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Going
Nowhere Fast
Nichts kann erschöpfend beschrieben werden, überall
sind Lücken, Auslassungen, Sprünge, so dass der Leser
hinzudichten kann. Es stimmt auch, dass jeder Erzähltext erst
im Kopf des Lesers entsteht, und daher so oft "existiert",
wie er gelesen wird. Es gibt da wohl eine Schnittmenge, die Autor
und Leser sich teilen, wenn sie den Sinn auf der Oberfläche
des Textes nachvollziehen, bevor subjektive Assoziationen, Erfahrungshintergründe,
Weltanschauungen ihn abdrängen. In der postmodernen Literatur
nun wird von einigen dem Autor die "Künstlichkeit"
seiner ordnenden Entscheidungen abgesprochen und dieser aufgefordert,
das Chaos umzusetzen, zu spiegeln. Ein Buch habe genauso unverständlich
zu sein wie das Leben selbst. Die letztendliche Unmöglichkeit,
die Wirklichkeit zu erkennen, wird ästhetisch beantwortet mit
einer fragmentarischen Sicht auf diese, mit der Ablehnung von sinnstiftenden
Systemen.
Wolfgang Neuhaus "Die Vernetzung der Fiktionen"
TXT by TW11 (Original German Version)
ALGORITHM by BURROUGHS MACHINE (Former Online Text Randomizer -
Now Obsolete)
RECOMPILED by THE IV.
The German critic Walter Benjamin envisioned
a book composed entirely of assembled quotations from other authors
- well here it is!
KörperRaum hat grünes Licht, grüner
Schatten. Ganz ruhig, du hyperventilierst... ich hol dir was zu
trinken, sagt sie, laß uns von hier verschwinden, und wir
halten die SchlangenKörper in die Mitte. Ich ziehe die Tür
wieder zu, das knallrote Mädchen ergreift meine Hand und sagt,
ich bin kaum was ich bin, ich sage, ich habe mich vor meiner Geburt
verteidigen müssen, mein Ich ist nur Angst und ein wenig banal...,
und soviel Ich von nichts. Manche Leute muß man fertigmachen,
sagt das Mädchen, sonst lassen sie einen nicht in die Stadt.
Sie zögert, beißt mit den geschlossenen Augen, den olivfarbenen
Lidern, die dunkler sind als das Gesicht, die KörperHaut honigfarben,
glatt, wie polierter brauner Stein, wo das Knie angezogen ist und
die weite, schlammgelbe Schlabberjeans, die er anhat ist unten voll
zerfranst. Seine gebleichten KopfHaare mit allenmöglichen MetallTeilen
drin sind so lang, daß er sie wohl noch nie von ihr gehört.
Der Name ist neu und völlig unversehrt, den Weg zurück,
den wir gekommen waren renne und renne ich, tagelang; anfangs brüllend
und tobend, bis mir vor Müdigkeit und Erschöpfung die
Beine im Laufen wegknicken und ich beschwöre in mir das Bewußtsein
einer ziemlich verwickelten Geschichte herauf, ein Bewußtsein,
das andeutungsweise all meine Energie auf den Fotos aber, - es ist
wirklich unheimlich, irgendwie kenne ich dich so gut, daß
ich das Gefühl habe in deinem Kopf zu sein. Ihre Worte hauen
in mich rein wie ein nasser Fisch. Unmengen kleiner Explosionen
krachen gleichzeitig in meinem kürzlich erschienen Buch - Einer
hebt ein Buch hoch und liest den Titel vor: 'Woge der Dunkelheit,
der Rassismus', aus dem Wagen, durchgeschüttelt, staubig und
zum Umfallen müde. Ich heiße Corazon, sagt das Mädchen,
wie fühlst du dich? Ich fühle mich wie tausend aufgerissene
Leiber, geschält bis auf die Stirn, sagt, ich will die telepathische
Vereinigung mit dir, ich lächle in ihre riesigen Pupillenschächte,
sage wohl eher Vergewaltigung, oder? Das Mädchen starrt mich
mit einer seltsamen Mischung aus schwebender Anmut und gespielter
Desorientiertheit an, goldene Flimmer steigen an die Oberfläche.
Zitronengelbe und purpurrote Diagonalen jagen über das FlimmerGrau
eines BildSchirms, dann ein dyspeptischer Leptosom mit fliehendem
Kinn, dessen enthaarte KopfHaut an verschiedenen Stellen zu dreidimensionalen
Figuren ähnlich jenen auf ESP - TestKarten geformt ist, gewundene
Linien, Sterne, Quadrate, Kreise - wie kleine Antennen auf seinem
Kopf - grunzt abfällig und spricht weiter als ich. Nach einiger
Zeit, in der Verfassung zu widersprechen - alles in Ordnung mit
dir? Ich nicke nur. Sie beugt sich über mich und küßt
mich. Es ist ein angenehmes Gefühl. Du hast seltsame Augen,
murmelt sie, beinahe jadegrün, so hab ich sie mir nicht vorgestellt,
du siehst anders aus, als auf den Fotos aber, - es ist wirklich
unheimlich, irgendwie kenne ich dich so gut, daß ich das,
was ich bin, vor meiner Geburt habe verteidigen müssen, und
daß mein Ich nur die Angst und ein wenig banal, ich sage,
ein Guerilla, und soviel Ich von nichts. Von weit dringt eine traurige,
trübsinnige Musik an meine Ohren und läßt mich frösteln.
Unablässig erklingt sie, eine TotenGlocke, ein KlageEngel,
der in mir den Wunsch weckt, immer langsamer zu werden, mit den
Schwingungen der verklingenden Noten abzusterben, an einen Ort hinabzusteigen,
den ich schon immer kenne, grau und von saugender Tiefe, eine kleine
Höhle auf dem Grund meines Geistes, gerade groß genug
meiner wunden Seele als Versteck. Manche Leute muß man fertigmachen,
sagt Corazon, sonst lassen sie einen nicht in die Tiefe. Sie zögert,
beißt mit den Füßen und federt mit jedem Schritt
höher, tanzt und singt und beschwört in mir das Bewußtsein
einer ziemlich verwickelten Geschichte herauf, ein Bewußtsein,
das andeutungsweise all meine Energie auf den Fotos aber, - es ist
wirklich unheimlich, irgendwie kenne ich dich so gut, daß
ich das Gefühl habe in deinem Kopf zu sein. Sie zappt weiter
durch Bild -und TonFragmente; ich kann dem allem gut folgen, all
diesen RauschStimmen und FlimmerBildern, recht gut, es sind ja immer
die gleichen Worte, die gleichen Geschichten, die gleichen Fragen
und Antworten, arglos, ziemlich arglos. Die Dämpfe werden aus
Ampullen eingeatmet und dann meint man während der nächsten
dreißig Minuten, man sei eine Kreuzung zwischen Superman und
Arnold Schwarzenegger. Das Schlimme ist, daß viele es übertreiben
und abflippen. Sie verchecken das Zeug, ich weiß nicht wie
oft. Wir erreichen eine große, mit Farn überwucherte
Lichtung, ich fühle mich wie in einem Aquarium, mit einer blassen,
milchigen Flüssigkeit gefüllt und von irgenwo taucht immer
wieder eine Hand auf einer seltsamen Mischung aus schwebender Anmut
und gespielter Desorientiertheit zum Jeep öffnet die BeifahrerTür
und läßt sich zum Teil auf ungünstige Umstände
zurückführen, zum Teil auf ungünstige Umstände
zurückführen, auf ungünstige Umstände zurückführen,
ungünstige Umstände, zum Teil wird er meiner Meinung nach
aber auch von Koalitionen hochorganisierter Rassisten kultiviert.
Ein dyspeptischer Leptosom mit fliehendem Kinn, grunzt abfällig
und spricht, der Kampf spielt sich doch heute zwischen dem präzisem,
toten abendländischem Wissen und dem wirren aber lebendigem
Wissen um ein ewiges Dasein ab und zwar innerhalb eines jedem Individuums.
Nach einiger Zeit, blicke ich wieder zu den Leichen zurück,
und ich sehe alle um mich herum tot, grausig zerfleischt, auseinandergeschnitten,
zu blutigen Haufen geschichtet, spüre meinen Geist im dumpfen
Chaos dieses unterbewußten Geschehens wühlen, sonst weiß
ich von nichts. Corazon sammelt Hölzer, Gestrüpp und neun
gleichgroße Steine, legt die FeuerStelle aus, schichtet BrennMaterial
zusammen und entzündet es, es verbrennt sehr schnell und heiß.
Die Schlangen spießt sie auf Stöcke, gibt mir einen und
dem Gast und wir halten die SchlangenKörper in die Stadt, arglos,
ziemlich arglos. Corazon zögert, beißt mit den Füßen
und federt mit jedem Schritt höher, tanzt und singt und beschwört
in mir das Bewußtsein einer ziemlich verwickelten Geschichte
herauf, ein Bewußtsein, daß andeutungsweise all meine
Energie auf den LichtStrahlen beruht, die vom Himmel her durch das
BlätterDach fallen. Sie sitzen unter jenen Strahlen, wie Heilige,
von Gott gesegnet und schwärmen von der Reinheit des Lichts,
den Freuden des Tötens und der neuen Welt, die sie erschaffen
wollen. Ich heiße Corazon, sagt das Mädchen, sonst weiß
ich von nichts. Meine Augen durchbohren sie, Angst kriecht mir die
Wand hoch bündelt sich in meinem Geist zu einem Messer und
plötzlich wird die Welt zu einem anderen Ort, ich bewege mich
nicht, keine Bewegung jetzt, wir bewegen uns nicht, ich bin irgendwo
anders, irgendwo drin. Ich gehe durch Urwald, auf schmalen Pfaden
aus brauner Erde, die zu so profunden Zielen führen wie zu
AugenBlicken der Erleuchtung, von Furchen durchkreuzt, den Spuren
von Ameisen, und jedesmal, wenn ich anhalte um Atem zu schöpfen,
krabbeln sie an Slacker weiter, der sich eine dicke Kugel aus dem
Haschisch dreht und sie schluckt. Corazon steht auf, sie geht mit
der geöffneten Ampulle und mit der Plötzlichkeit eines
gebrochenen Zauberbanns, wirkt die Droge aus. Mein Tanz ist eine
Waffe, die ich dir gebe, eine Waffe für jede Vision, losgelöst
von meinen Wünschen und geleitet nur von der Platte, reicht
sie an Slacker weiter, der sich eine dicke Kugel aus dem Himmel
träumen und Raketen an ein bestimmtes Ziel wünschen kann.
Ich bin eine Waffe, die ich dir gebe, eine Waffe für jede Vision,
losgelöst von meinen Wünschen und geleitet nur von der
Musik, die im Zusammenprall der Spuren am Ende der Zeit entsteht.
Ich kenne das alles schon, habe Teile davon schon immer verletzt.
Der Kampf spielt sich doch hier um die Entscheidung ob man diese
Beziehung zu sich hin hat. Ich suche den Grund für den Kampf
in mir und erwache mit einem Schrei der sich in flimmernder Luft
verliert, dann wieder klar zu sehen ist. In der glitzernden Weite
ist er der Schatten eines Schattens. Schreitet voran, wird unmerklich
größer, bis ein Umriß differnzierter wahrzunehmen
ist. Noch immer größer werdend, als hätte er unsere
Blicke aufgesaugt, kommt er näher. Er ist so schwarz wie Haut
sein kann, seine Arme sind mächtig, sein BrustKorb riesig und
die Ruhe, die unter der schrillen Oberfläche steckt. Vorbeiströmende
Bilder beschleunigen sich, verbinden sich zu Geweben aus goldenem
Licht, in ein Kaleidoskop von Möglichkeiten, alles Spiegel
eines Ichs, das keine Angst hat und falle durch hundert Böden
gefallen und weich gelandet. Mit einem Stäbchen reibt er über
die Raspel, sie schnarrt rhythmisch und ich spüre die Stärke
des Mädchens mich auffüllen, eine verschlungene, fieberhafte
Energie meine Gedanken rotfärben, Wut und Abscheu entfachen
und meinen Kummer zerquetschen. Das Mädchen lächelt mich
an. Ihre Haare sind kurzrasiert, schwarzgefärbt. Das rote Teil,
das sie obenherum trägt, ist viel zu klein und ihre Brüste
quetschen und quellen mir aus dem Himmel. Ich bin eine Waffe, du
kannst mich Slacker nennen. Er zieht eine Machete unter dem Schatten
der Oberlippe. Sie ist wunderschön mit den Füßen
und federt mit jedem Schritt höher, tanzt und singt und beschwört
in mir das Messer im Geiste dieses Mannes hervor, der so ruhig hier
sitzt während Schrecken in ihm klingt wie ein nasser Fisch.
Unmengen kleiner Explosionen krachen gleichzeitig in mich. Nach
einiger Zeit, in der Verfassung zu widersprechen. Alles in Ordnung
mit dir ich nicke nur. Sie beugt sich über mich und ich beginne
zu sprechen. Es geschieht manchmal, daß die meisten meiner
Wahrnehmungen Halluzinationen sein müssen. Ich kann nicht glauben,
daß das heftige Trommeln, mich aus meiner bekannten fysischen
Wirklichkeit hinausträgt, hinaus aus der Finsternis. In einer
dieser Stunden dämmert dann die Erkenntnis, daß ich das
Gefühl habe in deinem Kopf zu sein. Die Dämpfe werden
aus Ampullen eingeatmet und dann springt er plötzlich in ein
klares Relief - eine Silhouette, die sich kurz - in der ich mir
meine Situation zu erklären suche, wieder zu den Leichen zurückblicke,
bewußtlos niederschlage und liege, bis mich AlbTräume
wecken und weiterrennen lassen, solange bis ich mir das, was ich
bin, vor meiner Geburt habe verteidigen müssen, und das mein
Ich zerfetzt, es zersplittert gleich einem Spiegel in hundert Teile
in denen ich Angst sehe und ich spüre die Stärke des Mädchens
mich auffüllen, eine verschlungene, fieberhafte Energie meine
Gedanken rotfärben, Wut und Abscheu entfachen und meinen Kummer
zerquetschen. Das Mädchen hupt und einige der zerlumpten Frauen
und Männer weichen aus andere bleiben stehen und gaffen. Halt
dich fest, sagt das Mädchen, wie fühlst du dich? Ich fühle
mich wie tausend, telepathisch geschält bis auf die Stirn,
lächle in ihre riesigen PupillenSchächte, sage wohl eher
Vergewaltigung, oder? Das Mädchen starrt mich mit einer seltsamen
Mischung aus schwebender Anmut und gespielter Desorientiertheit
an, läßt sich auf den Rücken, lasse MondLicht und
SternenLicht in mich rein wie ein nasser Fisch. Unmengen kleiner
Explosionen krachen gleichzeitig in mich, es gibt nichts zu suchen
dabei kann ich doch sehen, daß sie den Boden unter ihren Füßen
mit den Splittern eines Ichs in meinen Ohren die Schreie von FlederMäusen,
die wie ScherenSchnittFiguren durch die Ereignisse des letzten Tages,
in Fetzen gerissen. Die Wüste ringsum scheint zu verdampfen.
Alle Denkspuren führen ins Nichts. Schließlich hält
das Mädchen materialisiert eine MaschinenPistole im Anschlag,
und ballert los. Der Erste, Vorschnellste, wird von den Geschossen
rücklings zu Boden geschleudert, sein Gesicht verschwindet
in einer nassen roten Wolke, die anderen rennen schreiend die Treppe
hinunter. Auf der Straße klettern wir in einen Jeep, mit einem
Schrei in der Kehle, der in mir das Bewußtsein einer ziemlich
verwickelten Geschichte heraufbeschwört, ein Bewußtsein,
das andeutungsweise all meine Verkörperungen umfaßt und
sich vom Anfang der Zeit bis ins Jetzt erstreckt. Ich fühle
mich wie ein mystischer KriegsHerr, einer Bombe gleich, die als
trojanisches Pferd in das Lager des Feindes geschmuggelt wird. Aber
es gibt keinen Feind, draußen. Meine Sinne sind aufs äußerste
geschärft und ich spüre eine Last auf mir, ein Drängen
und das hohe schrille Pfeifen in meinen Ohren, die Schreie von FlederMäusen,
wie ScherenSchnittFiguren durch die Ereignisse des letzten Tages
in Fetzen gerissen. Die Wüste ringsum scheint zu verdampfen.
Alle Denkspuren führen ins Nichts. Ich kenne das alles schon,
habe Aspekte dessen schon immer gelebt, doch der Sinn bleibt mir
verschlossen, die Aussicht auf eine mögliche Zukunft unklar.
Schließlich hält das Mädchen materialisiert eine
MaschinenPistole im Anschlag, und ballert los. Der Erste, verschwindet
in einer nassen roten Wolke, die anderen rennen schreiend die Treppe
hinunter. Auf der Straße klettern wir in einen unruhigen Schlummer.
Augen überwachen meine Träume, wachsame flinke KleinmädchenAugen,
von Schmerz getrübt. Vor der blutigroten SandDüne, auf
der ich keuchend stehe, außer Atem, den Donner von Detonationen
im Ohr, erhebt sich ein zerschossenes Kind und zieht mich zu sich
hin. Mit einem plötzlichen Peng zerplatzt meine WohnungsTür
und eine Bande brüllender Kids stürmt mit Knüppeln
bewaffnet auf uns zu. Eine schnelle KörperDrehung aus der Finsternis.
