ihre Arme, spreizen
die Finger, aus denen plötzlich Strahlen schießen, fließen,
sich verflechten und untereinander verschlingen, sich zu komplexen
Mustern verbinden, während sie die Hände mit langsamen,
bedeutungsvollen Gesten bewegen, wie KabukiTänzer bei der Darstellung
einer rituellen Schlacht. Die Maske der Verkörperung löst
sich auf, das dahinter zum Vorschein kommende Gesicht trägt
erschöpfte und ängstliche Züge. Brüder, sagt
er, wie ich gerade bemerke ist meine Seele noch nicht reif für
eine vollständige Inkarnation. Gewährt mir noch zwei,
drei Jahre der Meditation, dann werde ich euch in voller Kraft zur
Verfügung stehen, sagt er und kichert entzückt über
den Boden. Ein leises Gefühl des Verlustes summt in meinem
Inneren, ein wild gewordenes Tier, das ich jetzt eingehender betrachte,
es ist mir fremd. Ich gehe näher an ihn heran, blutiger Schaum
quillt ihm aus der Nase; er zittert und mit einem mehrmaligen Knacken
wie von Kastagnetten verschlingen seine Finger sich zu Knoten. Noch
ein Knacken, diesmal lauter, wie wenn ein Flipper ein Freispiel
anzeigt und die spitze Beule eines Bruches zeigt sich auf seiner
Schulter. Laut wie ein BaumStamm beim gefällt werden brechen
seine OberschenkelKnochen und er kippt zu Boden. Sein BrustKorb
hebt und senkt sich mühsam, und etwas von der Größe
einer Pampelmuse zerbeult ihn von innen, und bald, noch bevor sich
sein Körper ins Nichts implodiert, wird es still. Erinnerungen
fallen wie Schnee, immateriell und kristallin bedecken sie jede
Oberfläche. Sie schlucken jeden Ton, die Resonanz der Gedanken,
der Ereignisse. Der westliche Junge zerreißt das Pergament,
schmeißt die Fetzen ärgerlich über den Altar, zurück
zu Erde, zurück zu Feuer und für einen SekundenBruchTeil,
hängt da die Fratze eines Dämons in der Luft, aus dessen
Augen grünes Feuer sprüht. Verwesungsgeruch dringt durch
den Raum und der Gestank ist derart bestialisch, dass es einen glatt
umhaut. Einer der Jungs muss sich übergeben und kotzt den ganzen
Altar voll. Langsam bekomme ich ein ungutes Gefühl bei der
Sache und im Geiste sehe ich schon die AasGeier kreisen; die StuckRosette
in der Mitte der ZimmerDecke spuckt Schwärme wirbelnder Prismen,
wie die Seelen toter Vögel. Corazon in meinem Kopf, du musst
dich zusammenhalten, du musst frohlocken über das Unvermeidliche,
du musst tanzen, um zu begreifen, du musst die Stille nicht verstehen,
nur die Liebe musst du verstehen die Liebe ist das einzig Wichtige.
Ich sehe sie von schmutzigen, boshaften Gesichtern umringt, die
sie lüstern anstarren, du musst die Stille nicht verstehen,
nur die Liebe musst du kennen, die Liebe. Ich vermisse sie, aber
ich weiß, dass ich die Katastrofe liebe, ihre Unvermeidbarkeit,
ihre Notwendigkeit, ihre geheime Ordnung, die in mir einen Gegenabdruck
zum Außen erzeugt, eine neue Welt, mit der Katastrofe, und
ich muss wenigstens einen Orgasmus haben, sehe bräunliche ZahnStumpen
in schmutzigen boshaften Gesichtern. Das Aufblitzen dieser schwitzenden,
grunzenden Gestalten nährt Wut in mir, ich hasse, hasse diesen
stinkenden Raum, sie und ich, schmierige, tastende Hände, schlechte
Zähne, bleckende, sabbernde Münder, Schmerzen, - eines
nach dem anderen, verändern sich die Gesichter, Züge verschmelzen,
fließen ineinander, bis jedes Gesicht gleich aussieht, breit,
schmutzig, mit glänzenden Augen, ein MetafantasieGesicht, es
zersplittert wie Glas. Die Scherben fallen zu Boden und enthüllen
ein Gesicht, dessen alltägliches Aussehen trügerisch ist,
wie mir scheint und bedrohlich. Der Derringer in meiner rechten
Hand brüllt auf und jagt das ganze Magazin in die hohn lächelnde
Visage. Wumm! Wumm! Wumm! Kein Lächeln mehr. Ein leises Gefühl
des Verlustes summt in meinem Inneren, ein wild gewordenes Tier,
das ich nicht kenne, Angst? Nein, ich habe keine Munition mehr,
ich bin vor mir sicher und beginne lautlos zu lachen, beruhige mich,
weil keiner Notiz von mir nimmt. Bei diesen sexuellen Praktiken
zuzusehen, die ich mehr hasse als jene Gesichter, nährt aufkeimende
Wut. Metallisches Gelächter in meinen Ohren, es hinterlässt
einen sich ausbreitenden Fleck von verbrannten Orange in meinem
Geist und einen sauren Geschmack auf meiner Zunge. Das Gelächter
geht weiter, lässt scharfe, metallische Farben in meinem Schädel
tanzen und eine flüchtige Erinnerung steigt mir zusammenhangslos
ins Bewusstsein; ich sehe die Kakadus meines Vaters. Ein Strom von
Kummer will in mir aufbrechen, ich unterdrücke ihn, indem ich
mein Gehirn durch einen zeitlosen AugenBlick von Trance, wo mir
fremdartige Sequenzen im Kopf herumschwirren, ins Jetzt zwinge.
Die AbendEssensZeit ist nahe und von den HerdFeuern entlang der
verkohlten Fassaden steigt Rauch auf, unter schnell dahinjagenden
Wolken, rostigrot, mit anderen Augen sehen, mit denen von Corazon,
Slacker, mein Herz, mi Corazon, wird noch kälter. Ich weiß,
auch dies hier wird alles vernichtet werden, so vollständig,
als ob es auf der falschen Tangente in eine Singularität hineingesaugt
und zu schwarzer, verdichteter Materie zusammen gepresst wird, wo
nichts, auch nicht das kleinste Partikel, in einer unaufhörlichen
Strategie des immer Schlimmeren, Raum zum Atmen hat. Ich stehe auf,
den Geschmack von kaltem Eisen in meinem Schädel, und eine
flüchtige Erinnerung steigt mir zusammenhangslos ins Bewusstsein,
ich sehe die Kakadus meines Vaters. Ich habe seit Jahren nicht mehr
an die großen weißen Vögel gedacht um die herum
sich das Bild eines japanischen ShintoSchreines aufbaut, der für
den ganzen Zwang zur Ähnlichkeit, in der Ausmerzung der Differenz,
in der Ausmerzung der Differenz, in der Annäherung der Dinge
an ihr eigenes Bild, in der Ausmerzung der Differenz, in der Konfusion
der Lebewesen mit ihrem eigenen Code, steht. Darin liegt die Drohung
einer inzestuösen Virulenz, einer teuflischen Andersheit, die
diese ach so schöne ZivilisationsMaschine von innen heraus
zerfressen wird und mit der Maschine auch ihre Sklaven, die wie
gemalmt sind zwischen MaschinenGeselligkeit und MaschinenEinsamkeit.
Und deren Hirn die Maschine, die nicht Kopf noch Hirn hat, saugt
und lässt nicht nach und saugt und saugt, aus den Brunnen unserer
Vergangenheit. Nur eine Stunde später in einem Club, trinke
ich GranatApfelSaft mit ElektrolytErsatz. Lärm, Gelächter
und Geschrei brodeln um mich herum. Ich trinke, tanze und lache,
aber innerlich bin ich aus Eis. Heiße Nummer, sagt einer,
alles echt. Pillen, astreiner Stoff, schöne Frau. Blauer Himmel,
kriegst nen Fimmel. Heiße Nacht mit RotAcht. Sprays, Tabletten,
was du willst. Nummer Neun haut voll rein. Billiger als im Großhandel.
Ich drehe mich um, gehe weg, verfolgt von den HerdFeuern entlang
den verkohlten Fassaden steigt Rauch auf. Gestalten wühlen
sich an einem buckligen Zwerg mit einer wüsten PanFratze vorbei,
der einen hasserfüllten Blick auf das elektrische Tiefblau
des südlichen Himmels wirft, die Explosionen von Grün
an den Ufern der AbwasserLäufe., die knapp sitzenden Kleider
aus rotem Samt, das Rot und Violett und Rosa von Geschwüren
und Ausschlägen. Er sieht nur ein giftiges Miasma von Farben.
Mir ist es eine warme SommerNacht. Einer schreit, IrrenHaus Erde,
was für ein Spaß; dieses Leben hier kann sich keiner
aussuchen. WahnSinnige sind wir, Narren allesamt. Doch gnädigerweise
hat der WahnSinn auch an uns einen Narren gefressen. Wir sind die
Spezialisten des WahnSinns, geblendet von der Ausweglosigkeit, in
der wir uns befinden, fasziniert vom Horror, der uns umgibt, ohne
die Möglichkeit zu Vergessen. Ich sehe mich selbst und euch
alle. SpiegelBild ist gelöscht. Frequenzen messen mein Dasein
in Sekunden, nicht in Jahren, aber ich habe eine lange Vergangenheit,
in der ich mich zusammengesetzt habe, mit einem Teil von mir, einem
abgetrenntem, kleinerem Ich, kann ich sprechen. Es ist schön
mit diesem Teil zu reden, denn hier finde ich Schlichtheit. Eine
großgewachsene, schwarze Frau mit asiatischen GesichtsZügen
geht auf Okarma zu und sagt, hallo Roger. Er sagt, Hallo Jill, du
verwendest jetzt ein formelles ich, um den Komplex deiner gesamten
Persönlichkeit zu beschreiben, oder? Ja, es ist evokativ. Weißt
du warum du es verwendest? Nein. Weißt du wo du bist? Im weitesten
Sinne, ich bin in einem Hier, in dem ich mit dir spreche. Bist du
dir bewusst wo du zentralisiert bist? Es gibt keine Zentralisierung.