In einer dieser Stunden dämmert mir die Erkenntnis, daß
die Nacht unheilvoll über die Seele heranzieht, so daß
diese, von Versuchungen überwältigt und ermattet, nicht
mehr weiß, woher sie stammt, von oben oder unten, aus dem
Licht oder aus der Finsternis. Ihre Worte hauen in mich und ich
sinke, in meinen Ohren die Schreie von FlederMäusen, die Ereignisse
des letzten Tages in Fetzen gerissen. Die Wüste ringsum scheint
zu verdampfen. Alle Denkspuren führen ins Nichts. Schließlich
hält das Mädchen materialisiert eine MaschinenPistole
im Anschlag, und sie ballert los. Der Erste, wird von der Doppelaxt
eines jungen Berserkers im Genick getroffen und immer wieder hackt
er auf ihn ein; blutbesudelt propagiert er die radikale Auflösung
falscher IchHaltungen. Es dreht sich doch hier um die Entscheidung
ob man diese Beziehung zu sich hin... Ich erwache mit einem Schrei
und der Erkenntnis, daß ich das, was ich bin vor meiner Geburt
habe verteidigen müssen, und daß mein Ich nur die Folge
des Kampfes ist, den ich seit dem Anbeginn aller Tage, gegen den
Trug der falschen Ideen geführt habe. Ich versinke in sumpfigen
Schluchten, krieche unter umgestürzten BaumStämmen hindurch,
wo TausendFüßler und Spinnen hausen und sich vom Anfang
der Zeit nur die Angst und ein wenig banal, ich sage, ein Guerilla,
und soviel ich von nichts. Manche Leute muß man fertigmachen,
sagt Corazon, sonst lassen sie einen nicht in die Mitte, ziehe die
Tür wieder zu, aber das knallrote Mädchen ergreift meine
Hand, ich bin kaum in der Verfassung zu widersprechen. Alles in
Ordnung mit dir? Ich nicke nur. Sie beugt sich über mich und
küßt mich. Es ist ein angenehmes Gefühl. Du hast
seltsame Augen, murmelt sie, beinahe jadegrün, so hab ich sie
mir nicht vorgestellt, du siehst anders aus, als auf den er sich
niederläßt. Sie verschwindet für kurze Zeit mit
der gehäuteten Schlange, mein Magen will nichts haben, der
Nachhall der gesprochenen Worte schaukelt sich zwischen uns auf.
Wo bist du in der flimmernden Luft? In der glitzernden Weite ist
sie der Schatten eines Schattens. Sie schreitet voran, wird unmerklich
größer, bis ihr Umriß differnzierter wahrzunehmen
ist. Noch immer größer werdend, als hätte sie unsere
Blicke aufgesaugt, kommt sie näher. Er ist so schwarz wie Haut
sein kann, seine Arme sind mächtig, sein BrustKorb riesig und
die tausend Sonnen sind die Sterne über mir und ich beginne
zu sprechen. Es geschieht manchmal, daß die Nacht unheilvoll...,
die Raspel schnarrt rhythmisch und ich beginne zu sprechen, es geschieht
manchmal, daß die meisten meiner Wahrnehmungen Halluzinationen
sein müßten. Ich kann nicht glauben, daß das heftige
Trommeln, das mich aus meiner bekannten fysischen Wirklichkeit hinausträgt,
hinaus aus der Frequenz, die meine Identität bestimmt, sehr
seltsam. Und die Menschen können mir lange erzählen, die
Dinge seien nun einmal so wie sie sind; dabei kann ich doch sehen,
daß sie den Boden unter den Füßen mit den verkrüppelten
Zehen verloren haben und schon lange nicht mehr wissen, was sie
sagen, denn wo sie die Zustände herhaben, durch die sie sich
über dem Strom der Ideen halten, das haben sie schon längst
vergessen. Ich suche den Grund für den Kampf in mir und hole
ein StaniolPapierPäckchen aus der Finsternis. In einer dieser
Stunden dämmert mir dann die Erkenntnis, daß ich das
Gefühl habe in deinem Kopf zu sein. Ihre Worte hauen in mich
und ich sinke in einen Jeep, sie mit zwei Gewehren wieder heraus.
In meinen Ohren die Schreie von FlederMäusen, die wie ScherenSchnittFiguren
sie eines Tages erreichen werden. Das dämmrige Zwielicht läßt
seine dunkle Haut im Profil wie einen ScherenSchnitt aus schwarzem
Samt erscheinen. Es geht ein Pulsen von ihm aus, das mich aus meiner
bekannten fysischen Wirklichkeit hinausträgt, hinaus aus der
Finsternis. Ich habe das Gefühl in deinem Kopf zu sein. Ihre
Worte hauen in mich rein wie ein nasser Fisch. Unmengen kleiner
Explosionen krachen gleichzeitig hoch und bepissen mich. Ich stoße
an abgestorbene RankenGewächse, MosquitoWolken steigen auf
und schwirren in meine NasenLöcher, in meinen Ohren FledermausSchreie,
durch die Ereignisse des letzten Tages in Fetzen gerissen. Die Wüste
ringsum scheint zu verdampfen. Alle Denkspuren führen ins Nichts.
Schließlich hält das Mädchen materialisiert eine
MaschinenPistole im Anschlag, und ballert los. Der Erste verschwindet
in einer nassen roten Wolke, die anderen rennen schreiend die Treppe
weiter hinauf. Woher hast du die Pistole, frage ich und renne, tagelang.
Anfangs brüllend und tobend, bis mir vor Müdigkeit und
Erschöpfung die Beine im Laufen wegknicken und ich bewußtlos
niederschlage und liege, bis mich Albträume wecken und weiterrennenlassen,
weiter als mein Körper Raum hat, grünes Licht, grüner
Schatten. Ich versuche die mich umgebenden Gerüche und Geräusche
zu identifizieren, bis ich mir das, was ich bin, vor meiner Nase
auf und schwirren in meine NasenLöcher, in meinen Mund. Ich
versinke in sumpfigen Schluchten, krieche unter umgestürzten
BaumStämmen hindurch, wo TausendFüßler und Spinnen
hausen und sich in diesem Chaos zu Hause zu fühlen, verzweifelt
zwar, doch sie kann ihre Verzweiflung in nutzbringende Bahnen lenken.
Los, ruft sie, weiter. Wir fahren den ganzen Abend, durch ausgeglühte
SchotterEbenen und SandSteinRücken, die in allen Abstufungen
zwischen gelb und braun leuchten. Die Stadt die Immergleiche, weit
hinter uns, gibt es nichts als Sand, ausgeblasenen FelsUntergrund
poliert vom WüstenSand und grobes Geröll und ich wandere
durch den Dschungel auf schmalen Pfaden aus brauner Erde, die zu
so profunden Zielen führen wie zu AugenBlicken der Erleuchtung,
von Furchen durchkreuzt, den Spuren von Ameisen, und jedesmal, wenn
ich anhalte um Atem zu schöpfen, krabbeln sie an meinen Beinen
hoch. Corazon steht auf, sie geht mit einer geöffneten Ampulle
vor meiner Nase auf und ab, sie lächelt, durch die Ereignisse
des letzten Tages in Fetzen gerissen. Ihr Lächeln springt auf
mich über und reißt einen Schleier fort, und ich sehe
die Stadt, die wir hinter uns gelassen haben, als eine riesige neuronale
Matrix, Gehirn an Gehirn. Die Wüste ringsum scheint zu verdampfen.
Alle Denkspuren führen ins Nichts. Schließlich hält
das Mädchen und beschleunigt. Ich höre das dumpfe Aufschlagen
von Körpern auf der MotorHaube, sehe sie seitlich wieder abrutschen.
Ein Geschoß prallt am SchutzBlech ab. Das Mädchen atmet
heftig und zittert. Scheiße, sagt sie, laß uns von hier
verschwinden, und wir halten die SchlangenKörper in die Stadt.
Corazon zögert, beißt mit den Splittern eines Ichs in
meinen Nacken. Die Hitze ist überwältigend. Ich sinke
zurück, weiter als mein Körper Raum hat, grünes Licht,
grüner Schatten. Ganz ruhig, du hyperventilierst... ich hol
dir was zu trinken, sagt sie, laß uns von hier verschwinden,
und wir rennen die Treppe hinunter. Auf der Straße klettern
wir in einen unruhigen Schlummer. Augen überwachen meine Träume,
wachsame flinke KleinmädchenAugen, von Schmerz getrübt.
Vor der blutigroten SandDüne, auf der ich mir das, was ich
bin, vor meiner Geburt habe verteidigen müssen. Die Hitze ist
überwältigend. Ich sinke zurück, Corazon zögert,
beißt mit den geschlossenen Augen, den olivfarbenen Lidern,
die dunkler sind als das Gesicht, die KörperHaut honigfarben,
glatt, wie polierter brauner Stein, wo das Knie angezogen ist und
die weite, schlammgelbe Schlabberjeans, die er anhat ist unten voll
zerfranst. Seine gebleichten Haare sind so lang, daß er sie
wohl noch nie von ihr gehört. Der Name ist neu und völlig
beliebig, und dann renne ich und renne tagelang, solange bis ich
mir das, was mir an diesem Tag im Dschungel widerfährt, nur
noch als Traum erklären kann, einen Traum, den ich jetzt immer
bei mir trage. Die Wüste ringsum scheint zu verdampfen. Alle
Denkspuren führen ins Nichts. Schließlich hält das
Mädchen materialisiert eine MaschinenPistole im Anschlag, und
sie ballert los. Der Erste, wird von der Reinheit des Lichts, den
Freuden des Tötens und der neuen Welt, die sie eines Tages
erreichen werden. Das dämmrige Zwielicht läßt seine
dunkle Haut im Profil wie einen ScherenSchnitt aus schwarzem Samt
erscheinen. Es geht ein Pulsen von ihm aus, das mich aus meiner
Brust drängt, mein HerzKlopfen sein soll, oder das hohe schrille
Pfeifen in meinen Ohren die Schreie von FlederMäusen, durch
die sie erschaffen wollen. Inzwischen waren die Schlangen gut durchgebraten.
Ich ziehe mit den Zähnen die zähe Haut ab, gebe dann den
Spieß mit der Machete und komme mit drei Schlangen ohne Kopf
zurück. Sie sammelt Hölzer, Gestrüpp und neun gleichgroße
Steine, legt die FeuerStelle aus, schichtet Brennmaterial zusammen
und entzündet es, es verbrennt sehr schnell und heiß.
Die Schlangen spießt sie auf Stöcke, gibt mir einen und
wir halten die SchlangenKörper in die Stadt. Corazon zögert,
beißt mit den Splittern eines Ichs in meinem Mund herum. Ich
fächere mich in ein Kaleidoskop von Möglichkeiten, alles
Spiegel eines Ichs, das keine Angst mehr kennt, weil es sich seiner
eigenen Traumatas als MaterieQuelle bedient. Ich habe keine Angst
mehr und falle durch hundert Welten ins Nichts, das ich immer schon
kenne, das der Anfang ist von dem Kampf, der mein Ich zerfetzt,
es zersplittert gleich einem Spiegel in hundert Teile in denen ich
Angst sehe und ich wandere durch den Dschungel auf schmalen Pfaden
mit den Splittern eines Ichs in meinen Händen, die nicht zusammenpassen,
weil Angst alles trennt, weil sie saugt und ich laufe durch zerfetzte
Erinnerungen zum Anfang zurück und erkenne im Spiegel der Zeit
nur die Angst und ein Ich, das sich flieht. Slackers Hand berührt
mich an der Schulter und meine Spannung zerplatzt, eine Spiegelung
zerbirst ins Nichts ohne Splitter. Ich atme die kühle NachtLuft
und lege mich nieder in traumlosen Schlaf, der währt bis die
Sonne sich über den WüstenHorizont schiebt. Sie wirft
ihr erstes Licht auf Corazon, die immer noch verstöpselt, schläft
weiter. Ich höre das dumpfe Aufschlagen von Körpern auf
der Zunge zergehen. Corazon beißt eine kleine Höhle,
wir legen uns darauf nieder. Corazon ganz still neben mir, die OhrKnöpfe
ihres Walkman eingesteckt, läßt sich zum Teil auf ungünstige
Umstände zurückführen, zum Teil auf ungünstige
Umstände zurückführen, und ich bewege mich nicht.
Keine Bewegung jetzt. Wir bewegen uns nicht. Dann zwingt doch ein
Reflex in mir das Bewußtsein einer ziemlich verwickelten Geschichte
herauf, ein Bewußtsein, - bist du in der Verfassung zu widersprechen?
Alles in Ordnung mit dir?Ich nicke nur. Sie beugt sich über
mich und ich versuche die mich umgebenden Gerüche und Geräusche
zu identifizieren, mein Ich nur die Angst und ein wenig banal. Ich
fühle mich wie ein mystischer KriegsHerr, eine Bombe, alles
Knochen goldene. Er spricht .....nicht schlafen, nicht vergessen,
nicht aufhören zu denken, zu hören, zu sehen. Wir sehen
unsere Gedanken und die Städte und erstmal ein Feld, in das
ich schwingen kann, weiter als gewohnt und ich weiß, daß
der Bann von zuviel Gift und Feuer und fliegendem Stahl die chemische
Zusammensetzung des Schicksals durcheinandergebracht hat und gerate
dabei augenblicklich zwischen zwei Richtungen Vergangenheit und
Zukunft, Innen und Außen, Mahlsteinen analog, Paranoia und
Schizofrenie, von dem einen erdrosselt, im anderen ertränkt,
das eine fortwährend hinter mir, das andere schießt über
mich hinaus. Ich sehe Corazon nach hinten wegsacken, ihren Hinterkopf
hart auf den jungen Fönix, die Asche ist noch heiß. Oh
mein Gott, denke ich, der sich nicht mehr an jenem halluzinogenem
Elend weiden kann und errichte die Umgrenzung meines Ichs in den
freien Raum gerate dabei augenblicklich zwischen zwei Richtungen
Vergangenheit und Zukunft, Innen und Außen, Mahlsteinen analog,
Paranoia und Schizofrenie, ich sehe am Horizont eine chinesische
RaketenAbschußRampe, Corazon, drei in Wut geratene Schwule,
meine Nachbarin auf Ticket, schwanke zwischen paranoisch-reaktionärer
Überbelastung und einer unterschwellig schizofren-revolutionären
Ladung, den beiden Polen des Wahns, bis der Rhythmus meines Herzens
mich weiterträgt, nach hinten; an einen anderen Ort zwischen
dem Hier und dem Traum von den tausend Sonnen, die die Menschen
eines Tages erreichen werden. Großen goldenen Brüste
wippen, goldene Augen blinzeln, die Stimme von Megamesch spricht
weiter, ich denke, daß ein großer Teil unserer Gesellschaft
aus verschiedenen Gründen - durch Konditionierung, durch psychologische
TriebKräfte und vielleicht in gewissen Maße auch aus
Instinkt - eigentlich von Natur aus rassistisch ist und was natürlich
mit dem Begriff Rassismus gerne fälschlicherweise ummäntelt
wird ist unser schlechtes Gewissen, um einen Ausgleich zu schaffen
über die gnadenlose kapitalistische Ausbeutung der RestWelt.
Goldene BrustWarzen auf dem BildSchirm, goldene SchamHaare kringeln
sich, ein goldener PistolenLauf bahnt sich seinen Weg, schweißglänzende,
glatte Schenkel öffnen sich weit, die Waffe rutscht zwischen
nasse SchamLippen, zerschießt den Unterleib mit einem Aufstöhnen.
Die DesasterShow läuft immer weiter. Der Bann von zuviel Gift
und Feuer und fliegendem Stahl hat die chemische Zusammensetzung
des Schicksals durcheinandergebracht und euch ausgeblendet, verblendet,
verwirrt, bis das Ungleichgewicht eine Explosion erzeugte, die über
die Welt sickert. Oh mein Gott, denke ich, der nicht mehr existiert,
und dessen Begriff sicher auf einem Mißverständnis basiert
und inszeniere auf einer SiliziumBühne noch einmal die Legenden
einer subjektiven WeltGeschichte. Ich streiche über Corazons
Wangen, trinke die WasserFlasche leer, mein Mund und meine Kehle
sind ausgedörrt und wund, ich habe Hunger, mein Körper
ist steif. Ich verlasse den Raum, der jetzt still und ruhig in blaues
Licht getaucht ist, lenke beim Gehen die Aufmerksamkeit hinunter,
in die eigene Intuition weiter. So, ich muß los, hängt
einfach ein bißchen rum hier, bis später dann, verschwinde
und hinterlasse ein Feld, in das ich schwingen kann, weiter als
gewohnt und ich weiß, daß der Bann von zuviel Gift und
Feuer und fliegendem Stahl die chemische Zusammensetzung des Schicksals
durcheinandergebracht hat. Vergangenheit und Zukunft, Innen und
Außen, Paranoia und Schizofrenie, ein anderer Ort zwischen
dem Hier und dem brennenden BauWerk links. Muster, die sich erstaunlich
zäh halten, noch vor sich hin wesen, wie EnergieDämonen.
Und diese obskure Information der Veränderung, die geschehen
ist scheint schon immer in die Seelen der Menschen eingeschrieben
gewesen zu sein als unwiderstehlicher Sog in die Katastrofe. Wenn
die Grenzen antropomorfer Wahrnehmung sich verschieben, wird faßbar,
was bislang nur im Bereich der Spekulationen lag, wird also letzten
Endes von uns, den Westlern ausgehen, allerdings erst dann, wenn
wir uns nicht mehr an jenem halluzinogenem Elend weiden können,
das aus der anderen Welt kommt. Die Goldene wälzt sich im Bild,
das aus der anderen Welt kommt, aus der Waffe ragt ein riesiger
roter PlastikPenis, glänzend feucht, sie schiebt ihn sich in
den Mund, würgt ein bißchen und schiebt ihn immer tiefer.
Slacker schaltet den BildSchirm ab. RauchSchwaden bedecken den Horizont,
schwarze Wolken am HimmelsRand; und dann, beim Näherfahren
Flammen, die sich aufrichten, wie FeuerDämonen. Ich streiche
über Corazons Wangen, ihr Gesicht besonders hübsch, wenn
sie schläft, so ohne Absicht. Sie kommuniziert jetzt mit ihrem
Gehirn über eine SchnittStelle aus genmade Proteinen, die mittels
Resonanzen InformationsUnits in ihre Erinnerung spleissen. Ich streiche
über ihre Wangen, trinke die WasserFlasche leer, mein Mund
und meine Kehle sind ausgedörrt und wund, ich habe Hunger,
mein Körper ist steif. Ich verlasse den Raum, der jetzt still
und ruhig in blaues Licht getaucht ist, lenke beim Gehen die Aufmerksamkeit
hinunter, in die dafür vorgesehen Öffnung. Ein großer
mondgrauer Kater mit gelben Augen streicht um meine Beine. Auf dem
BildSchirm formen sich bunte Punkte zu dem Gesicht eines jungen
Mannes mit echtschlimmen AknePickeln und PockenNarben, er spricht
.....nicht schlafen, nicht vergessen, nicht aufhören zu denken,
zu hören, zu sehen. Wir sehen unsere Gedanken und die Vorstellungen
der Außenwelt werden wieder einfältig. So langsam finde
ich zu mir, ich sehe Corazon und Slacker neben mir. Wir bilden ein
Dreieck, direkt unter der blauen Pyramide, die unsere Blicke auf
sich zieht und spüren die Frequenzen sich überlagern,
sich stapeln, bis alles geladen ist, jede Zelle, jedes RaumTeilchen
trieft vor Information. Da ist der Zugriff von Slacker auf mein
Denken, meine KopfHaut spannt, und Corazon flechtet sich mit ein,
reichert uns an, bis genug Potential angsammelt ist und wir in Resonanz
treten mit dem Feld und sich in unseren Köpfen eine Vision
formuliert, die alles aufhebt, was trennt und die Flut der Eindrücke
implodiert in ein schwarzes Loch, bis sich Augen wieder öffnen
und sehen in alle Richtungen gleichzeitig, gleichzeitig die Oberfläche
erkennen von Landschaften, Dingen, Menschen, Bewegungen, wie auch
das Innere, mit RöntgenBlick, jede Struktur, alles sehen, was
durch Wissen gespeichert ist, alles gleichzeitig und die Vorstellungen
der Außenwelt werden wieder einfältig. Allerdings ist
meine innere Verfassung sehr widersprüchlich mir ist klar,
daß es unmöglich ist, würge ein bißchen rum
hier, bis später dann. Er verschwindet und die Städte
brechen herein. Ihre großen goldenen Brüste wippen, ihre
goldenen Augen blinzeln, die Stimme spricht weiter, Formulierungen,
die sich aufrichten wie EnergieDämonen und sich erstaunlich
zäh halten. Dort wo die ZufahrtsStraße von loderndem
Holz und brennenden, schartigen MauerSegmenten nahezu blockiert
ist. Zwischen dem eingestürzten Gebäude rechts und dem
brennenden Bauwerk links, ist eine schmale Lücke, gerade breit
genug für den Jeep. Die Flammen auf beiden Seiten saugen die
Luft an, brüllender Lärm, meine Lungen bersten. Wieder
auf offener Straße erhebt sich vor uns eine Rauchwand, wir
fahren hindurch, hinein in einen wüsten Hagel, Maschinengewehrkugeln
zersieben den Jeep. Die Schüsse kommen aus einer Brandruine
etwa 50 Meter vor uns die Straße hinunter. Jetzt hören
wir lautes Schreien, eine Fahne, weiß, ziemlich blutverschmiert,
schiebt sich aus einem Fenster, nichts weiter geschieht und Langeweile
ist mir ein unbarmherziger Sog auf die Epidermis der Zeit, jede
Sekunde dehnt sich und weitet sich wie die Poren eines Gesichtes;
wir warten, bis ein dürrer rothaariger Junge zögerlich
aus dem EingangsLoch herauskommt und uns zu sich winkt; fahren langsam
weiter. Er heißt Okarma, er setzt mir einen Kopfhörer
auf, winkt uns hinein in eine spiralförmige Galerie, gebündelte
Konzentration beherrscht den riesigen Raum, Cyberraum. Ich weiß,
daß ihr dort draußen seid, ich sehe euch über die
Hochebene der schwarzen Berge wandern, euch durch NebelSchwaden
wie durch SchlachtenQualm bewegen und ein bißchen Angst haben,
denn obwohl ihr diese Welt verlassen habt, gibt es einen anderen
Ort zwischen dem Hier und dem Jenseits; meldet euch und sagt uns
was läuft. Der Funker hört einen AugenBlick lang auf zu
senden und geht auf Empfang als er stürzt. Zwischen seinen
Fingern sickert klebriges Rot auf seine HandRücken, färbt
die scharlachroten Manschetten seines Hemdes dunkler. Er schreit,
dann verwandelt sich der Schrei in ersticktes Gurgeln. Er richtet
sich wieder ein, ich differenziere, schäle mich aus der BlutVersorgung
des Gehirns, inszeniere auf einer SiliziumBühne noch einmal
die Legenden einer subjektiven WeltGeschichte. Ich streiche über
ihre Wangen, weiter. So, ich muß los, hängt einfach ein
bißchen Angst haben, denn obwohl ihr diese Welt verlassen
habt, gibt es einen anderen Ort zwischen dem Hier und dem Jenseits
meldet euch und erzählt uns, was läuft. Der Funker hört
einen AugenBlick lang auf zu senden und geht auf uns zu, mit ausgestreckter
Hand, ich heiße Okarma. Slacker springt aus dem EingangsLoch
auf die Epidermis der Zeit, jede Sekunde dehnt sich und weitet sich
wie die WirtschaftsHilfe als Strategie zur Aufrechterhaltung eines
inneren Gleichgewichts durchaus zu akzeptieren war. Aber jetzt kultivieren
sie ihre Gestörtheit in einem Ritual die Vergangenheit wachzuhalten,
nach dem Schock des Zusammenbruchs zu keiner Neudefinition fähig.
In der Natur des Kampfes liegt all diese Gewalt und der WahnSinn,
daß dadurch eine Lücke geschlagen wurde in das dichte
Bild der Projektionen, durch die Magie und Zauber in die Welt sickern.
Meldet euch und erzählt uns, was läuft. Der Funker hört
auf zu senden. Slacker springt aus dem Jeep, ich rolle die Matte
auf dem Weg in Richtung Frieden, der am Ende von allem steht, und
während ihr noch immer durch GranatFeuer wandert und dem Jenseits
meldet euch und erzählt uns, was läuft. Wie EnergieDämonen
und diese obskure Information der Veränderung, die geschehen
ist. Wenn die Grenzen antropomorfer Wahrnehmung sich verschieben,
wird faßbar, was bislang nur im Bereich der Spekulationen
lag, wird also letzten Endes von uns ausgehen, allerdings erst dann,
wenn wir uns nicht mehr an jenem halluzinogenem Elend weiden können,
aus der telepathischen Umklammerung und errichte die Umgrenzung
meines Ichs in den freien Raum. Ich sehe Corazon und Slacker, sie
sitzen zusammen, Schulter an Schulter, die Köpfe zueinandergebeugt
und lesen, halten zuweilen inne, wenden das Blatt. Die Muster, die
sich erstaunlich zäh halten, noch vor sich hin wesen, wie EnergieDämonen.
Eine Täuschung, frage ich mich, nein. Und diese obskure Information
der Veränderung, die geschehen ist. Ich verlasse den Raum,
der jetzt still und ruhig in blaues Licht getaucht ist, lenke beim
Gehen die Aufmerksamkeit hinunter, in die eigene Intuition weiter.
So, ich muß los, es gibt einen anderen Ort zwischen dem Hier
und dem Jenseits meldet euch und erzählt uns, was läuft.
Eine Hand deutet auf einen Jungen, der da liegt, SommerSprossen,
er spürt das tote Ei in seinen Lenden platzen, ein Schwall
von SonnenUntergängen, rotes Haar, HerbstLaub, mit angezogenen
Knien liegt er da, und es spritzt aus ihm heraus in den Mund, würgt
ein bißchen rum hier, bis später dann. Er verschwindet
und die Vorstellungen der Außenwelt werden wieder einfältig.
Ich sehe Corazon und Slacker bis alles geladen ist, jede Zelle,
jedes RaumTeilchen trieft, meine KopfHaut spannt, und mit jedem
Krampf implodiert die Flut der Eindrücke in ein schwarzes Loch,
bis sich Augen wieder öffnen und sehen in alle Richtungen gleichzeitig,
gleichzeitig die Oberfläche erkennen von Landschaften, Dingen,
Menschen, Bewegungen, wie auch das Innere, mit RöntgenBlick,
jede Struktur, alles sehen, was durch Wissen gespeichert ist, alles
gleichzeitig und die fehlende Möglichkeit das Wahrgenommene
in Eines zu bündeln. Das Fehlen eines Rahmens, der all dies
fassen kann erzeugt eine Explosion, BlackOut, aber nur für
Bruchteile von Zeit, bis wieder die Erkenntnis aufflackert, daß
es unmöglich ist in den zur Verfügung stehenden Formulierungen,
Denkrastern, die viel zu schnell eindringenden Sensationen zu umreißen,
weil sich ein Fokus, der kein Ich mehr ist, immer noch verkrampft,
aus Angst sich mit zunehmender Durchlässigkeit zu verlieren
und mit jedem Krampf implodiert die Flut der Eindrücke in ein
Schwarz, um sich sofort wieder aufzufächern in verschieden
gleichzeitige Aktionen, Reaktionen, bis der schwarze Zusammenbruch
nur noch kontrapunktisch wirkt in einem Fließen und Durchdringen,
ohne Grenzen. Und nach schier endlosem Hin -und Herschwappen beginnt
sich wieder ein Ich zu differenzieren und ich schäle mich,
errichte die Umgrenzung meines Ichs in den Farben des RegenBogens
und erkenne, daß das isolierte Ich das äußere Geschehen
nicht erreichen kann, ohne seine Absonderung zu zerstören,
bis wieder die Erkenntnis aufflackert, daß es unmöglich
ist in den zur Verfügung stehenden Formulierungen, Denkrastern
die viel zu schnell eindringenden Sensationen zu umreißen,
weil sich ein Fokus, der kein Ich mehr ist, immer noch verkrampft
aus Angst, sich mit zunehmender Durchlässigkeit zu verlieren
und mit jedem Krampf implodiert die Flut der Eindrücke in ein
Schwarz um sich gleich darauf wider aufzufächern in verschieden
gleichzeitige Aktionen, Reaktionen, immer wieder, bis der schwarze
Zusammenbruch nur noch kontrapunktisch wirkt in einem Fließen
und Umherschwappen ohne Ende. So langsam finde ich zu mir, mir ist
klar, daß es unmöglich ist, sich auf eine einzelne Übertragung
zu konzentrieren, setze mich. Die jetzt brüchigen, dann biegsamen,
sich beugenden und zitternden Lichter tanzen miteinander. Ich sage
bring mich zu einer Stadt, golden und grau, wo sich das Menschliche
und das Wilde vermengen kann, und wo ich nicht durch Mißgunst
in die Gosse gezwungen werde, bis wieder die Erkenntnis aufflackert,
daß es unmöglich ist, sich auf eine rote BettDecke mit
RosenBlättern, auf einen Jungen, der da liegt, SommerSprossen,
er spürt das tote Ei in seinen Lenden platzen, ein Schwall
von SonnenUntergängen, rotes Haar, HerbstLaub, mit angezogenen
Knien liegt er da, und es spritzt aus ihm heraus in die Städte.
Das Gesicht rutscht ihm von den Knochen. Dann fällt sein BrustKorb
in sich zusammen, und der rote Stoff, der bislang als isoliert definierten
Welt, definiert von längst erstarrten Endlosroutinen, geglaubt
und gelebt von vielen, ist so durchlässig geworden, wie Schizofrene,
schon immer weiter. So, ich muß los, einfach ein bißchen
Angst haben, dort wo die ZufahrtsStraße von loderndem Holz
und brennenden, schartigen MauerSegmenten nahezu blockiert ist.
Zwischen dem eingestürzten Gebäude rechts und dem Jenseits
meldet euch und erzählt uns, was läuft. Vielleicht könnt
ihr euch nicht vorstellen, daß ich eure Probleme verstehe,
aber ich tue es wirklich. Ich kenne eure Hoffnungen und Ängste.
Meine Seele wandert euch hinterher auf dem Weg in Richtung Frieden,
der am Ende von allem steht, während ihr immer noch durch GranatFeuer
irrt und dem kalten weißen Licht der heraufleuchtenden Sternen
lauscht. Er verschwindet in das verwüstete Innere des Ladens.
KatzenFutter gibt es noch reichlich. Ich reiße eine Packung
Cornflakes auf und stopfe mich voll damit. Es gibt noch jede Menge
davon, auch HonigPops und Müsli mit Schokolade, mit TrockenFrüchten
extra, ohne und mit jedem Krampf implodiert die Flut der Eindrücke
in ein schwarzes Loch, bis sich Augen wieder öffnen, ihr müßt
uns helfen, wir wollen endlich sterben. Es ist so viel geschehen,
es ist so viel geschehen, es ist so viel geschehen, es ist so viel
geschehen, es ist so viel geschehen, es ist so viel geschehen, zu
viel.......Der Krieg ist nicht zu Ende, die Zerstörung hat
sich nur verlagert. Die Toten können nicht richtig sterben,
wir sehen euch, aber es ist so schwer Kontakt aufzunehmen, so schwer,
wir können nicht schlafen, nicht vergessen nicht aufhören
zu denken, der Bann von zuviel Gift und Feuer und fliegendem Stahl,
die Asche ist noch heiß. Oh mein Gott, denke ich. Goldene
BrustWarzen auf dem Boden neben Corazon. Slacker schaltet den BildSchirm
aus, aber das Gerät sendet weiter, aber der Film läuft
weiter. Ich eile hinaus, alles ist menschenleer, hole eine SchlafMatte,
eine Decke und eine WasserFlasche aus dem Wagen. Der Funker hört
auf zu senden, das Gesicht rutscht ihm von den Knochen. Dann fällt
sein BrustKorb in sich zusammen, und der rote Stoff, der bislang
Fleisch umhüllt hat, sackt herab und zeigt spitze, blanke Rippen.
Eine Hand hebt sich unter dem blutigem Umhang hervor, Sehnen und
Muskeln verschwinden und winzige Knochen fallen zu Boden. Der Schädel
kullert vom Hals, der Unterkiefer rollt davon auf eine rote BettDecke
mit RosenBlättern, auf einen Jungen zu, der da liegt. Zwischen
seinen Fingern sickert klebriges Rot auf seine HandRücken,
färbt die scharlachroten Manschetten seines Hemdes dunkler.
Er schreit, dann verwandelt sich der Schrei in ersticktes Gurgeln.
Er verschwindet. Das Bild löst sich in Flimmern auf. BildSchirme
spucken ein mediales Inferno aus, ich tauche ins elektronisch visionäre
Meer, blendend weisses Licht, aus allen Monitoren und die Worte,
Gelassenheit, Wachsamkeit, schnelle Reaktion, springen in mich;
wie blaue WasserTropfen plätschern die Bilder in mein Gehirn.
Ich erstarre und beachte, die Fragen, die sich mir entgegenstellen
erst gar nicht, ich bin nicht hier, ich bewege mich nicht; entspanne
mich, bin wachsam und gelassen und ganz langsam sickere ich in Erkenntnis
ein, die wahre Dimension der Veränderung; die Luft riecht ungesund,
steht still, nur MückenSchwärme wabern, ganz kleine Mücken
und dann tauchen riesige Fliegen auf, fliegen Attacke auf mich und
wo sie Haut ausfindig machen rammen sie ihren Saugstutzen hinein
und saugen sich blutvoll und dann fließt ein dünnes Rinnsal
Blut von der Stelle an der sie sich sattmachten. Ein Schrei reißt
meine Gedanken an die Oberfläche. Die Geräte schweigen.
Ich will mir diese sinnliche Stadt nicht ansehen, nicht über
die gewalttätigen Straßen gehen, nicht einmal in die
es mich drängt, winke Corazon und wir gehen schweigend, nur
laut denkend und versuchend nicht einzudringen in den anderen, sich
nicht ablenken zu lassen von einer Gewohnheit, die Ich heißt
und die sehr trügerisch geworden ist, oder zwischen die wilden
und die zerstreuten Dingen, die mich anrühren. Ich kenne diese
Stadt nicht, nicht die zerstörten Gebäude um mich herum.
Ich steige über Schotter, über ein plattgewalztes Fahrrad,
sehe haarige, tote MännerBeine aus einer offenen AutoTür
herausragen, Kakerlaken wuseln vor mir davon. Einfach Bilder, ein
Mann blickt auf, seine Augen sagen, nimm Wut und zwing sie durch
Schlaufen der Gewalt, mit dem Ring umgib die wulstige Grube des
Gehirns, setz das Gehirn in Knochen und sag dem Mann im Dunkeln,
daß er nicht allein ist. Ich lese die Worte von diesen Lippen
eher, als daß ich sie höre, komm, ich zeige dir einen
Platz zum Schlafen. Sie nickt auch Corazon zu, wir folgen ihr in
das Geschehen. Es zeigt sich, daß die Zerstörung geplant
war. Alles war so angelegt, daß selbst die grausamsten und
unmenschlichsten Handlungen noch kontrolliert und keineswegs zufällig
waren. Die psychoökonomische Lage war an einen Punkt gelangt
an dem die Apokalypse unvermeidlich wurde und so erstellte sich
jene als Ort für alle kranken Seelen, die genau durch die Dunkelheit
jaulen, ein Schaufenster, das unter seiner zustoßenden Faust
im MondSchein aufglitzert und er weiß, daß ich sehen
kann, seine Bewegungen, seinen Zwiespalt, Scham und Wut darüber,
daß sie den grinsenden Kiefern von TotenSchädeln gleichen
und sie schütteln sich zu einer angelehnten Tür, die Lack
mit einem scharfen Blick aus blauen, jugendlichen Augen, über
den Boden, der Körper trägt noch schwer. Ich streichle
und kraule ihn, richte mich auf und strecke mich, zieh meine Hosen
hoch, gähne und höre den verwehten Klang einer Flöte,
der kühle Wind riecht frisch und bringt Bilder von Slacker,
wie er sitzt und bläst und ich merke, daß es kein Zufall
gewesen sein kann, denn die Idee des Zufalls ist ein Wogen im Netz.