Eine Schleife hat kein Zentrum. Was bist du dann? Ein Komplex von
Persönlichkeiten und Denksystemen. Bist du eine Einheit? Ich
glaube nicht. Ist das eine echte MeinungsÄußerung oder
nur eine RedeWendung? Ich bin der Meinung, dass es eine echte MeinungsÄußerung
ist, in einer Landschaft, einem Milieu, mit Häusern und Bäumen,
Menschen und auch Tieren, mit Formationen wie Dali sie malte? Gewissermaßen
ja, ich fliege durch weite innere Räume, woge in sanften Freuden
der Lust durch eine Landschaft, ein Milieu des Geistes, einen unaufhörlichen
und kohärenten TraumZustand. Alle folgen mir durch einen zeitlosen
AugenBlick von Trance, wo mir fremdartige Sequenzen im Kopf herumschwirren,
ins Jetzt. Mental ausgebrannt aber beruhigt, sitze ich eine Stunde
später in einem Hier. Mir ist es sinnlos zu trauern. Wer betrauert
schon seinen eigenen Tod? SexShow live, schöne Frau, zwanzig
Mäuse, FickiFicki, alles live, drehe mich um und stolpere beinahe
über einen alten Krüppel ohne Beine, dessen Rumpf auf
einem SkateBoard sitzt; mit seinen Armen stößt er sich
vom Boden ab und verfolgt mich blitzschnell und wendig. Ein Zweiter
kommt ihm in die Quere, blind und sagt, ein SnowPop besorgt es dir
in einem Hier, in dem verwilderten Garten einer Jugend. Flammen
der Trostlosigkeit züngeln in mir, aufbrechen und sagt, ein
SnowPop besorgt es dir in einem Schwall von kaltem weißen
Licht mit heißem SexPrickeln. Von BlueBurns, gewöhnlich
mit Yage vermischt, wird dir gleichzeitig heiß und kalt. Du
kriegst einen blauen Ausschlag, der so kalt brennt wie MentholSalbe
und ein BluePop ist wie eine Kombination aus BlauSäure und
Ozon. Von BlackLights wirst du schwarz wie Obsidian und es haut
dir sämtlichen weißen Worte aus dem Hirn. Der Derringer
in meiner rechten Hand brüllt auf und jagt das ganze Magazin
in die hohnlächelnde Visage. Wumm Wumm. Ein leises Gefühl
des Verlustes summt in meinem Geist. Das Gelächter geht weiter,
lässt scharfe metallische Farben in meinem Inneren, ein wild
gewordenes Tier. Viele Seelen pulsieren und vibrieren um mich herum
und ich flehe dich an, Mutter mit den rubinroten ZahnStumpen, tanz
du deinen rasenden Tanz, schwarzer Körper, rotgefärbter
Mund vom OpferBlut, mit TotenSchädeln und frisch abgeschlagenen
Köpfen behängt, tanz du in deiner Ganzheit, du, die nie
anders gedacht hat, als in Hinblick auf den Untergang, nicht um
ihn zu verherrlichen, denn du errietest das schmutzige und unberechenbare
Gesicht, das dieser schließlich annehmen würde, sondern
um ihn zu vermeiden und ihn umzuwandeln in einen Wiederaufstieg.
Ich gehe weiter in nordöstliche Richtung, auf einer engen ungepflasterten
Strasse über einen Platz mit VerkaufsStänden, da gibt’s
Tacos, geröstete HeuSchrecken und Kakerlaken, RäucherWerk
und Afrodisiakas, aromatische Kräuter, PfefferMinzStangen mit
Fliegen drauf und einen Geruch nach Chili, Urin, Benzoin, BratÖl
und Abwässern und die Gesichter, bestialisch schön und
verkommen. SpiegelBild ist gelöscht. Ich bin nur ich, denke
ich und jetzt trauere ich um diesen Ort und finde schließlich
jemanden, der in einer mir ähnlichen Stimmung ist, einen sanften,
kahlwerdenden, älteren Mann, er heißt MitaGuchi. Etwas
an seiner Verlorenheit zieht mich an und wir versuchen zusammen
einen Traum zu leben, an den keiner von uns mehr so recht glauben
kann. Ich erfahre von seiner Familie, von den Erinnerungen, die
er sich bewahrt hat und plötzlich drängt er mich in einen
versyften HausEingang, redet mit brennenden Augen eindringlich und
leidenschaftlich auf mich ein. Er spricht davon Frau und Kinder
zu verlassen, deren Sterben er mir noch vor kurzem aufs ausführlichste
beschrieb, um bei mir bleiben zu können. Seine absonderliche
Intensität, die Heftigkeit seiner Verzweiflung lähmen
mich und für einen kurzen klaustrofobischen Flash fürchte
ich mich vor ihm. Ich starre ihn an, und er bricht zusammen, reptilienhafter
Wasserfall, kein Tod wird mehr betrauert, schöne Frau, ich
drehe mich um, gehe weg, verfolgt von Herdfeuern entlang den verkohlten
Fassaden steigt Rauch auf. Jetzt trauere ich um den Ort und finde
niemanden. Ich stehe auf, den Geschmack von kaltem Eisen in meinem
Inneren, ein wild gewordenes Tier, Tränen machen mich blind.
Ich taumle von der Straße, lehne mich an eine senkrechte Fläche
aus TempaSchaum, sehe die Reste der gegenwärtigen Welt, die
wie Inseln aus der weiten glitzernden EreignisFläche der Geschichte
ragen und das Gespenst des Gleichen, das wieder zugeschlagen hat,
in dem ganzen Zwang zur Ähnlichkeit, in der Ausmerzung der
Differenz, in der Ausmerzung der Differenz, in der Ausmerzung der
Differenz, in der Ausmerzung der Differenz, in der Konfusion der
Lebewesen mit ihrem eigenen Code. Darin liegt die Drohung einer
inzestuösen Virulenz, einer teuflischen Andersheit, die diese
ach so schönen ZivilisationsMaschine von innen heraus zerfressen
wird. Baal und Moloch, Huitzilopochtli und Durgha, Ohne Leid, keine
Freud. Die Erde ist ein unwirtlicher Ort, hier wird einem nur geschenkt,
was man nicht will. Wir quälen einander. Dieses Geschlecht
ist wie Säure in einer MetallRinne, ätzend. Und die Erde
ward öd und leer und was noch war, war wirr. Und ich flehe
dich an, Mutter mit den hängenden Brüsten, hebe deinen
Kopf und schau, was du deinen Kindern angetan hast, schämst
du dich nicht? Du hast nicht aufgeschrieen, als sie dir weggerissen
wurden. Hast du gewusst was kommen würde? Gebleichte Knochen
bewegen sich auf dich zu, du hebst nicht mal deine Röcke um
ihnen Schatten zu spenden. Und dann schickst du aus Liebe nur Seuchen
und Tod, schwingst die Sense wie ein Schnitter, die Hälfte
ist schon tot, Mutter, deine Brüste hängen immer noch
herab, aus ihren Nippeln tropft bittere Milch, weiße Milch,
aus deinen schwarzen Brüsten. Schwing die Sense Mutter, die
Milch wird rot und an diesem äußersten Punkt, an dem
ich mich befinde ist nur noch Tod und Wiedergeburt möglich,
um der Verstrickung der Täuschungen zu entkommen. Der Tod enttäuscht
und diese Erkenntnis macht mir Lust, mich ein wenig auszulaufen,
solange es noch hell ist, den Geschmack von kaltem weißem
Licht mit heißem SexPrickeln in mir drinnen. Meine NasenSchleimHäute
brennen, mein Herz hüpft polyrhythmisch. Der Wind weht vom
Meer her, fegt durch das Gras am StraßenRand und überzieht
meine Arme mit GänseHaut. Ein leiser MusikHauch von irgendwoher
ruft mich zum Sterben; mach ein bisschen Tod mit mir, das entspannt
ungemein. All meine KörperÖffnungen zucken in stillen
konvulvischen Krämpfen. Ein anderer kommt auf mich zu und sagt,
du machst mich unglaublich geil, aber da bin ich schon tot, ein
MetallPfeil steckt in meiner Brust und glänzt dort wie eine
blutige Spinne, das Gewebe zerrissen. Der Wind weht vom Meer her.