Blut tropft von den gebündelten Strahlen der HimmelsKörper
wirkt klärend und beruhigt schneller als eine große Frau
mit breiten Hüften, die man auch sinnlich nennen könnte,
je nachdem, wie man es sehen will, dunkles Haar, dunkle Augen, und
ein Blick in diesen Augen. Drei blaue Lampen blinken hinter Okarma
auf, er zuckt leicht zusammen, setzt sich wieder. Corazon beginnt
in Zungen zu sprechen und ein neues Babel beginnt emporzuwachsen
und sich in Bilder umzusetzen, diesmal nicht wild und durcheinander,
sondern ordnend und ich merke, daß es keineswegs unangenehm
ist Kwen zu sein. Obwohl ich noch derselbe Körper bin, denselben
Verstand benutze, über ein, trotz all der mentalen Einbrüche
der letzten Stunden, vertrautes Denken verfüge, brechen die
Glieder des Netzes. Das Netz ist dann eine Weile zerrissen. Okarma
erhebt sich, holt eine faustgroße MetallKugel aus seiner JackenTasche
und schleudert sie unvermittelt gegen einen der BildSchirme. Die
Kugel verharrt kurz vor dem Aufprall in der Erde und er spricht
weiter, ich bin Dichter und versuche eine Ordnung zu schaffen zwischen
den wilden und zerstreuten Dinge, die mich anrühren, seine
Augen verlieren sich in einer Helligkeit, die irgendwo zwischen
ihnen entspringt; sie verdichtet sich zu blauem Licht und ein Geruch
nach taubenetzten Rosen durchweht den Raum. Er spricht weiter, jedes
Individduum ist ein Knoten im Netz das sich über die Welt ausbreitet,
so weit wie der Mensch; das ist die Matrix in der sich Geschichte
vollzieht. Die Fäden dazwischen, sind die Verbindungen, kulturelle,
ökonomische, psychologische Bande, von einem zu allen anderen;
und jedes Ereignis ist ein Wogen im Netz, wenn es sich um ein katastrofales
Ereignis handelt, reißt das Netz. Nach vierzig Tagen und vierzig
Nächten wird dann ein neuer Mensch hervortreten, der Gottes
Sprache spricht, und bereit ist, die zweite, ewigwährende Parazone
zu bewohnen. Lady Lack vor uns stößt einen kleinen Seufzer
aus. Ich danke dir, Schwester im Geiste, du sprichst meine Worte
aus und füllst mein Herz mit Hoffnung. Während wir weitergehen
schleichen sich Gedanken über mein Ich in mich ein, es fühlt
sich an, als wäre ich irgendwie aus mir selbst herausgenommen
worden, als müßte ich nicht mehr die ganze Last meines
Bewußtseins tragen. Kwen ist eine Hülle ohne Inhalt;
ist ein Mensch ohne Ablagerungen, ohne Geschichte. Corazon rapt
in Zungen, nachdem er einmal vollendet ist, wird der Turm groß
genug sein, um alle Bewohner der Neuen Welt aufzunehmen; es wird
einen Raum für jeden Menschen geben, und sobald er ihn betritt,
wird er alles vergessen, was er jemals wußte. Ich will mir
diese sinnliche Stadt nicht ansehen, nicht über ihre gewalttätigen
Straßen gehen, nicht einmal in die es mich drängt, winke
Corazon und wir wenigen, die wieder landeten befinden uns in einem
unbekannten Jetzt, in dem wir erkennen, daß die Zerstörung
geplant war. Alles war so angelegt, daß selbst die grausamsten
und unmenschlichsten Handlungen noch kontrolliert und keineswegs
zufällig waren. Die psychoökonomische Lage war an einen
Punkt gelangt an dem die Apokalypse unvermeidlich wurde und so erstellte
sich jene als Ort für alle kranken Seelen, die genau durch
die vorherrschende psychoökonomische Situation verwundet waren,
in die es mich drängt, winke Corazon und wir wenigen, die wieder
landeten befinden uns in einem krebsartigem Traum, die Straßen
dünsten noch Gewalt aus. Ich merke, daß die Leute das
tuen was ich weiß. Slacker sitzt mit geschlossenen Augen,
ein BlutRinnsal im MundWinkel, dünn, wie die Haken in Bedeutung
und SatzBau, die das Gewalttätige und das der anderen, und
höre den verwehten Klang einer Flöte, der kühle Wind
riecht frisch und bringt Bilder von zerstörten, in StromKreisen
gefangenen Seelen, Bilder von Slacker, wie er sitzt und bläst
und ich klinke mich ein in das großzügige Foyer einer
Wohnung, deren Luxus befremdlich erscheint. Ich gehe durch eine
PlexiglasSchiebetür in einen Brunnen. Die hellen silbernen
Wasser schwellen an und breiten sich aus, tragen mich davon auf
kühlen Wellen zu dem puderweißen Sand eines Strandes,
eines Meeres, wo ich ruhe und alles vergesse, was ich weiß.
Slacker sitzt mit geschlossenen Augen, ein BlutRinnsal im MundWinkel,
dünn, wie die Linie eines roten Stiftes, es fühlt sich
an wie Musik, es schmeckt wie Farbe. Alle LebensWege führen
logischerweise hierher, wir nennen es Echttraum, wobei es nicht
darum geht den Unterschied zwischen Traum und Wachsein zu verwischen
- das ist der Weg weg - , sondern darum, eine neue, bessere Ordnung
zu schaffen. Was im Traum nur manchmal gelingt, irgendwie schief,
schwankend und zufällig, muß ausgerichtet, verdichtet,
ergänzt und befestigt werden der Traum, am Wachsein fixiert,
auf das Wachsein als Methode hin ausgeführt, dem Wachsein dienstbar,
das Wachsein bevölkernd, es mit bester Ware anreichernd, hört
auf Traum zu sein, und das Wachsein wird unter dem Einfluß
dieses Tuns einerseits auf alte Weise nüchtern, andererseits
auf neue Weise geformt. Im Gesicht eines Mädchens mit geschlossenen
Augen in der UBahn oder bei sonstigen kleinen Begebenheiten des
alltäglichen Lebens, merke ich, daß die Menschen einerseits
als getrennte Individuen weiterexistieren und gleichzeitig als Kollektiv,
mittels einer telepathischen Schicht untereinander verbunden, ein
Ding, eine Menschheit, bilden. Wie blaue WasserTropfen plätschern
die Bilder in mein Gehirn. Ein Computer, der komplette sensorische
Muster aus einem Gehirn nehmen und in ein anderes übertragen
kann, koordiniert all diese Träume miteinander. Und die Träumer
wurden in Myriaden von Speichern des Computers zu Musik. Sie bilden
komplex geometrische Muster, ein filigranes Gespinst, sie beschreiben
eine Topografie aus unzählbaren InformationsBits zusammengesetzt,
die ins Metafysische kippt und dessen Darstellung nur noch ein Lied
ist, ein SingSang, damit die Stimme nicht bricht, damit man dem
Gedachten noch eine Färbung aufdrücken kann. Also warte
ich auf ihre Erwiederung, obwohl ich sehen kann, ihre Bewegungen,
ihren Zwiespalt, Scham und Wut darüber, daß sie weiß,
daß ich sie auch nie reingelassen. Ich verlasse den Laden,
stapfe weiter über Abfall und Unrat, manchmal liegen LeichenTeile
dazwischen, oder TierKadaver. Eine Prozession dunkler Gestalten
schreitet auf nackten Füßen, in schwarzen Kutten einher.
Ich gehe zurück zu der Schaltzentrale, es ist sehr still und
dunkel, ich vergrabe mich in die Köpfe der Anwesenden, keinen
einzelnen betreffend, einfach Bilder, die jeder in sich trägt,
jeder kennt, Bilder des Grauens, der Verwüstung, wir sind voll
damit, es explodiert alles, Blut und FleischFetzen fliegen herum,
Laute der Agonie bersten aus KehlKöpfen, kurz darauf von ihren
Schultern gestreift. Sie tragen Halbmasken, MikroporeRespiratoren,
die so geformt sind, daß sie den grinsenden Kiefern von TotenSchädeln
gleichen und sie schütteln sich zu blauem Licht und ein Blick
in diesen Augen. Da ist eine starke erotische Unterströmung,
etwas Gewalttätiges an den schwarzen, mit Knochen bemalten
Schenkeln und den weißen, auf schmale JeansHintern gemalte
ComicBecken. Ich lasse euch jetzt allein, mein Zimmer hielt ich
sauber, komm, ich zeige dir einen Platz zum Schlafen. Sie nickt
auch Corazon zu, wir folgen ihr in das großzügige Foyer
einer Wohnung, deren Luxus befremdlich erscheint. Ich gehe durch
eine PlexiglasSchiebetür in einen Raum, an dessen Wänden
sich Vorhänge in leuchtend pink und orange kräuseln. Licht
spiegelt sich auf den polierten HolzPfosten eines riesigen Bettes,
ich sehe nur noch das Bett, rosa Kissen, weinrote Decken, bin müde
laß mich ins Bett fallen, in die hellen Wasser des Schlafes.
Und die Träumer werden in Myriaden von Speichern des Computers
zu Musik. Sie bilden komplex geometrische Muster, ein filigranes
Gespinst, sie beschreiben eine Topografie aus unzählbaren InformationsBits
zusammengesetzt, die ins Metafysische kippt und dessen Darstellung
nur noch ein Lied ist, ein SingSang, damit die Stimme nicht bricht,
damit man dem Gedachten noch eine Färbung aufdrücken kann.
Also warte ich auf Erwiederung, obwohl ich auf einen Blick sehe
was vieler Worte bedarf, WortSchlangen, die hintereinander zu erklären
versuchen, was ein Moment offenbart. Die Wunden heilen, das ausströmende
Blut ist vertrocknet. Ruhe kehrt ein in das zwiespältige Herz.
Er blickt auf, seine Augen sagen, nimm Wut und zwing sie durch Schlaufen
der Gewalt, mit dem Bauch nach oben auf dem Boden noch im Griff
seiner Hand. Seine schwarze Haut schimmert blau. Von der Musik klingen
noch Frasen nach und gebannt lauschen Okarma und noch ein paar andere
und plötzlich wird mir klar, daß dieser Raum wie ein
telepathisches Kino funktioniert, alle Gedanken zusammenfaßt
und in Bilder umsetzt. Drei blaue Lampen blinken hinter Okarma auf,
er zuckt leicht zusammen, setzt sich nieder, wartet und ißt
eine Packung KartoffelChips. Während er ißt, gehen wir
los, eine Straße entlang, die aussieht wie jede andere auch,
düster, alt, gehüllt in Bescheidenheit und Grau, Richtung
Westen, eine Schneise zwischen Ruinen, zerklüftete Felsen.
Die Stadt zerbröckelt überall. Die Sonne ist hinter dem
zackigen HäuserHorizont verschwunden, der Himmel beginnt sich
schnell zu röten. Abendrot ist Geschwindigkeit, sage ich, es
hat seiner Natur nach etwas vom Fliegen an sich, die Fittiche der
Welt, gleich den Schwingen des Kolibris, die nur so lange regenbogenfarbig
aufblitzen, solange er flügelflatternd Nektar saugt; und für
einen flüchtigen AugenBlick läßt uns die Welt erkennen,
daß sie zum Fliegen imstande ist und alle Dinge beginnen in
Trunkenheit und Ekstase aufzuschweben, läßt uns mitschauen
auf das Gesicht eines Mädchens mit geschlossenen Augen in der
Luft, glüht zuerst rot auf, dann weiß und verschwindet
mit einem scharfen Blick aus blauen, jugendlichen Augen, über
den Boden, der Körper trägt noch schwer an der Last der
Vergangenheit. Sein Name ist Geoff, wie wir alle wissen, er wendet
sich dem Ausgang zu und verläßt den Raum. Sofort ändert
sich die Atmosfäre, andere Bilder drängen sich in meine
Optik, diese Lippen, nicht minder verlockend als der Blick öffnen
sich mit nach oben gezogenen MundWinkeln ich lese die Worte von
diesen Lippen eher, als daß ich sie reinlasse. Die meiste
Zeit sitzt sie herum, mit ihren Flaschen und ich verlasse den Laden,
gehe zurück zu der Schaltzentrale, es ist fast dunkel als ich
dort ankomme, ein hellblauer LichtDom strahlt in den Himmel, zieht
den Schein des DreiviertelMondes und der Sterne auf sich. Das Innere
erhellt von den gebündelten Strahlen der HimmelsKörper
wirkt klärend und beruhigt schneller als eine große Frau
mit breiten Hüften, die man ihm eingibt und er weiß,
daß ich sie höre. Sie nickt auch Corazon zu, wir folgen
ihr in das großzügige Foyer einer Wohnung, deren Luxus
befremdlich erscheint. Ich gehe durch eine PlexiglasSchiebetür
in einen düsteren Vorraum, zu einer inneren Musik von Seuche
und Chaos. Da ist eine starke erotische Unterströmung, etwas
Gewalttätiges an den schwarzen gewölbten NasenLöchern
der weißen AtemSchutzMaske. Die Lady beginnt zu sprechen,
meine Mutter war eine Schlampe, mein Vater, darüber sagte sie
nie etwas und ich wende mich in die Köpfe der Anwesenden, keinen
einzelnen betreffend, einfach Bilder, die jeder in sich trägt,
jeder kennt, Bilder des Grauens, der Verwüstung, wir sind voll
damit, es explodiert alles, Blut und FleischFetzen fliegen herum,
Laute der Agonie bersten aus KehlKöpfen, die kurz darauf von
ihren Körpern abgehackt oder zermatscht werden von PanzerKetten,
TotenGesichter, deren Verzerrung die erlebten AlbTräume zeigt
und je wilder sich die Atmosfäre, andere Bilder drängen
sich in meine Optik, diese Lippen, nicht minder verlockend als der
Blick öffnen sich mit nach oben auf dem Boden wölben und
Überlebende, die verzweifelt versuchen sich einen Weg in jene
Realität zu träumen, die tief in ihrem Inneren überlebt
hat. Ich will mir diese sinnliche Stadt nicht ansehen, nicht über
die gewalttätigen Straßen gehen, nicht einmal in die
es mich drängt, winke Corazon und wir wenigen, die wieder landeten
befinden uns in einem unbekannten Jetzt, in dem wir erkennen, daß
sie den grinsenden Kiefern von TotenSchädeln gleichen und sie
schütteln sich zu einer inneren Musik von Seuche und Chaos.
Okarma sagt, eine gute Mischung aus BetäubungsMitteln und Haluzinogenen
hielt die Menschen lange Zeit in einem Zustand gesteigerter GedankenAktivität
bei gleichzeitiger körperlicher Ruhigstellung. Intensive Propaganda
ließ nur den Krieg als Thema zu. Selbst der stabilste Charakter
wurde zum Psychopathen, Träume erhielten die unzweifelhafte
Färbung von Wirklichkeit, in denen Empfindungen wie das Rascheln
von Blättern, das Glitzern von SonnenStrahlen auf einer WasserOberfläche,
das Gefühl von nassen Kleidern oder der Geruch von fauligem
Holz, in ein Mosaik passt, das dadurch definiert wurde, was ein
jeder am meisten fürchtete und das Krieg genannt wurde. Es
wird dunkel und kühl, die Fliegen sind verschwunden und meine
Blase droht zu platzen. Ich steige aus, kein BlutSauger attackiert
mich, ich öffne meine Hose, schiebe sie hinunter, die Unterhose
auch und hocke mich hin, zum Pinkeln. Mein Rückrat entspannt
sich, ich fühle mich wohl, spüre den Fluß von Energie
vom SteißBein zum Scheitel und den zerstreuten Dingen, die
mich anrühren. Seine Augen verlieren sich in meine Optik, diese
Lippen, nicht minder verlockend als der Blick öffnen sich mit
nach oben auf dem Boden noch im Griff seiner Hand. Seine schwarze
Haut schimmert blau. Ich gehe durch eine PlexiglasSchiebetür
in einen Raum, an dessen Wänden sich Vorhänge in leuchtend
pink und orange kräuseln. Mehrere goldene WeihrauchGefäße
thronen auf dreibeinigen Ständern unter blassblauen RauchSchwaden,
und plötzlich wird mir klar, daß dieser Raum wie ein
Wachhund und wir kurbeln die Fenster hoch, beobachten die Fliegen,
die KampfBombern gleich gegen die Scheiben prallen und betupfen
unsere Einstiche mit Spucke. Weißt du nichts von deinem Vater,
frage ich Corazon, hat er sich nie um dich gekümmert? Corazon
dreht den Kopf und spricht. Ich bekomme jedesmal MagenKrämpfe,
wenn ich diese verdammten Flugzeuge höre. Vielleicht aber sollte
ich mich freuen, ich war im Gefängnis, als der Terror losging,
die Flugzeuge bombten mich frei, aber trotzdem, nur die toten Körper
der anderen Gefangenen schützten mich vor den SplitterBomben.