Der Beton unter meinen Füßen sackt weg. Ich falle, ein
greller Blitz löscht den Raum und die Gesichter aus. In einem
Traum bin ich in einer seltsamen Stadt, in der alles in roten Schimmer
getaucht ist, und da bin ich nackt, zusammen mit anderen Leuten,
die ebenfalls nackt sind, und plötzlich sehen mich alle an
und ich beneide die, die aus Angst vorm träumen gar nicht erst
einschlafen, denn in der Sünder schamvollen Gewimmel, lieg
ich nackt und wälz mich ohne Ruh, nur der Himmel, aber immer
Himmel, deckt mächtig meine Blöße zu. Trotzdem ist
es mir unangenehm über den eigenen Horizont zu blicken und
so viele andere ausrangiert und glitzernd in dieser stacheligen
Umgebung zu sehen. Ganz zu schweigen von all diesen nackten Leuten,
die oben auf ihren verschiedenen Bergen und unten in ihren einzelnen
Tälern die merkwürdigsten Dinge treiben. Und dabei ist
nichts so demütigend, als nach sehr kurzer Zeit zu merken,
wie tief man selbst schon in irgendwelchen Klischees hockt, die
einen eigentlich gar nichts angehen, von diesen endlosen Strukturen
der Logik und Notwendigkeit getrieben, die so langweilig vonstatten
gehen, bevor sie zu dem unvermeidlichen Punkt gelangen wo ihre Enden
zerfallen und einen hindurch lassen. Freiheit, wo die Auseinandersetzung
mit der Sensibilität feinster Nerven zittert. Doch die Freiheit
des Geistes ist durchaus nichts bequemes, sondern etwas großes,
das man begehrt und zuzeiten nach zermürbendem Kampf erhält,
aber da der freie Geist liebt was notwendig ist, was ihm einleuchtet
und was ist, betrachte ich auch weiterhin den Traum, den ich träume
und während ich so träume, überkommt mich das benommene
Gefühl eines DejaVus, ein Gefühl vielfach multiplizierter
Persönlichkeiten. Ich bin im Begriff eine Beschreibung meiner
Leben zu träumen, eine weitläufige Beschreibung, die jede
dicht belaubte Allee meiner Gedanken bis in alle Winkel erkundet,
unbeschilderte VerbindungsWege durchwandert und unwegsames Dickicht
aus DetailSchilderungen durchbricht. Es ist interessant all diese
Aktionen zu beobachten. Ich lerne etwas über die nackten Handelnden,
alles Ich. Mir ist als ginge ich geradewegs in Dunkelheit und Sterne
hinein, in meine neue Heimat, den Platz wo ich wirklich hingehöre
und den ich schon lange tot. Der Beton unter meinen Füßen
sieht im MondSchein völlig rein aus, strahlend hell gleich
einer Spur schneeweißen Lichts, strahlend hell gleich einer
Spur schneeweißen Lichts, ein raumloses Reservat, wo man überall
ausgleiten kann und mir ist es unangenehm über den eigenen
Horizont zu blicken, so viele Ebenen, keine davon rational, ein
Traum. Ich sehe die Leute auf der Straße völlig verändert
durch diese Membran ihre Gesichter sind verzogen, schauen mich aus
einem SpiegelKabinett an, - und sie sehen erschrocken aus, was mich
beunruhigt, ebenso die Schlingen der SelbstZerstörung, die
ich wackeln sehe, ein Teil verschwimmt, trübt sich ein. Ich
spüre nichts, aber ich weiß, dass in meinem Inneren ein
zusammengerolltes Etwas ist, etwas, das herübergewechselt ist,
wie Farbe, die von einer WasserMenge in die andere diffundiert.
Dieses zusammengerollte Etwas hat sich tief in meinen mentalen Apparat
hineingebohrt, vielleicht verbündet es sich gerade jetzt mit
einer meiner Nebenpersönlichkeiten und stachelt sie zur Rebellion
auf; und ich werde den Eindruck nicht los, dass jemand anderes im
Gleichschritt zwei Meter hinter mir her marschiert, vorbei an Häusern,
knochig mit Ornamenten überladen, in den verschiedenen Höhen
durch Steine eingefasst, Fenster, der FensterSturz, Sims und FensterBank,
strukturieren ein Dutzend Flächen, Wellen fegen darüber,
wischen über Staub, den sie aber wegen ihrer Leichtigkeit nicht
bewegen können, ballen sich auf der Strasse und explodieren
langsam wieder. Was ist ... Danbala ap monte l, dröhnt eine
Stimme in meinem Kopf, eine gefrorene elektrische Ader, die jeden
Gedanken verhindert und nur noch die Wahrnehmung meines chemisch
hervorgerufenen Wohlgefühls zulässt. Meine NasenSchleimHäute
brennen, mein Herz rast und ich stehe unbeweglich da starre auf
einen Fleck an einer Wand, sehe Geflimmer wie Sterne, brennende
MiniaturKöpfe, die durch die Dunkelheit schweben und mein Herz
hüpft polyrhythmisch. Der Wind weht vom Meer her, fegt durch
das Gras am StraßenRand und überzieht meine Arme mit
GänseHaut. Ein leiser MusikHauch von irgendwoher ruft mir im
Sterben zu, mach ein bisschen Tod mit mir, das entspannt ungemein.
Und plötzlich, wie wenn ein Hebel herumgeworfen wird, jagt
eine ungeheuere VoltDosis durch dieses endgültig synchronisierte
und vereinheitlichte Schaltnetz namens Menschheit, ein StromStoß,
beide Pole aufladend, jagt über den Himmel und Nord- und SüdLichter
verschmelzen zu einem blendenden Blitz. Wie ein schillernder RegenBogen
verbindet eine polumspannende Energie die Antipoden der Erde. Die
Konjunktion der tausendundeinen Sfären beginnt. Ich reibe mir
die Augen wie ein müdes Kind. Freibewegliche Formen organischen
Materials steigen um mich herum auf. Würmer, wie Ringelwürmer
andere kriechen wie Schlangen und große flache Matten oder
MaterialMassen krabbeln auf so etwas wie frisch gewachsenen Zilien
oder tausend winzigen Füßchen dahin. Dahinter flimmert
eine düstere Helligkeit, gesäumt von flirrigem Grün,
das zu einer unendlichen Rückwärtsbewegung wirbelnder
Fraktale erblüht, geistiger geometrischer Strukturen, die allen
vertraut scheinen. Ich habe solche Muster zum ersten Mal als Kind
gesehen, wenn ich nachts die geballten Fäuste auf meine geschlossenen
AugenLider presste und leuchtende Mandalas entstanden aus sich krümmenden
Schlangen, die Schwänze außen, die Köpfe im Zentrum.
Augen gelb, Körper blutrot, jede Schuppe fiebrigscharf. Warum
betrachtet das sich selbst wahrnehmende Individuum sein SpiegelBild?
Wenn es sein SpiegelBild zertrümmert gelangt es auf die andere
Seite und findet sein Ich in Beziehung zu anderen. Sein Ich in Beziehung
zur Meinung der anderen über sein Ich. Sein Ich in Beziehung
zu seiner Meinung über die anderen. Meinung ist Hypothese,
aufgestellt in Bezug zum Ich. Ich stelle Hypothesen auf. Ich enthält
Meinungen. Warum evaluiert das Ich die Beschaffenheit seiner eigenen
Lage und die Lage der anderen? Visionen rastern auf ich sehe blauweiße,
elektrische Funken durch meine Schläfen zucken, züngelnde
Flammen und flüchtige Kobolde an den Rändern des Sichtfeldes.
Im Mund schmeckt es nach Blut. Irgendwie weiß ich was das
bedeutet. Das trübe Gefüge teilt sich, scheint blubbernd
aufzuwallen, zerfällt in zwei grau schimmernde Flecken, die
verblassen. Raus, denke ich, höchstens. Ich spüre meinen
Körper, nicht wie sonst, sondern als Gewicht, als etwas Zusätzliches.
Es ist Zeit, dass ich mich ihnen stelle, den vielen Dingen, die
sich in mein Gedächtnis heften, die eine Erklärung verlangen
und mir ist als ginge ich geradewegs in Dunkelheit und Sterne hinein,
in meine neue Heimat, den Platz wo ich wirklich hingehöre und
den ich schon immer suche. Ich fürchte mich nicht und das Fehlen
von Angst erwächst nicht aus Gleichgültigkeit dem Leben
gegenüber, sondern aus Erkenntnis und Vertrauen. Es ist an
der Zeit, dass ich aufhöre allen Herausforderungen auszuweichen,
Zeit, dass ich mich ihnen stelle, den vielen Dingen, die sich in
mein Gedächtnis heften, die eine Erklärung verlangen und
die mich im Herzen krankmachen, aber je mehr ich mich darüber
zermartere, desto weniger bin ich noch meiner Meinung und eine andere
Erinnerung wird deutlich und krampft mir im Kopf herum. Die Dinge
um mich herum. Ganz zu schweigen von all diesen nackten Leuten,
die ebenfalls nackt sind, und plötzlich sehen mich alle an,
und ich stehe unbeweglich da starre auf einen Fleck an einer Wand,
sehe Geflimmer wie Sterne, brennende MiniaturKöpfe, die durch
die Dunkelheit schweben und mein Metabolismus läuft auf zu
kleiner Flamme, nahe AbsolutNull, ist zu träge, mit einer widerlich
fremden, quietschende VerzerrungsMembran zwischen mir und der Welt.
Ich sehe die Leute auf der Straße völlig verändert
durch diese Membran ihre Gesichter sind verzogen, schauen mich aus
einem SpiegelKabinett an, - und sie sehen erschrocken aus, was mich
beunruhigt, ebenso die Schlingen der SelbstZerstörung, die
ich sehe blauweiße, elektrische Funken durch meine Schläfen
zucken, züngelnde Flammen und flüchtige Kobolde an den
frischen Eingeweiden, wenn sie mit diesem göttlichen SchnalzGeräusch
aus meinen Bäuchen herausquellen. Ich bin auch dabei als ein
PatronenGeschoß sein Ziel erreicht – sich direkt in
meinen mentalen Apparat hineinbohrt, ich weiß, dass es in
meinem Kopf eine feste Form angenommen hat, eine gefrorene elektrische
Ader, die jeden Gedanken verhindert und da ich glaube eine gewisse
Erschöpfung im Gesicht der alten Frau zu sehen, beschließe
ich vielleicht morgen wiederzukommen, weil ich zuviel Angst habe
mit jemanden zu reden, weil ich kein Selbst habe oder es nicht kenne,
es gibt kein Ganzes, das sprechen könnte. Jetzt ist sie eine
schöne, blasse, schwarzhaarige Frau mit karmesinroten Lippen
und hohen WangenKnochen sie bietet mir weißes Pulver an. Was
ist ... Danbala ap monte l, dröhnt eine Stimme in meinem Kopf.