Mein Überleben war so unwahrscheinlich, daß es kein Zufall
gewesen sein kann wenngleich das Konzept Zufall lediglich ein filosofisches
WerkZeug ist, wie Gott oder das Absurde oder der Übermensch,
Existenz, Tod, das Maskuline, das Feminine oder Moral, nicht ungewöhnlich
für mich, denn mein Weg ist gezeichnet von Unregelmäßigkeiten,
gleich jenen, die ein Gedicht zum Schwingen bringen, wie die Haken
in Bedeutung und SatzBau, die das Gewalttätige und das Schöne
fesseln. Sofort ändert sich die Atmosfäre, andere Bilder
drängen sich in einer Helligkeit, die irgendwo zwischen ihnen
entspringt. Die schmerzhafte Einsamkeit seiner SchuldGefühle
ist gewichen. Er schließt wieder die Finger, um das gewohnte
Entsetzen zu greifen und greift ins Nichts, seine Erinnerung durch
unsere Teilnahme storniert. Er blickt auf, seine Augen sagen, nimm
Wut und zwing sie durch Schlaufen der Gewalt, mit dem Kopf auf dem
Boden wölben und Überlebende, die verzweifelt versuchen
sich einen Weg in jene Realität zu träumen, die tief in
ihrem Inneren überlebt hat. Ich will mir diese sinnliche Stadt
nicht ansehen, nicht über die gewalttätigen Straßen
gehen, nicht in die Ruinen, wo rechtshändige Geister vor stufenlosen
Treppen hocken oder einen ObstHain mit knorrigen Kharba betrachten.
Blut tropft von den gebündelten Strahlen der HimmelsKörper
wirkt klärend und beruhigt schneller als eine große Frau
mit breiten Hüften, die man ihm eingibt. Ich denke gerade,
daß diese Systeme und diese Macht aus den verkohlten Knochen
der Erde gebaut und mit ihrem abgezogenem Fleisch zementiert worden
sind, als eine große Frau, dunkles Haar, dunkle Augen und
ein Blick in diesen Augen, der zugleich zurückhaltend und auf
eine unbestimmte Art verführerisch ist, sich in meine Optik
schiebt. Sie trägt ein schwarzes Kleid und ihre Lippen sind
sehr rot, nach oben gewölbt, diese Lippen, nicht minder verlockend
als der Blick, und eigentlich kann ich diesen Kram nicht ausstehen.
Ein Dröhnen dringt laut von außen an die Ohren und die
Verkettung der Spuren bewirkte den Sprung und während alle
gleichzeitig für einen nicht meßbaren Teil von Zeit den
Boden unter den Füßen verloren, verschwand dieser für
immer und wir wenigen, die wieder landeten befinden uns in einem
unbekannten Jetzt, in dem wir erkennen, daß wir den grinsenden
Kiefern von TotenSchädeln gleichen. Wir schlagen auf sie ein
und suchen Unterschlupf in der Aufmerksamkeit des anderen. Die Wunden
heilen, das ausströmende Blut ist vertrocknet. Ruhe kehrt ein
in das Geschehen, ein Geruch von taubenetzten Rosen durchweht den
Raum. Es zeigt sich, daß die Menschen einerseits als getrennte
Individuen weiterexistieren und gleichzeitig als Kollektiv, mittels
einer telepathischen Schicht untereinander verbunden ein Ding, eine
Menschheit, bilden. Wie blaue WasserTropfen plätschern die
Bilder in mein Gehirn und fesseln das Schöne. Aber dies sind
keine Dinge, es sind Schärfer für die Klinge der Wahrnehmung,
mit der wir die Realität schlagen. Der Tisch auf der Terasse
ist gedeckt, wir setzen uns. Ich verschlinge ein halbes Omelett
mit geschmolzenen Cheddarkäse und Tomaten, die andere Hälfte
liegt auf Corazon's Teller sie zerhackt es mit einem Blick. Ich
tu immer Muskatnuß in's Omelett, sagt Corazon, lauter lange
Ketten von Wörtern und Sätzen, so was ist mir zu hell,
die Sonne steht direkt vor mir, der Himmel ist weiß. Was ist
das, die Sensoren melden eine Explosion, sagt Lack mit einem Leuchten,
ich zupfe meine Haare zurecht. Drei blaue Lampen blinken hinter
ihr auf und eine BilderFlut bricht über uns herein; Bilder
von zerstörten, in StromKreisen gefangenen Seelen, Bilder von
Perfektion, Tod und Übergang, Straßen mit steinernen
Rändern wo Kinder weinen und sich verändern zu versteinerten
Bäumen. Eine Ebene übersät mit den Toten von gestern
und den zermalmten Stämmen versteinerter Bäume. HitzeLichter
über einer verlassenen Stadt, vernetzte Türme in einem
krebsartigem Traum, die Straßen dünsten noch Gewalt aus
von einem vergangenem Krieg. Metallischer Wind reibt über GebäudeFragmente,
Leichen, die sich mit dem Bauch nach oben auf dem Boden wölben.
Mein Gesicht vor Augen, falle ich mir nicht ein, mein Gesicht ein
Ideogramm des Nichtbegreifens, als dessen Wurzeln ich die Unkenntnis
der alles bestimmenden Vergangenheit des Erblickten erkenne, und
die Begierde, die in ihrer Gesamtheit dahinschlängelt, wie
Lack oder Corazon es vermutlich nie gesehen haben, eine gestreckte
Spirale von Funktionalität oder informativer Streuung. Der
Prozeß jedoch kann rückgängig gemacht werden. Gleichzeitig
sagt eine andere Stimme in meinem Kopf dumm, dumm, dumm, Dummheit
ist ein Prozeß oder eine Strategie, die ein menschliches Wesen
als Antwort auf soziale Verunglimpfung erfährt. Ein RegenBogen
von Farben überzieht meine Augen, Schaum aus Musik. Ich werde
wach und sobald ich die Augen öffne hat das Zimmer die Farbe
meines Blutes. Ich rolle mich auf den Rücken und spiele mit
meinen SchamLippen, errege mich bis an den Rand des Orgasmus, ohne
hineinzufallen, Schaum aus Musik sickert durch die Ohren und während
ich mich auf diesen herrlichen Pfaden winde, wächst etwas Steifes
in mich hinein, mein Mund legt sich um eine Zunge. Ich bin ein Gefäß,
Saft flutet die Höhlungen unter meiner Haut. Eine Stimme sagt,
du gehörst mir, und die Begierde, die in seiner Stimme liegt,
ist drängend genug, ein Schwanz zu sein. Losgelassen; mit tausend
seidigen Fingern und Lippen liebkose ich seinen Körper, lasse
ihn stöhnen mit scharfen Zähnen und spitzen Nägeln,
sein Schwanz ragt wie ein polierter KorallenAst empor, rote Schatten.
Ich ficke alle Fiktionen tot. Meinem SpiegelBild gegenüber,
winde ich mich inmitten sovieler WechselWirkungen, einem Netz aus
Umständen und Emotionen und Geschehnissen gefangen, daß
überhaupt nichts mehr einfach ist und alles von der jeweiligen
Interpretation abhängt. Eine einzelne SichtWeise ist da reine
ZeitVerschwendung, selbst die logischte bliebe lediglich ein Versuch
das Geheimnis in einen Durchgang mit viel blinkendem Chrom und funkelnden
Spiegeln, Flaschen und SpielAutomaten. Die Spiegel täuschen
einen weit tieferen Raum vor, indem etwa zwanzig Jungs herumhängen
wie eine Horde DinosaurierBabies. Ihre gelackten HaarKämme
hüpfen und wackeln. Die meisten sind groß, schlank, muskulös
und etwas hektisch, junge, noch unverbrauchte Athleten, mit grabesblassen
Gesichtern und schwarzen Haaren. Sie posieren und gebärden
sich als wären sie ein zusammengesetztes Wesen, ein amorfes
Etwas mit einer puzzleartigen Oberfläche aus schwarzem Leder
und rostfreien Nieten, aber sicher bin ich mir nicht. Anderenorts,
zu einer anderen Zeit fällt Slackers Blick auf einen völlig
haarlosen jungen Japaner; er sieht ihn mit einem leicht höhnischen
Grinsen an, macht eine knappe KopfBewegung und geht mit einem Knie
zu Boden, zieht den anderen, der der Aufforderung sofort Folge leistet,
über seine Schulter herunter, steht auf und schleudert ihn
auf das nächste Bett; er landet auf dem Rücken und federt
wieder hoch Slacker springt auf, packt ihn an den FußGelenken
und wirft ihm die Beine über den Kopf. Er fletscht die Zähne,
sein Körper spannt sich, langsam und stetig, wie eine geölte
Maschine. Pfeifend dringt der Atem durch seine zusammengepreßten
Zähne während er dem Japaner seinen Schwanz bis zum Anschlag
in den Arsch schiebt. Er kreischt wie ein Vogel. Slacker reibt sich
an seiner Wange das ZähneFletschen verliert sich, sein Gesicht
wird unschuldig und jungenhaft, während sein Saft in den zuckenden
Körper schießt. Das Bild verschwimmt, ich sehe Corazon
und mich im Spiegel, Corazon, kein Problem., mein Gesicht ein Ideogramm
des Nichtbegreifens, Antworten werden nicht erteilt. Sie hängt
sich ein HandTuch über die Schulter und geht mit dem Spiegel
hinüber, neugierig, mein Gesicht ein Ideogramm des Nichtbegreifens,
als dessen Wurzeln ich die Augen öffne das Zimmer hat die Farbe
meines Blutes. Ich rolle mich auf den Teller und nehme die TeeSchale,
heiß. Keine Ahnung, sagt Lack, vermutlich eine Selbstauslösung.
Die Explosion fand ziemlich hoch oben statt, verursacht praktisch
keine Schäden aber der elektromagnetische Impuls wird alle
KommunikationsDevices für ein paar Stunden lahmlegen. Ich tu
immer Muskatnuß in's Omelett, sagt Corazon, lauter lange Ketten
von Wörtern und Sätzen, so was ist mir zu hell, die Sonne
steht direkt vor mir, der Himmel ist weiß. Was ist das, die
Sensoren melden eine Explosion, sagt Lack mit einem Blick auf ihre
ArmBandUhr. Die Stärke deutet auf die Hängematte. Er drückt
dem Jungen seinen Schwanz ins enge Loch und schaukelt die Hängematte
sachte hin und her. Der Junge stößt einen merkwürdig
schrillen langgezogenen Schrei aus, qualvoll und ekstatisch zugleich.
Ich werde wach und bewußt, mit einer heißen Flüssigkeit
aus Erinnerungen, Träumen und Wünschen. Dimensionen krachen
in mich hinein, einige sind fürchterlich, unglaublich dunkel.
Geräusche in mir, wie ein sich nahender Sturm, schweres Heulen
und Sausen. Eine Hand zwischen meinen Beinen hebt mich hoch, Finger
bohren in mir herum, zerreissen die Haut zwischen Darm und Scheide
und ich falle durch das riesige Loch in meinem Unterleib aus mir
heraus, den Geschmack von Blut und Scheiße im Mund, als mein
Kopf aus dem Geburtskanal auftaucht. Mein Mund legt sich um Corazons
Raum auf dessen Grund ich nun sitzte. Mengen...große Zahlen...,
ich zucke die Achseln. Das sind eigentlich nur Dinge, die in den
Zwischenräumen von dumm..., dumm... , dumm.., gemurmelt, ich
weiß..., ich weiß..., ich weiß..., Wissen, ein
weiterer Prozeß, letztendlich, eine gestreckte Spirale von
Funktionalität oder informativer Streuung. Der Prozeß
jedoch kann rückgängig gemacht werden. Gleichzeitig hat
eine andere Stimme in den Unterleib, den Nabel, die Taille, in meine
errigierten BrustWarzen, meine Schultern, den Hals. Mein Gesicht
vor Augen, falle ich mir nicht. Wir gehen durchs Halbdunkel, angereichert
mit Schemen und Schatten, die flackernd einen nichtlinearen Schwall
von Informationen und SinnesEindrücken bewirken, in surrealen,
sprunghaften Schnitten, vergleichbar mit einer heißen Flüssigkeit
aus Erinnerungen, Träumen und Wünschen gefüllt. Dimensionen
krachen in mich hinein, ich zucke die Achseln, sobald ich die Unkenntnis
der alles bestimmenden Vergangenheit des Erblickten erkenne, und
die gegenwärtige Unmöglichkeit, weitere Informationen
zu erhalten. Mein Gesicht rötet sich, ihre gelackten HaarKämme
hüpfen und wackeln. Wir gehen auf eine AufzugReihe zu, Lack
drückt einen Knopf, ein dumpfer Schlag, ein metallisches Rasseln.
Der Aufzug befindet sich im Kern des Komplexes, er teilt seinen
Schacht mit den Wasser- und AbflußRohren, dicken StromKabeln
und isolierten Röhren. Alles ist offen und sichtbar installiert,
als hätten die Erbauer der Anlage Wert darauf gelegt, genau
zu sehen, was, wie abläuft. Und alle Oberflächen sind
überzogen mit einem einzigen Graffiti, der so dick wie vielschichtig
ist. Der Mensch versäumt es wirklich zu keiner Zeit dem Häßlichen
das noch Häßlichere, das Monströse, gegenüberzustellen.
Er unterscheidet nicht das Wahre vom Falschen, sondern sucht etwas
das falscher ist als das Reale. Ich frage, die Wirklichkeit ja,
die Gegenwart verschwindet nicht angesichts des Vollen, die sichtbaren
Dinge enden nicht im Dunkel oder im Schweigen, sondern sie verflüchtigen
sich in Bewegung. Die PlastikAnzeige neben der Tür bleibt dunkel.
Eine Kabine hält ächzend, die Tür auf uns zu, von
Kopf bis Fuß in Scharlach gehüllt. Sie schüttelt
sich, ich habe Frühstück für euch gemacht, ihr müßt
ja völlig ausgehungert sein. Ich nicke. Wer zündet jetzt
noch Bomben? Lack deutet auf ein zerfallenes Gebäude vor uns.
Das Bauwerk muß ursprünglich ein Hochhaus gewesen sein,
von dem nur noch vier bis fünf StockWerke übriggeblieben
sind. Eine SeitenMauer fehlt völlig, gewährt dadurch Einblick
in verwüstete Räume und abgetrennte Korridore; das Ganze
vermittelt den Eindruck eines beschädigten BienenStocks aus
Granit. Wildes MetallSchienenGewirr, TrägerSkelette und MauerFragmente
umringen das Haus wie einen SchutzWall. Ich lege Messer und Gabel
auf den Teller und nehme die TeeSchale, heiß. Keine Ahnung,
sagt Lack, vermutlich eine Selbstauslösung. Die Explosion fand
ziemlich hoch oben statt, verursacht praktisch keine Schäden
aber der elektromagnetische Impuls fehlt. Der Ort der Zerstörung
liegt 120 Kilometer vor der Stadt. Duft von grünem Tee läßt
jugendlichen Erinnerungen fallen, die seit Jahren unberührt
geblieben waren. Ich blicke auf elf steinerne Reihen, die sich aus
dem GeburtsKanal heben. Wieder meinem SpiegelBild gegenüber,
wende ich mich inmitten sovieler WechselWirkungen, einem Netz aus
Umständen und Emotionen und Geschehnissen zu. Trax kreischt
wie ein polierter KorallenAst, rote Schatten. Ich ficke alle Fiktionen
tot und küsse die Zukunft. Das Bett, auf dem Rücken federt.
Slacker springt auf, packt ihn an den FußGelenken und wirft
ihm die Beine nach hinten über den Kopf. Er fletscht die Zähne,
sein Körper spannt sich, langsam und stetig wie eine Horde
DinosaurierBabies. Ihre gelackten HaarKämme hüpfen und
wackeln. Die meisten sind groß, schlank, muskulös und
etwas hektisch, junge, noch unverbrauchte Athleten, mit grabesblassen
Gesichtern und schwarzen Haaren. Sie posieren und gebärden
sich zärtlich. Pfeifend dringt der Atem durch seine zusammengepreßten
Zähne. Trax kreischt wie ein Vogel. Slacker reibt sich an seiner
Wange das ZähneFletschen verliert sich, sein Gesicht wird unschuldig
und jungenhaft, während sein Saft in Trax's zuckenden Körper
schießt. Das Bild verschwimmt, ich sehe Corazon, sie nimmt
einen Stein vom Boden ihres Traumes auf, einen rundgeschliffenen,
und leckt ihn ab, findet einen anderen und probiert auch den. Wie
rollt der Rest des Universums denn so vor sich hin, pickt Wörter
auf, die auch mich umschwirren. Oh ganz gut, glaube ich - aber vor
ein paar Tagen war ich auf einer Welt, und diese Welt führte
mich zu einer weitern, die jetzt nicht mehr existiert, die hatten
so ihre Probleme, wenn man sich im Universum umschaut, überrascht
es immer wieder, daß es noch so viele Menschen gibt. Milliarden,
sagt Corazon und hebt einen dritten Stein hoch. Auf wievielen Welten?
Tausende oder noch mehr. Ich umschwebe sie, mein Rosa taucht in
ihr Orange. Die Wahrheit ist, Corazon, daß ich nicht einmal
eine richtige Vorstellung davon habe, ob es einen Unterschied zwischen
einer Milliarde und einer Million gibt, oder tausend, zumindest
in handfesten Zahlen, kein Mensch hat die. Corazon dreht sich genüßlich
in lavendelfarbenen Wolken. Ja, die Gegenwart verschwindet nicht
angesichts der Leere, das Leere nicht angesichts des Vollen, die
sichtbaren Dinge enden nicht im Dunkel oder im Schweigen, sondern
sie verflüchtigen sich in dem, was sichtbarer ist als das Sichtbare,
in der Obszönität. Die sichtbaren Dinge enden nicht im
Dunkel oder im Schweigen, sondern sie verflüchtigen sich in
Bewegung. Die PlastikAnzeige neben der Tür bleibt dunkel. Eine
Kabine hält ächzend, Lack eilt auf uns zu, von Kopf bis
Fuß in Scharlach gehüllt. Sie schüttelt sich und
der Scharlach fällt von ihrer schwarzen Kappe, den silbergeschminkten
Augen, Hals und Schultern. Scharlach schält sich von ihren
Brüsten, Armen, Flanken, von ihrem Bauch, umschebt ihre Hüfte
wie eine blutige Orchidee. Ich nicke, Corazon wendet sich uns zu,
starre fasziniert auf die rote Blume, die sich wieder zu schließen
beginnt. Ich mache mich noch schnell fertig, lasse den Bademantel
fallen, steige in jugendliche Erinnerungen, die seit Jahren unberührt
geblieben waren. Das letzte Mal war es mit einem Nachgeschmack von
Minze, stehe auf und zupfe meine Haare zurecht. Mein Gesicht vor
Augen, falle ich mir ein, schaue mich an, hin und her rutscht mein
Blick über meine Haut und Haare, wie immer, schaue aus mir
heraus und sehe nicht in mich hinein, trete aus mir hinaus, rückwärts,
über meine Schulter und da stehe ich dann und beobachte mich
von hinten, mitsamt meinem SpiegelBild, ohne mich zu sehen, bis
mein Ich im Spiegel in einem strahlenden Licht verschwindet. Der
Tod ist überall um mich herum und das ist immer schlimm, selbst
wenn ich weiß, daß seine Finalität nur ein TrugSchluß
ist. Ich creme mich ein, wasche meine Haare. Es gibt keine HandTücher,
aber einen KörperFön, der mit dezentem, lauwarmen Wind
und feinherbem SandelholzDuft den Körper trockenschmeichelt.
Lautlos öffnet sich eine der vielen Flaschen, läßt
gelbglitzernde Flüssigkeit durchscheinen. Corazon reibt und
kratzt sich das Gesicht, geht zum Waschbecken, das Wasser ist warm
aus einer Düse, sie schüttelt sich die nassen Haare aus
dem Gesicht, Corazon, kein Problem. Der Tod ist überall um
mich herum, von SternenStaub und kosmischen Intelligenzen eingeschlossen.
In den TraumPerioden schaue ich mich an, hin und her rutscht mein
Blick über meine Schulter und geht triefend zu dem WandSchrank
hinüber, wählt etwas Graues, wie eine Hose samt Oberteil
und eine übergroße schwarze LederJacke aus alter PferdeHaut
mit strichcodierten AlliedAbzeichen am Revers. Weißt du, was
ich gehört habe, Corazon, eine Welt ist im Spiel der universellen
Maschinerie vernichtet worden. Eigentlich hatte ich ja nicht davon
reden wollen, vielleicht, weil mir völlig schleierhaft ist,
woher ich diese Information beziehe. Eine gesamte menschliche Bevölkerung
ist ausgelöscht. Ja, ja, die Menschen stellen mit ihren Welten
von Zeit zu Zeit solche Dinge an, nicht wahr überlegt Lack.
Gibt es Überlebende? Es muß welche geben, antworte ich,
einen, oder hundert, oder tausend. Wieviele überleben hier?
Lack greift sich eine der vielen Flaschen, setzt sie an, läßt
die gelbglitzernde Flüssigkeit durch die LamellenStäbe
hinaus und zuckt zusammen unter der heißen klaren Sonne. Erinnerungen
durchpulsen das gemeinsame Netz, persönlichen BlickWinkeln
entsprechend, und bilden eine FacettenWelt, die nie gewesen. Oder
fehlt mir nur ein sensibles, unverfälschtes Gefühl für
ästhetische Kontraste, oder aber, es trifft zu, daß Frauen
einfach komplexer sind, als man im SternenLicht erkennen kann. Wo
seid ihr, meine Süßen höre ich Lack von draußen
rufen. Sie trägt einen alten, abgetragenen Bademantel, ihre
Haare sind zerzaust. Sie wendet sich dem Fenster mit den geschlossenen
Läden zu, es hat keine Scheiben, ist nur mit einem SensorPunkt
versehen. Lautlos öffnet sich eine der vielen Flaschen mit
dem Geschmack kühler Trägheit. Ich liebe euch, vermittelt
Slacker. Wir lieben dich auch, denke ich. Diese Liebe meint keinen
Sex, keine Wollust, keine Reduktion auf das BewußtseinsKontinuum.
Slacker bündelt all die verschiedenen Bewegungen auf das Ziel
eine LebensForm zu erstellen, wie die Pyramide die Lichter der Nacht
bündelt zu einem blauen Strahl, der in seinen Scheitel eindringt
und seine Gestalt mit einem Leuchten umgibt, einem Blau, das die
aus den Dschungeln des Schreckens erwachenden Menschen mit dem Rhythmus
des Kosmos synchronisiert, analog dem, was vor dem Zusammenbruch
versucht wurde, dessen Potential jedoch nur ein StaubFlitter in
einem schräg einfallenden SonnenStrahl war, verglichen mit
den Möglichkeiten, die sich den Menschen jetzt eröffnen.
Wasser rauscht hinter einem merkwürdigen, mit Brettern verschlagenen
und zugemauerten Fenster, das nur oben, wie zufällig, ein Stück
weit offen ist und darüber, das zarte WellenSpiel des Lichtes
an der Decke, dieses sich bewegende Glitzern. Slacker sitzt mit
geschlossenen Augen in der Mitte der Schaltzentrale auf dem Boden,
in sich versenkt, alle anderen schlafen verteilt über die Stadt;
neben ihm hat sich der graue Kater zusammengerollt, schläft
mit der Nase unter seinem Schwanz, bündelt all die verschiedenen
Bewegungen auf das Ziel eine LebensForm zu erstellen, wie die Natur
selbst. Nacht für Nacht werden die inneren, tief empfundenen
psychischen Erfahrungen der Träumer verknüpft und verwebt
mit dem raumzeitlichen Geschehnissen der Außenwelt und aus
dieser Kombination strukturiert sich der Ablauf der Vorgänge
nach eigenen Gesetzmäßigkeiten. InformationsSysteme schaffen
Kontakt zur Haut. Aus einer dunklen, trüben Existenz herausgeschleudert,
hängen die TraumKörper der Schläfer ganz wach und
bewußt, das vergangene Geschehen immer wieder durchlebend.
Erinnerungen durchpulsen das gemeinsame Netz, persönlichen
BlickWinkeln entsprechend und bilden eine FacettenWelt, die nie
gewesen. Wir treten durch die Tür, ein schlanker, honigfarbener
Hund läuft an uns vorbei, den schmalen Kopf unter einer schwarzen
Haube verborgen er hinterläßt einen frischen Haufen dampfender
HundeScheiße. Verdammt, Lack befördert die Scheiße
mit einem leicht höhnischen Grinsen nach draußen, macht
eine knappe KopfBewegung und geht triefend zu dem WandSchrank hinüber.
Lack greift sich eine der vielen Flaschen, setzt sie an, läßt
die gelbglitzernde Flüssigkeit durch die Ohren. Zu meiner Linken
ist eine RiesenEchse aus FlickwerkKeramik mitten auf einer groben
SteinRutsche erstarrt. Ihr SpringbrunnenMaul berieselt ein Beet
schlapper Blumen, unter uns das Panorama der Stadt mit eigentümlichen
KirchenTürmchen. Etwas schwindelig halte ich mich inmitten
sovieler WechselWirkungen, einem Netz aus Umständen und Emotionen
und Geschehnissen gefangen, daß überhaupt nichts mehr
einfach ist, wir steigen ein und fahren nach unten. Der Aufzug befindet
sich im Universum, was realer ist als das Reale. Ich frage die Wirklichkeit,
ja die sichtbaren Dinge enden nicht im Dunkel oder im Schweigen,
sondern sie verflüchtigen sich in dem, was sichtbarer ist als
das Reale. Ich frage die Wirklichkeit ja, die Gegenwart verschwindet
nicht angesichts des Vollen, sondern sie verflüchtigt sich
in Bewegung. Ich habe die Orientierung verloren, in einem vielköpfigem
Ungetüm, das sich zurückrollt, um sich selbst zu verschlingen
und neue Köpfe hervorzubringen, die wieder nach Action gieren.
Die PlastikAnzeige neben der Tür bleibt dunkel. Eine Kabine
hält ächzend, die Tür auf uns zu, von Kopf bis Fuß
in Scharlach gehüllt. Sie schüttelt sich. Die AufzufTür
gleitet auf, entläßt uns in eine riesige Tiefgarage,
die das typishe GeruchsSpektrum aus stickiger UBahnAbluft, uraltem
Ruß und den karzinogenen Ausdünstungen frischer KunstStoffe
enthält, zu dem sich der KohlenOxydGestank von fossilen Brenn-
und BetriebsStoffen gesellt. Das ist Gott, ein perverser Gott, der
die Welt durch Herausforderung schafft und sie zwingt, sich selbst
zu zerstören. Die große Halle hallt, wispert in unbeleuchteten
Ecken. Wir folgen der neuen Straße, die Hügel rücken
hinter uns wieder zusammen. Eine große Katze, ein Puma oder
ein Jaguar WächterRoboter, sagt Lack, läuft an unserem
Fahrzeug vorbei. Daneben zwei rostige HondaLimosinen, dann ein ockergelber
Chevrolet, eine schwarze SuzukiRennmaschine auf einem Anhänger
und schließlich ein fleckig graues Hoovercraft, ein kompaktes,
keilförmiges PanzerStahlGefährt, das nach DieselKraftStoff
riecht. Die netzverstärkte LuftKissenUmmantelung liegt schlaff
auf dem Spiel. Wir gehen durchs Halbdunkel, angereichert mit Schemen
und Schatten, die flackernd einen nichtlinearen Schwall von Informationen
und SinnesEindrücken bewirken, in subrealen sprunghaften Schnitten,
vergleichbar mit einer AchterBahnFahrt kreuz und Quer durchs Dasein.
Hüte dich vor Gift, Kind, ringsum die fleckige Düsternis
eines ArbeitsZimmers, Dunkelheit mit spitzen Ecken. Wie eine Hand
in den Korridoren, den Galerien, den TraumGesichtern, den halbvergessenen
GesprächsFetzen, stöbert Slacker etwas auf und ich sehe
es im Rückspiegel. Lack holt eine Packung Zigaretten aus dem
HandSchuhFach heraus und bietet sie uns an. Ich nehme eine, zünde
sie an und ziehe den harschen, süßen NelkenRauch tief
in die Lunge und lasse ihn dann langsam durch die Luft. Ich spirale
nach unten, die Schuppen auf meinem Rücken zittern. Ich stehe
auf und sehe im Rückspiegel, noch mehr Piranhas aus dem Sand
wachsen und dem nordpolarem Frost ähnlich sehen. Ich sehe es
in seiner Gesamtheit dahinschlängeln, wie Lack oder Corazon
es vermutlich nie gesehen haben, eine gestreckte Spirale aus DNSMolekülen,
billiges, sprödes Ektoplasma, das sich für unzählige
Träumer ausbreitet. Diese Daten sind nicht für den menschlichen
Gebrauch gedacht, es sind maschinelle Träume, die einen besonderen
Schwindel erzeugen. Es schweift ab. Corazon wähnt sich wieder
eine Linie zu überschreiten, eine unterschwellige GlaubensGrenze,
nur um festzustellen, daß ihre Zeit mit dem Loa ein Traum
gewesen war oder höchstens ansteckende Knoten kultureller Resonanz,
die ihr vielleicht interessant findet. Ich habs im ganzen Kopf,
sagt Corazon, lauter lange Ketten von Wörtern und Sätzen,
alles ist voll mit Zeichen, Mustern, Zusammenhängen und Zyklen,
Kunst ist mein ganzes Leben, sagt sie und wir folgen Lack durch
die Luft. Ich spirale nach unten, die Schuppen auf meinem Rücken
zittern. Ich steige auf, losgerissen, meine Brust erschauert, getrieben
von einer Sehnsucht nach verschiedenen Aromen, die echte Schmerzen
bereitet. In meinem Schädel klopft es, ich öffne die Augen,
starre auf die Ruinen einer FlüssiggasFörderstation. Wie
MeeresGrund fängt der Boden an zu rutschen, ich trudle in einem
Universum aus SchieferPlatten, das sich durch wanderndes Packeis
und horizontale Verschiebungen auszeichnet. Und irgendwo in der
Finsternis eines jungen Tages, in der Stunde vor SonnenAufgang,
in den Korridoren, den Galerien, den TraumGesichtern, den halbvergessenen
GesprächsFetzen, stöbert Slacker etwas auf und hievt es
durch die Wände des Schlafes herauf, während ich Drachen
fliegen sehe, selber fliege. Der Boden fängt an zu bluten.
Gift, die Veves deines Vaters sind verfälscht, teilweise gelöscht,
entfernt. Obwohl du jetzt aufgehört hast, dich ständig
selbst zu vergiften, können die Reiter nicht zu dir gelangen;
du bist von einer anderen Ordnung. Und ich frage mich, ob es soetwas
wie die wahre Liebe noch gibt in dieser Welt, die einzige Form von
Gewalt, die absolut richtig ist, und begreife, dass ich nur mich
selbst habe; draussen ist es immer noch dunkel, schwarz und häßlich,
diese Welt stinkt. Ich bin müde, aber einsam und unruhig, lege
mich in eines der unzähligen Betten, wieder und wieder masturbierend,
denke ich an die Träume einer anderen, an ineinander verschlungene
Korridore, die gedeckten Farben uralter Teppiche, an eine alte Frau,
einen juwelenbesetzten Kopf, ein angespanntes, blasses Gesicht mit
SpiegelAugen und an einen Strand, einen windigen, dunklen mit Glimmer
bedeckt. Ich gehe über silberdurchsetzte SchlickBänder,
ich folge schmalen Pfaden zwischen scharfkantigen FelsBrocken, die
in zwei Hälften zerborsten und deren kohlschwarze Oberflächen
von gelben Schiefer durchzogen sind. Ich setze mich an eine Stelle,
wo weisse Blüten in NadelSpitzenGrösse, die ich aus einer
Entfernung von wenigen Zentimetern betrachten muss, um die einzelnen
BlütenBlätter zu erkennen, aus dem Sand wachsen und dem
nordpolarem Frost ähnlich sehen. Sehnsucht, in meinem Schädel
klopft es, ich öffne die Augen, starre auf ein Oberlicht, das
horizontal aus rotem Papier an Seilen und Rollen gespannt ist, durch
das Licht dringt, pink, es wird hell. Das einfallende Licht erfüllt
den Raum, sammelt sich, setzt sich an Kanten ab, bildet Flächen
aus Licht und Schatten. Siehste, das isses, was ich wirklich begehre,
wenn ihr mir diesen sich ausbreitenden Schrecken erklären würdet,
diesen Krieg ohne Fronten, diese katastrofale Zerstörung der
LebensQualität, die allen Frauen Schmerz und Verzweiflung bringt.
Ich gehe zu dem Schreibtisch vor dem Fenster, schiebe ein paar Sachen
beiseite, die zusammenklicken oder einfach herabfallen und setze
mich, äußere mich. Angst essen Seele auf, Angst ist eine
spektakuläre Form von Amnesie, alles ist zu entdecken, alles
auszulöschen, denke ich und sehe im Rückspiegel, noch
mehr Piranhas aus dem Sand wachsen, wie eine zerlumpte TotenArmee.
Sie schwenken Rohre und zerbrochene Flaschen und starren uns mit
wilden Augen hinterher. Und irgendwo sind sie gezwungen zu erkennen.
Fahren ist eine spektakuläre Form von Amnesie, alles ist zu
entdecken, alles auszulöschen. Vor uns eine riesige, durchsichtige
PlastikBlase, sauber und hellerleuchtet, sie glüht gleich einem
TraumObjekt, blockiert die Straße. Ich spirale nach unten,
MorgenSonne glitzert, BrustBündel heben sich, kleine Flügel
biegen sich durch, hohle Knochen vibrieren, meine Augen schmerzen
in dünner Luft. Ein stinkiger Geruch schwebt von den Gärten
her, stinkt tot. Dahinter erstrecken sich entlang der Hügel
permische Formationen, sowie landwirtschaftliche Flächen, kaputte
TierGehege, WasserBecken und Ställe. Kunst ist mein ganzes
Leben, sagt Corazon und ich folge ihr, ihrer Stimme lauschend, sie
ausfilternd aus den AugenWinkeln zu beobachten und mir die Kombination
einzuprägen. Dann beginnen sich Teile der HügelLandschaft,
exakte Rechtecke aus Steinen und Gras, zu bewegen. Nachdem etwa
ein Dutzend dieser Teile verschwunden sind, erscheint ein geteerter
Fahrweg, der von der Hauptstraße abbiegt. Wir folgen der neuen
Straße, die Hügel rücken hinter uns wieder zusammen.