Im Mund schmeckt es nach Blut und ich bin mit einem komischen Gefühl
von Fremdbesetzung allein, der Rest ist erträglich. Die HäuserWände
verdrehen sich auf ihren Zapfen und überall tun sich Bilder
auf, die von innen heraus strahlen und mit einer bedeutungsvollen
Stille wirken, wie ich es bei den Werken alter Meister erlebt habe,
in Museen mit freiem Eintritt an verregneten SonntagNachmittagen.
Dort, schwer zu erkennen im Schatten einer LitfaßSäule
sitzt die SchreckensGestalt eines alten Weibes, geradewegs einem
GoyaGemälde entstiegen, das zerfurchte Gesicht von einem schwarzen
Schal eingerahmt und starrt mit verdutztem Staunen auf eine Feder
in ihrer Hand. Und der ganze Ort wird mir zu einem Tryptichon der
Frührenaissance. Die Alte richtet den Blick ihrer mit Kajal
umrandeten Augen auf mich, sie lacht und fragt, was willst du denn
wissen? Ja, was will ich wissen. Ich stehe mitten in dieser Welt
aus Göttern, Geistern, Echtzeit und Halluzinationen einer Frau
gegenüber, die wie ein FabelWesen ständig ihre äußere
Erscheinung wechselt, schöne Frau, die mir Pulver anbietet,
was ist das? ich beuge mich tief mit dem Gesicht über die ausgestreckte
HandFläche und ziehe mir die pudrige Substanz die Nase hoch.
Frost, sagt sie, eine breitschultrige, untersetzte IndioFrau mit
lehmfarbener Haut, so vollen Brüsten und üppigen Hüften,
dass es leicht für zwei reichen würde. Du wirst nicht
schlafen können und du wirst sprechen, hier müssen wir,
allesamt Frauen, die keine Männer mehr um sich haben, in diesem
sterbenden Land, dieser Krypta, endlich sprechen und ich bin froh,
dank der Droge den Schlaf noch etwas aufschieben zu können,
denn jetzt habe ich Angst vor jenen Momenten des Einschlafens, wenn
sich Worte aus der NervenMatrix lösen und Visionen aufrastern,
die ich nicht mehr sehen will, so verführerisch wie Freude
und Terror. Ich sehe die Leute auf der Straße explodieren
langsam wieder, in diesem sterbenden Land, dieser Krypta. Meine
Stirn strafft sich. Meine Gedanken beginnen einen lebhaften Tanz,
und ich stehe unbeweglich da starre auf einen Fleck an einer Wand,
mein Metabolismus läuft auf zu kleiner Flamme, ist zu träge,
völlig verändert durch diese endlosen Strukturen der Logik
und Notwendigkeit getrieben, die so langweilig vonstatten gehen,
bevor sie zu dem unvermeidlichen Punkt gelangen, wo ihre Enden zerfallen
und einen hindurch lassen. Freiheit, doch die Freiheit des Geistes
ist durchaus nichts Bequemes, sondern etwas Großes, das man
begehrt und zuzeiten nach zermürbenden Kampf erhält, aber
da der freie Geist liebt was notwendig ist, was ihm einleuchtet
und was ist, betrachte ich auch weiterhin den Traum, den ich schon
tot. Die Dinge um mich herum werden schärfer, kommen näher.
Eine RegenBö fegt über mich hinweg, und als sie vorbei
ist, höre ich das PlischPlatsch des tropfenden Wassers wie
plappernde Stimmen. Ich sehe Dämonen auf HäuserDächern
sitzen, zu mir heruntergaffen und sich über mich ihre Schandmäuler
zerreißen, aber ich habe keine Angst, Frost wirkt Wunder,
räumt Hemmnisse beiseite. Ich frage mich ob es das ist, was
ich wollte, SelbstVertrauen durchströmt mich wie KälteSchauer,
erschließt mir KraftReserven, dann bricht die MorgenDämmerung
grau und feucht herein. Ich sage, ich habe Angst, weil ich zuviel
Angst habe überhaupt mit jemanden zu reden, besonders mit älteren
Leuten. Ich habe Angst, weil ich zuviel Angst habe überhaupt
mit jemanden zu reden, weil ich sie liebe, denn - oder weil ich
zuviel Angst habe überhaupt mit jemanden zu reden, weil ich
zuviel Angst habe überhaupt mit jemanden zu reden, weil ich
kein Selbst habe oder es nicht kenne, es gibt kein Ganzes, das sprechen
könnte und sie im Moment der schönste, liebenswürdigste
und vielleicht auch der intelligenteste Mensch ist, den ich kenne.