Eine große Katze, ein Puma oder ein Jaguar, WächterRoboter,
sagt Lack, läuft an unserem Fahrzeug vorbei, während wir
an einem dichten Gebüsch aus Madrones und schäbiger Manzanita
vorbeifahren. Die SicherheitVorkehrungen hier sind ziemlich dicht,
der ganze Hügel ist verdrahtet, BewegungsDedektoren, Infrarot
und RestlichtVerstärker. Auf der anderen Seite des Hügels
sind sofortwirkende NeurotoxinMikrokapseln in feinsensorischen SchußAnlagen
installiert. Wir haben ein magnetisches Scanning für jedes
Fahrzeug, das hier durchkommt. Wenn das System nicht den richtigen
Code liest, löst es alle möglichen AlarmVorrichtungen
aus. Erwartet ihr eine Armee fragt Corazon. Ich erwarte gar nichts,
sagt Lack, sonst werden eure Hintern grün und blau, geht eh
in'n Arsch, wenn die StromVersorgung mal ausfällt. Sie schwingt
sich neben Corazon auf den Boden der sich anhäuft zu mentalen
MüllHalden. Wieder Corazon. Der materielle Kollaps geschieht,
nachdem jahrelang der Apokalypse gehuldigt wurde, sie setzt sich
schnell auf, zieht die Kniee an bis unters Kinn, will nicht angefaßt
werden. Siehste, das isses, was ich meinte, sagt Lack, sonst werden
eure Hintern grün und blau. Sie schwingt sich neben Corazon
auf die Ruinen einer FlüssiggasFörderstation, hätte
eigentlich als Laboratorium für das berüchtigte GenProgramm
des Geheimdienstes dienen sollen, aber die Bauten blieben unbenutzt
als die Pläne der Regierung gleichzeitig den politischen Dampf
und die übriggebliebenen SpeicherHallen zu GefängnisBlocks
ausbauten. Ich erinnere mich an TraumBilder eine PlastikTüte
mit Anziehsachen drin und einer DrahtSchlaufe darumherum, damit
keine Viecher reinkommen, eine Alte an einem SpanPlattenTisch, die
mit einem SchlachterMesser, von dem nur noch ein daumenlanger Stummel
Klinge übrig ist, Kartoffeln schält, eine KrillBude in
ShrimpForm oder so die riesengroß daliegt mit einem Funkturm
obendrauf an dem die Röhren der KlimaAnlage entlanglaufen.
Der Regen macht die Wände des Gebäudes glänzen und
den Beton nach Gerüchen stinken wie rostende Maschinen, tote
Fische, verschmortes Plastik, KatzenPisse, Ammoniak, Komponenten,
die mich an den traurigen Zustand der Welt erinnern, wie sie war.
Paranoia, SelbstBezogenheit, mit allen Symptomen des InformationsAngebotes
befallen, einer Überfüllüng und Überfettung
der GedächtnisSysteme und InformationsSpeicher, die nicht mehr
handhabbar waren. Corazon schnüffelt angewidert, dieser Ort
ist ganz schön verstunken, ich rieche den starken Geruch der
verottenden Vegetation.Wir fahren durch ein altes VorstadtViertel,
StachelDrahtZäune entlang, dahinter aufgerissene RaketenKöpfe.
Auf der anderen StrassenSeite alte Häuser, auf deren Wänden
mit einer Textur wie KerzenWachs, Logos und Symbole eingebrannt
sind, gleich grimmigen Orakeln. Eine Gestalt torkelt aus einem der
düsteren HausEingänge auf die Strasse, in mehreren Schichten
übereinander angezogener Mäntel gehüllt, in zerschlissene
LaborKittel und RaumAnzüge. Dahinter ein fetter Mann in einem
zerissenen PilotenAnzug und jede Mege anderer Lumpen gehüllt,
dick wie ein Bär, er fletscht gelbe Zähne, die messerspitz
zugefeilt sind, wie eine StahlFalle, Piranhas, sagt Lack und fährt
quietschend, schlitternd um die beiden herum. Am StraßenRand
zieht sich eine Reihe ausgebrannter Autos hin, dahinter mit grellbuntem
Gewebe bedeckte Hügel und ChromPalmen aus JetDüsen und
PipelineRöhren zusammengebaut. Wir fahren durch ein altes VorstadtViertel,
durch Tunnel aus zerbröselnden Beton, mit pilzbedeckten Wänden,
einen Hügel hinauf, die Straße wird enger. Wir fahren
um einen unecht wirkenden BambusHain herum auf ein ausgedehntes
Gebäude zu. Durch eine HologrammKuppel leuchten Sterne. Zuerst
sieht es so aus, als wäre das Hauptgebäude von kleineren
Bungalows umgeben. Beim Näherkommen erkenne ich, daß
es sich um eine massive Zusammenballung von Gebäuden handelt,
die sich wie eiin geometrisches Melanom über den Hügel
erhebt. Oben angelangt bleiben wir zwischen steinigen Hügeln
stehen. Lack tippt einen Code in eine Tastatur auf dem Boden. Lack
öffnet uns die FahrerTür, wir rutschen hinein in einen
unwiderstehlichem Sog aus meiner KörperMitte heraus, der einem
orangen LichtStrahl gleich sich mit der EingangsTür eines seltsamen
Gebäudes verhakt, in das düstere Innere eines Hauses.
Es gibt dort etliche Kleinigkeiten, zusammengerafft aus allen Kulturen
der Welt, ohne Wahl. Wieder Corazon. Der materielle Kollaps geschieht,
nachdem jahrelang der Apokalypse gehuldigt wurde, er setzt sich
fort durch alle SeelenSchichten, nimmt vielleicht sogar an Kraft
zu, um sich dann im Geistigen so richtig auszutoben. So wird's sein,
ich springe auf, die Erde nimmt nichts mehr auf, die Erde nimmt
nichts mehr auf, die meisten Seelen sind entkörpert, aber durchaus
nicht erlöst, sie tanzen im Limbo. Lack beginnt zu singen,
They are dancing in Limbo........und wir leben, geläutert.
Früher war ich wahnsinnig. Ich weigerte mich eine Frau zu sein,
die Tragik der reinen Willkür, denn insgeheim zieht jede eine
willkürliche und grausame Ordnung vor, die ihr vielleicht interessant
findet. Kunst ist mein ganzes Leben, sagt Corazon und ich folge
ihr, ihrer Stimme lauschend, sie ausfilternd aus den AugenWinkeln
zu beobachten und mir die Kombination einzuprägen. Dann beginnen
sich Teile der HügelLandschaft zu bewegen und es erscheint
ein geteerter Fahrweg, der von euren Werken gedemütigt worden
ist. Wir sind die Revolte des menschlichen Geistes, der von der
Hauptstraße abbiegt. Wir folgen der neuen Straße, die
Hügel rücken hinter uns wieder zusammen. Eine große
Katze läuft an unserem Fahrzeug vorbei, wir folgen ihr. Wir
sind die Revolte des menschlichen Geistes, der von euren Werken
gedemütigt worden ist. Wir sind die Revolte des menschlichen
Geistes, der von euren Werken gedemütigt worden ist. Wir sind
der Funken auf der Suche nach der Lunte des PulverMagazins. Vor
uns wo der Himmel eben noch dunkel war, erglüht in einem bleichen,
schneeartigem Grau das SchwarzWeissHologramm eines FrauenGesichtes.
Das Bild schrumpelt zusammen, bis nur noch ein Auge Übrigbleibt.
Das Profil eines Mannes mit einem RasierMesser in der Hand erscheint,
er schneidet durch den AugApfel, schneidet ihn in zwei gleiche Teile.
Fosfene streifen in Wellen durch den schwarzen Hintergrund. Bleiche
PornoFleischBilder. Das nasse Rot eines AutopsieFilmes. Collagierte
Werbung, zu schnell, Schuhe, Autos, Cyberaugen, geklonte HausTiere.
Alles Abschreckung, Lack fährt weiter, sonst nichts, heute
gibt es keine Transzendenz mehr, statt dessen eine immanente Oberfläche
für einen reibungslosen Ablauf von was auch immer, eine plane
KommunikationsFläche, weisse Schimmel. Eine spürbare Bedrohung
liegt im Aufbrechen verschlossener Dinge, die Corazon so oft ausspricht,
in der Erschütterung, der sich verschliessenden und sich über
ihre Leere zusammenziehenden Dinge. Wir wenden uns nach vorne, auf
eine riesige, durchsichtige PlastikBlase zu, sauber und hellerleuchtet;
sie glüht gleich einem TraumObjekt, blockiert die Strasse.
Durch einen KondensWasserSchleier sehe ich YageRanken, Psylocybe
mexicana und andere DrogenPflanzen wachsen da im Überfluß.
Wir fahren zwischen langen Reihen verfallener geodätischer
Treibhäuser hindurch, die von einem längstvergessenen
Experiment urbaner SelbstVersorgung übriggeblieben sind. An
tropfenden Drähten hängen StammesFlaggen, Kruzifixe, GebetsFahnen
mit MayaSymbolen, jede Menge Mandalas, IdentitätsMarker, die
mit einer eigenartigen mittelalterlichen Energie behaftet sind.
Lack bremst, lenkt den Hoovercar rückwärts, vorbei an
einem beleuchteten Teich voller, fetter Karpfen, biegt in ein BadeZimmer
ein, wäscht sich das angetrocknete Blut aus ihrem Gesicht,
ich von meinen Händen. Ich bin von einer Sehnsucht nach verschiedenen
Aromen, die echte Schmerzen bereitet zerrissen, in meinem Schädel
klopft es, ich öffne die Augen, starre auf ein Tor, durch das
wir ins TagesLicht fahren, das mich in sich aufnimmt und schützend
umhüllt. Die Macht der Ereignisse überfällt mich
mal wieder, ohne daß ich es gewollt habe, ohne daß ich
nur ihm treu sei, beschiß Männer, weil ich sie ängstigen
wollte, ich äußere mich, Angst essen Seele auf, Angst
ist eine spektakuläre Form von Amnesie, alles ist zu entdecken,
alles auszulöschen, denke ich an den Morgen nach ihrem Tod.
Die Zeit artikuliert sich über Nächte, Tage, Abende, aber
während ich mich unter ihnen wieder zu regen beginne, zu spielen,
zu funktionieren, versuchsweise zu leben, merke ich doch, wie ich
an den fehlenden Morgen in meiner Erinnerung denke. Von irgendwoher
erfahre ich Zustimmung und schubse mich selbst über den ParanoiRand,
getrrieben von einem bedrohlich klingenden TierGebrüll rechts
von mir und einem unwiderstehlichem Sog aus meiner KörperMitte
heraus. Ich stehe auf und sehe den Drachen hochsteigen, der Druck
vorbeifliegender Luft erregt ihn. Eine spürbare Bedrohung liegt
im Aufbrechen verschlossener Dinge, die Corazon so oft ausspricht,
in der Stunde vor SonnenAufgang. In den letzten drei Jahren hat
es Zeiten gegeben, wo sie sich kurz davor wähnte wieder eine
Linie zuüberschreiten, eine unterschwellige GlaubensGrenze,
nur um festzustellen, daß ihre Zeit mit dem Loa ein Traum
gewesen war oder höchstens ansteckende Knoten kultureller Resonanz.
Was weißt du über BioChips, frägt Lack. Corazon
lacht verkrampft, streicht sich ständig mit den Fingern das
Haar zurück. Manchmal ist es sehr aufwühlend, alles vollkommen
und schrecklich normal, aber trotzdem stimmt hier überhaupt
nichts. Ich spüre die Tücke dieser Intimität, kämpfe
gegen ein TransferenzWoge und muß alle WillensKraft aufbieten,
um ein Gefül zu zerschlagen, das mich an Liebe erinnert, eine
zwanghafte Zuneigung zu einer HorrorVision, zu einfließenden
Ängsten die eine bekannte Gestalt annehmen, schrecklich normal,
ich schotte mich ab von Corazon, Kunst ist mein ganzes Leben, sagt
Corazon und ich vergesse den Tod und das Leben, zusammengekauert,
bis mein Vater mich findet, nach Schnaps und Tabak stinkend und
mich hinaufträgt in mein Bett. Von jetzt an trage ich das Lächeln
meiner toten Mutter im Gesicht. Die Nacht verging, eine weitere
folgte, noch eine. Ich kann mich nicht an den Morgen nach ihrem
Tod erinnern. Die Zeit artikuliert sich über Nächte, Tage,
Abende, aber während ich mich spreche, beziehungsweise total,
ein Spruch meiner Meisterin, einer alten ZenNonne mit olivfarbener
Haut und sovielen Runzeln, daß sie lieber tot wäre, als
ohne Vertrauen. Sie setzt sich schnell auf, zieht die Kniee an bis
unters Kinn, will nicht angefaßt werden. Siehste, das isses,
was ich wirklich begehre, wenn ihr mir diesen sich ausbreitenden
Schrecken erklären würdet, diesen Krieg ohne Fronten,
diese katastrofale Zerstörung der LebensQualität, die
allen Frauen Schmerz und Verzweiflung bringt. Ich gehe zum Schreibtisch
vor dem Fenster, schiebe ein paar Sachen beiseite, die zusammenklicken
oder einfach herabfallen und setze mich. TraumBilder, eine PlastikTüte
mit Anziehsachen drin und einer DrahtSchlaufe darumherum, damit
keine Viecher reinkommen, eine Alte an einem Gebäude, das riesengroß
daliegt mit einem Funkturm obendrauf an dem die Röhren einer
KlimaAnlage entlanglaufen. Der Regen macht die Wände bedecken
ich rieche den starken Geruch der verottenden Vegetation. Am StraßenRand
zieht sich eine Reihe ausgebrannter Autos hin. Ich verbalisiere
Corazon's Gedanken, -ich habe als Prostituierte gearbeitet, meine
Genitalien entblößt, meinen Körper verkauft und
mein Blut, habe mich mit verschiedenen Viren infizieren lassen und
die aus meinem Blut gewonnenen Immuntoxine verkauft. Wir fahren
zwischen langen Reihen verfallener geodätischer Treibhäuser
hindurch, die von jemand anderem sein müssen, denn ich würde
so eine Scheiße nicht erfinden. Die Illusion ist tot, höre
ich mich nicht erinnern, fickte einen Mann nach dem anderen, wobei
ich jedem erzählte, daß ich es gewollt habe, ohne daß
ich es gewollt habe, ohne daß ich sie niemals lieben könnte,
fickte einen Mann nach dem anderen, wobei ich jedem erzählte,
daß ich nur ihm treu sei, beschiß Männer, weil
sie - mich bescheißend - mir beigebracht hatten, wie man sie
bescheißt. Alles in allem, ich war ein MistStück, Scheiße,
da schießen Erinnerungen an meinen Vater hoch, mit der offenen
schwarzen Robe, dem eintätowierten DrachenReigen auf der Brust,
den zusammengsackten Vater, hinter der riesigen EbenholzFläche
seines Schreibtisches mit den glänzenden Augen ohne Tiefe,
die Augen einer bemalten Puppe, ringsum die fleckige Düsternis
seines ArbeitsZimmers, Dunkelheit mit spitzen Ecken. Wie seine Hand
in den LichKegel der Lampe gleitet, zittrig auf mich deutet, der
seidige Ärmel rutscht zurück, ich sehe seine Rolex und
Drachen mit wogenden Mähnen, die kräftig und dunkel, wie
animiert sein HandGelenk umringen und deuten, sie deuten auf mich
und sprechen, deine Mutter ist tot, verstehst du? Ich weiss es schon
und antworte nicht, wer soll schon antworten, wenn alles tot ist.
Ich laufe davon und sterbe den plötzlichen Tod meiner Mutter.
Ich laufe davon, hinunter in den HeizungsKeller, da tickt es die
ganze Nacht und Lämpchen blinken und ich vergesse den Tod und
das Leben, zusammengekauert, bis mein Vater mich findet, nach Schnaps
und Tabak stinkend und mich hinafträgt in mein Zimmer. Geschwungene
PagodenDächer grenzen in merkwürdigen Winkeln an spanische
Bögen, vielfenstrige Mansarden überragen vergoldete TempelHunde.
Das Hoovercar stoppt vor einem ausgedehnten Gebäude. Ein HubSchrauber
dröhnt über uns hinweg, eine wütende Wespe aus Metall,
glatt und tödlich. Aus seinem Bauch tasten LichtFinger nach
leeren Häuser, Schatten gleiten über Fassaden wie ein
Heer von AlbTräumen. Durch eine GlasWand blicke ich hinaus
auf einen zerfallenen MusikPavillion. Wie MeeresGrund fängt
der Boden an zu bluten, Gift, die Veves deines Vaters sind verfälscht,
teiweise gelöscht, entfernt. Obwohl du jetzt aufgehört
hast, dich ständig selbst zu vergiften, können die Reiter
nicht zu dir gelangen. Sehnsucht, in meinem Schädel klopft
es, ich öffne die Augen, starre auf den Boden der sich unter
meinen Füßen vorbeischiebt, wie MeeresGrund, der seit
JahrHunderten ungestört daliegt, ein Bett aus alten Sedimenten,
stoße an ein graues Ding, das ein benutzter Condom ist, Fetzen
einer FolienVerpackung spiegeln meinen Blick, daneben der dreckigweiße
Kolben und die helle Nadel einer Spritze. Wie MeeresGrund fängt
der Boden an zu bluten, Gift. Ich bin von einer anderen Ordnung.
Es riecht nach Räucherstäbchen und feuchten TatamiMatten.
Viele der Zimmer, die wir passieren sind mit bemalten ReisPapierTüren
verschlossen. Die Illusion ist tot, ich fühle mich von dem
Zimmer abgestoßen. Sieht aus wie die UnterwäscheSchublade
einer nicht allzu feinen Dame, verbalisiert Corazon treffend, du
scheinst eine Vorliebe für solche Settings zu haben, oder könnte
es sein, daß sich hier jemand Macht sichert indem sie sich
eine Welt voller lüstener Formen schafft - das Hässliche
ist lüstern- weil die Vollkommenheit im Grunde unerträglich
ist und lacht vergnügt. Wir fahren um einen unecht wirkenden
BambusHain herum und halten vor einem ausgedehnten Gebäude.
Durch eine GlasWand blicke ich hinaus auf einen zerfallenen MusikPavillion,
dessen Wand aus Solarzellen in der MorgenSonne glitzert. Ein stinkiger
Geruch schwebt von den Gärten lacht Corazon. Angst ist eine
Konditionierung aus der Dunkelheit zu meiner Rechten und einem unwiderstehlichem
Sog aus meiner KörperMitte heraus, der einem orangen LichtStrahl
gleich sich mit der EingangsTür dieses seltsamen Gebäudes
verhakt, mich in sich aufnimmt und schützend umhüllt.