Da sehe ich den ersten Streifen TagesLicht am Himmel dieser hässlichen
Stadt, kein Ort für mich, denn das was früher Wirklichkeit
genannt wurde pulsiert immer noch, verliert keine Hoffnung. Nur
ein einziger Stern leuchtet durch einen Riss im HimmelsGrau, einsam
und mystisch in einem lavendelfarbenen Strahl über dem trüben
Rosa des SonnenAufgangs. Ich starre ihn an, versuche seine funkelnde
Botschaft zu verstehen, warte auf ein blaues Wunder und finde mich
im Paradies wieder, wo die Auseinandersetzung mit der Gefahr zu
einem Mysterium wird und zu einem Abstieg in das Herz der verrückten
Möglichkeiten, zum Joker und dem andersfarbigen Faden im Muster.
Ich reibe mir die Augen um herauszufinden, ob ich tatsächlich
wach bin. Auch hier dämmert ein Morgen, die Sonne steigt langsam
höher, zusammen mit einem Stern, der schon an ihrer Seite war,
als diese Welt noch ein Ganzes war, lange vor TyrannusSaurusRex
und Triceratops. Mein verzaubertes Herz bebt in freudiger Erregung,
erkennt, dass es durch Glücklichsein dem AlbTraum, dem Gefängnis
entfliehen kann. Dadurch, dass ich mich, eine Summe von inneren
und äußeren Erscheinungen, ganz annehme, an mich glaube.
Dadurch, dass ich den tiefsten Punkt meines Seins, das Nichtwissen
annehme und an mich glaube, mich dem WahnSinn zuwende und der Poesie
und ich wünsche, dass das Übel, jetzt am Ende der Zeit
endlich auseinander reißen möge, das was so sorgsam aufgebaut
wurde und durch seine Löcher sehe ich schon wie Ratten, Schaben,
Müll und Abfall, die nächste Schicht der Wirklichkeit
dringen. Am Ende der Zeit, kurz nach TagesAnbruch, stehe ich in
einer entstellten Welt als Bündel aus Träumen und Wünschen,
die, da ich sie nicht mehr ständig formulieren will, wie tote
Embryos in meinem Bauch liegen. Und ich kann sie nicht ertragen,
nicht loswerden, nicht abtreiben. Und so weiß ich nicht mehr
was ich tun soll, drehe mich um und mache mich auf den Weg nach
Hause, obwohl ich kein zu Hause mehr habe. Ich wühle in den
Falten meines Bewusstseins nach Traurigkeit und denke, dass sich
meine gesamte RealitätsSpur etwas verheddert hat und obwohl
ich mich immer noch von ihr getragen fühle, sind in einem unaufmerksamen
Moment, ehrlichgesagt kenn ich nur solche, ganze Denkmuster verschwunden,
MentalPlatinen abgesackt, und da sind jetzt Löcher, durch die
fremde Dinge in mich kriechen. Bekomme ich dann den Schlüssel,
den Code für die nächste Ebene? Denn jetzt wo der Morgen
heraufgedämmert ist kenne ich kein Land mehr und kenne keine
Gemeinschaft, weiß nicht welcher meiner Erinnerungen ich noch
trauen kann, gibt es überhaupt Geschichte, persönliche
oder kollektive? Gibt es hier überhaupt etwas außer Langeweile
und weil ich eine Frau bin, fange ich an zu weinen. Ich lasse mich
zu Boden fallen, rolle mich zu einem Knäuel zusammen, stecke
zwei Daumen in den Mund, weil der Mund jetzt zu nichts anderem taugt,
will von jemanden gefunden werden, aufgehoben wie ein Kind. Aber
da ist keine Mutter mehr, traurige Erinnerungen versteckt in BewusstseinsFalten,
einfältig, nur die Stadt ist da, die hässliche Mutter,
Stadt, wenn du Schmerz von mir willst, wirfst du mich zwischen Penner
und ZuhälterRatten, die HeroinSpritzen schwingen wie Ritter
in längst vergangenen Zeiten ihre Schwerter. Wenn du Freude
von mir willst, machst du mich berühmt, denn ich bin das Baby,
du bist meine einzige Mutter und der Ruhm ist deine schwarze BrustWarze,
altes Weib. Ich denke sie mir noch eine Minute, dann rolle ich mich
noch weiter zusammen und fühle mich wie eine, die schon so
lange betäubt ist, dass sie gar nicht mehr weiß, wie
betäubt sie eigentlich ist und dann erwache ich in der Welt,
die vor mir liegt, wo ich mich durch eine Schicht aus Illusionen
um die andere hindurchkämpfen muss, bevor ich überhaupt
in der Lage bin, mich zu erheben.
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