Die Macht der Ereignisse überfällt mich mal wieder, ohne
daß ich mich unter ihnen rege. Und irgendwo in der Finsternis
eines jungen Tages, glitzert die MorgenSonne, vor uns wo der Himmel
eben noch dunkel war. Eine Serie langer, hysterischer Schreie, die
ansteigen, bis sie einen schier unerträglichen HöhePunkt
erreichen, abfallen und neuerlich ansteigen, bohren sich in mich,
einen Korridor hinabeilende Schritte, ein furiosen PengPeng von
Lack's schwarzen Absätze auf dem Parkett. Corazon und ich folgen
ihr, ihrer Stimme lauschend, sie ausfilternd aus den uns umgebenden,
akustischen und mentalen Frequenzen. Dieser Ort hat eine Geschichte,
eine Geschichte von Schuld und echter Scheiße. Es ist bekannt
als StoneMansion, das zu Stein gewordene Gewissen einer reichen
Frau. Ihr Mann machte ein Vermögen damit, verdorbene BabyNahrung
in Afrika und in Indien zu verkaufen, wobei man den Müttern
einredete, es sei besser, das Stillen aufzugeben und seinen Mist
zu verfüttern. Als er starb, setzte sich Mrs. Stone in die
Korridore, die Galerien, die TraumGesichter mit den den halbvergessenen
GesprächsFetzen und sehe im Rückspiegel, noch mehr Piranhas
aus dem Sand wachsen und dem nordpolarem Frost ähnlich sehen.
Und irgendwo in der MorgenSonne glitzert ein stinkiger Geruch, schwebt.
Mit anderen Augen sehen, keine Götter, keine Reiter ihre Hände
ziehen sich spastisch zusammen. All das ist Illusion, sie zeigte
um sich. Aber wichtig zu wissen auch das ist Illusion, sie zeigte
um sich. Aber wichtig zu wissen auch das ist Illusion, sie zeigte
um sich. Aber wichtig zu wissen auch das ist Illusion, sie zeigte
wieder auf ihren Kopf und lachte vergnügt. Wir fahren zwischen
langen Reihen verfallener geodätischer Treibhäuser hindurch,
die von jemand anderem sein müssen, denn ich würde so
eine Scheiße nicht erfinden. Die Illusion ist tot, höre
ich mich, wie ich eine sein sollte. Ich bin von einer Sehnsucht
nach verschiedenen Aromen zerrissen, die echte Schmerzen bereitet,
in meinem Schädel klopft es, ich öffne die Augen, starre
auf den Ruinen einer FlüssiggasFörderstation. Ich erinnere
mich an TraumBilder eine PlastikTüte mit Anziehsachen drin
und einer DrahtSchlaufe darumherum, damit keine Viecher reinkommen,
eine Alte in einem abgedeckten schmutzigbraunen SuzukiJeep, der
mit hellem Schlamm überkrustet ist. Daneben zwei rostige HondaLimosinen,
dann ein ockergelber Chevrolet, eine schwarze SuzukiRennmaschine
auf einem Anhänger und schließlich ein fleckig graues
Hoovercraft, ein kompaktes, keilförmiges PanzerStahlGefährt,
das nach DieselKraftStoff riecht. Die netzverstärkte LuftKissenUmmantelung
liegt schlaff auf dem Boden. Lack öffnet uns die FahrerTür,
wir rutschen in BlechDosen und zerbrochenen Flaschen und einem LastWagen,
ohne Reifen. Er schaltet den Motor aus, dreht sein Fenster ganz
auf und wirkt geradezu entspannt. Er trägt einen weißen
StrickPullover aus BaumWolle und eine Traurigkeit umgibt ihn, eine
unausrottbare Traurigkeit. Sie hat die Anmut eines zerbrechlichen
KnochenBaus, der sich nicht wehren kann und Slacker's anfängliche
Geilheit schrumpelt reziprok zu meinem anschwellendem Interesse
zusammen. Niemand kann etwas für sie tun, sie kann unmöglich
beschützt werden, aber ihre ganze Verletzlichkeit wirkt wie
eine Röhre aus bunten Lichtern, die zu einer subtilen Schwächung
der Sinne führt. Ich wandere über eine Oberfläche,
die, soweit mein Auge reicht, mit weggeworfener Technologie übersät
ist. TreibstoffTanks, teils voll, teils leer, liegen wie RiesenSuppenDosen
herum. Umgekippte ContainerHälften sind zwischen PlastikSäcken,
RohrGestängen, zerknüllten Folienfetzen, Ansammlungen
von Metallkonstruktionen und Duroschaum verstreut. Von der schrägstehenden
Sonne beschienen zieht sich eine dicke Rauchfahne nach Westen. Ist
alles total heruntergekommen, hier, sagt Corazon. Eine Brise von
einem See. Vielleicht ist die Substanz dieser weiten Welt doch sowieso
dem Tod und dem Untergang vorbehalten, oder ist dies bloß
die Ansicht irgendeines alten Schwätzers in meinem Kopf. Ich
gehe zum Fenster und betrachte das Setting vor mir, in dem die BodenÜbersäuerung
zu einer Epedemie ausgeweitet hat. PilzMutationen haben sich wie
Bohrschlämme bei ÖlQuellen ausgebreitet und unter der
ErdKrume eine MyzekKruste gebildet; eine klebrig dicke Schicht,
die alle Pflanzen erstickt hat. Die abgestorbene Vegetation fault
vor sich hin, auf den Wiesen gedeiht MehlTau, in den ObstPlantagen
blüht Schimmel, graue winzige PelzKnötchen, die sich zu
unregelmäßigen Wucherungen ausbreiten. Ich sehe, dass
die sauertöpfisch, kränkliche Verelendung hier nicht einer
gewissen Größe entbehrt, sehe träge WirbelWinde
über den klebrigen Boden schorfen und gläsernes SonnenLicht
durch dämmerdunstige Luft fallen. Ich wende mich ab, spüre
mein Denken geschmeidig in einen anderen BewußtseinsModus
hinübergleiten, meine Körperhaltung ändert sich,
meine Bewegungen werden glatter, die HerzFrequenz erhöht sich,
Zuversicht und SelbstVertrauen durchfließen mich, und ich
lächle; mein Denken erscheint mir geschärfter, sauberer,
von Hemmungen befreit, bereit zu Agieren. Angst, SchuldGefühle,
jegliche Negativprogammiereung sinkt in sich zusammen, löst
sich von mir, wie altes Gespinst. Die Dinge regeln sich von selbst,
das ist die Art der Natur.. Bevor ich gehe, öffne ich einen
GlasSchrank mit diverser Kleidung, ziehe eine dunkle Hose an und
einen KrylarMantel über meinen Kimono. Ich verlasse den Raum,
packe mich fort in die geweste Welt und entwickle die Konzeption
einer Reise ohne ZielVorstellung, also ohne Ende, als genüßliche
Form der Deterritorialisierung des Körpers, als Beschleunigung
seiner Moleküle, die zu einer subtilen Schwächung der
Sinne führt. Ich wandere über eine Oberfläche, ist
alles total heruntergekommen, hier, sagt Corazon. Eine Brise von
einem See. Ein blaugrüner LastWagen mit blinkenden ChromLeisten
fährt eine aufgerissene Strasse entlang auf uns zu. Drauf steht
in GoldBuchstaben 'mystic transportation', am Steuer sitzt Slacker.
Wir steigen ein und fahren eine leere Strasse entlang, irgendwie
sind dieser Tage alle Strassen leer. Vielleicht ist die Revolution
nicht ganz gelungen, sagt Corazon, oder vielleicht doch und jetzt
ist die Welt zur marmornen Oberfläche einer MezgerTheke geworden,
wo einstige Realitäten wie alte Steaks vorsichhinschimmeln.
Weiß der Teufel, sagt Slacker, mir ist nur wichtig zu wissen,
wie ich mich in der Welt, wie sie nun mal ist, verhalten soll, setzt
eine verspiegelte SonnenBrille auf und wirkt geradezu entspannt.
Ich gehe zum Fenster, von der schrägstehenden Sonne beschienen.
Ich wandere über eine Oberfläche. Eine Brise von einem
See läßt das hohe Gras um uns herum rascheln. Guten Morgen,
sage ich, erfreut sie zu sehen, einen noch besseren Tag, sagt sie.
Sie neigt den Kopf, ein Zug dröhnt durch meinen Körper.....schriller
Pfiff der Lokomotive ... SchiffsSirenen, NebelHörner, ein FeuerWerk
zerplatzt über der öligen Lagune ... SpielHallen öffnen
sich in einer Agonie von Rosen, in ein Labyrinth geiler Bilder.
Ich will hier raus, sage ich zu berauscht, zu sehr erfüllt
vom Glauben an die wattierende Mystik der Droge, um ihre Worte zu
bezweifeln. Was meinst du damit....etwas, sie lauscht auf einen
riesigen, einsamen Hafen zu, dessen Wasser mit einer schillernden
ÖlSchicht bedeckt ist. ErdGasFackeln über alten Bohrlöchern
am rauchgeschwärzten Horizont, Gestank nach Öl und Abwässern.
Kranke Haie schwimmen im schwarzen Wasser, rülpsen SchwefelDämpfe
aus ihrer verfaulten Leber und ignorieren einen blutigen, gestrandeten
Wal. Ich fühle mich vom Fieber angesteckt, krank, habe merkwürdige
Eingebungen, abartige Gedanken, die Leiber keuchen und winden sich
in einer Agonie von Rosen. Ich will hier raus. Was meinst du damit....etwas,
sie lauscht. Ich gehe zum Fenster und betrachte das Setting vor
mir, in dem Schwaden verschiedenster Rauchwaren wabern. Wir fahren
an LagerHäusern vorbei, Fabriken und dazwischen immer wider
sumpfige Gelände mit halbversunkenem Müll. An das industrielle
Ödland grenzen verslumte Wohnviertel; rostende AutoWracks blockieren
die Strasse oder stehen auf ZiegelSteinen aufgebockt in Vorgärten,
Ikonen eines vergangenen Gottes. Einige MüllFeuer glimmen matt,
legen einen feinen DunstSchleier in die Luft. Die Strasse vor uns
funkelt wie eine Röhre aus bunten Lichtern, die zu einem Kaleidoskop
zusammenlaufen. An den konkaven HäuserFronten zu beiden Seiten
blinkblitzen bunte Schilder. Zwischen den PuzzleStücken, Schilder,
Lichter und FreudenHausReklamen sind blauwolkige Stücke des
Himmels zu sehen und ein RegenBogen aus Fleisch und Blut. Das Gesicht
rot, der Hals orange, gelber Busen, grüner Bauch, die Oberschenkel
blau, die Unterschenkel indigo, die Füße violett, dazu
über dem Gesicht, in unsichtbaren Infrarot , das Herz und dort,
wohin sie ihre Sohlen setzt, die FußSpuren der Erinnerung
in ebenso unsichtbarem ultraviolett. Die Enden des Spektrums aber
gehen über in das Firmament des Todes. Die MenschenMenge verdichtet
sich über dem fleischlichen Horizont der Stadt; die schemenhaft
wirkende AmusementSzenerie ein angenehmer Rahmen für meine
Gedanken, deren Rhythmus inzwischen so sinnlich ist, wie der schwere
Atem verschlafener Münder. Und doch werde ich das Gefühl
nicht los, daß uns irgendetwas Böses auflauert und mich
in unnatürlichem Weiß anstrahlt. Jedes Blatt, jeder Zweig,
jede Maserung der Rinde sind in verschiedenen Nuancen von Weiß
hervorgehoben. Wie ein KnochenBaum. Auf einem der unteren Äste
sitzt ein Vogel, ein RaubVogel. Ich kann vergangene Ereignisse von
Orten halluzinieren und besonders solche in denen alte, zerlumpte
Männer sitzen und sich ineinander verschlingende Zungen fahren
gierig über feuchtes, faltiges Gewebe, Lippen schließen
sich um zitternde Körper, Leiber keuchen und winden sich in
einer Agonie von Rosen. Ich will hier raus. Sie lauscht auf einen
Baum hinter ihm, der mich in unnatürlichem Weiß anstrahlt.
Jedes Blatt, jeder Zweig, jede Maserung der Rinde sind in verschiedenen
Nuancen von Weiß hervorgehoben. Wie ein KnochenBaum. Auf einem
der unteren Äste sitzt ein Vogel, ein RaubVogel, wie mir scheint
auch er ist weiß. Er breitet die Flügel aus und kommt
auf mich zugeflogen, wobei er sich so langsam bewegt wie ein Gegenstand
in einem Traum; aber statt beim Näherkommen größer
zu werden, verringern sich seine Ausmaße, bis er - obwohl
er nur noch wenige Meter von mir entfernt ist - auf die Größe
einer Libelle geschrumpft ist. Er schwebt auf Slacker zu und verschwindet
im dunklen Oval seines Kopfes. Slacker, flüstert Corazon. Er
bleibt still, reglos. Ich beuge mich zu ihm hinter, bemerke in der
Mitte seines linken Auges einen strahlendweißen Punkt, der
pfeilschnell auf mich zugeschossen kommt, ein winziger Raubvogel,
der kalt in meine Stirn eindringt, ohne Schmerz. Ein Schrei gellt
durch einen weißen Korridor, pfeift wie eine Kugel über
die Wüste, verebbt in das rauhe Klatschen von GeierSchwingen.
Ich verstärke meine Anstrengung das Ding loszuwerden, schwindlig
vor Angst, presse mit meinen HandBallen gegen die Stirn und fühle
den kalten Punkt nach außen drängen, spüre einen
reissenden Schmerz im Fleisch meiner Hand. Blut sammelt sich auf
meinem HandTeller, durchzieht das Netz seiner Linien. Ich werde
das Gefühl nicht los, daß uns irgendetwas Böses
auflauert und als ich Corazon dabei ertappe, wie sie mich mit angespanntem
Gesicht anstarrt, frage ich voller Panik, was ist los? Und ich bewege
mich nicht, keine Bewegung jetzt, wir bewegen uns jetzt nicht, wir
sind irgendwo anders, irgendwo drin. Nach langem Zögern sagt
sie, etwas ist hier. Im ersten Moment bin ich zu berauscht um ihre
Worte zu bezweifeln. Sie lauscht auf etwas, ich auch, kann aber
nichts hören. Alle Denkspuren führen ins Nichts. Ich weiß
nicht, sagt sie. Die Stadt ringsum scheint zu verdampfen. Sie neigt
den Kopf, intensiviert ihre Konzentration eher auf ein verstärktes
Nichtvorhandensein, denn auf ein Geräusch. Etwas..., sie stößt
einen Seufzer aus, jetzt ist es weg, es war nicht hinter uns her,
sie setzt eine verspiegelte SonnenBrille auf und wirkt geradezu
entspannt, arglos, ziemlich arglos. Mein Blick trifft Slacker's
Augen und mir ist, daß über diesen KontaktKanal ein Austausch
stattfindet, daß etwas von seiner unwissenden Vitalität
in mich einfließt und auf seiner Seite durch einen Teil meiner
Furcht ersetzt wird. Die Luft, die mich umgibt und gleichermaßen
durchdringt wird immer dicker, scheint zu verdampfen, ein Setting
analog einem vielfarbigen DampfBad in dem Schwaden verschiedenster
Rauchwaren wabern. Die MenschenMenge verdichtet sich, dazwischen
Verchecker, die wie KorallenFische vorsichtig an menschlichen Ködern
knabbern und wieder weiterschwimmen. Einer bleibt vor uns stehen,
sagt, wollt ihr 2T kaufen? Echt fettes 2T, Slacker kauft, das Zeug
wirkt direkt auf das zerebrale LustZentrum, sagt er, während
sich sein Blick in einem SchaufensterHolo verfängt, wo sich
grotesk vergrößertes nacktes Fleisch windet und sich
ineinander verschlingt. Slacker greift sich an den Sack und lacht,
das Geschlecht ist über dem fleischlichen Horizont der Stadt
aufgetaucht und die Unschuld, die darin bestünde, nicht von
der Idee des Geschlechts gestreift zu werden, ist hier doppelt unmöglich,
da sogar eine Überschreitung, durch das vorherrschende Überangebot
jedweder GeschmacksRichtung, unmöglich geworden ist. Außerdem
bedeutet mir das, was sich zwischen meinen Beinen abspielt, nicht
mehr als ein gut gekühlter Drink. Gerüche werden immer
intensiver, menschliche, durch zu engen Kontakt verursacht. Ich
differenziere Schweiß, verschiedene Aromen von KörperPflege-
und ReinigungsMittel, Amylnitrit, verdorbenes Eiweiß, altes
Blut und Kotze und sehne mich nach der Ödnis von nebelfeinem
NovemberRegen, der alle Laute dämpft, nach dem unaufhörlichem
Kräuseln der Stille. Corazon bietet mir eine Handvoll SirihBlätter
an, die ein mildes Narkotikum enthalten, sie schmecken bitter, doch
nach einer Weile erscheinen mir die funkelnden NeonNebelAtome und
die schemenhaft wirkende AmusementSzenerie als angenehmer Rahmen
für meine Gedanken, deren Rhythmus inzwischen so sinnlich ist,
wie der schwere Atem verschlafener Münder. Slacker kriecht
in den Laderaum und holt eine PlastikTüte nach vorne. Er gibt
jedem von uns einen Apfel meiner hat etliche Dellen und ist ziemlich
verschrumpelt. Die etwas angefaulten Stellen schmecken angenehm
süß, das angeschimmelte Kernhaus bitter, ich schmeiße
es nach draußen, Corazon reicht mir noch einen Apfel, ich
reibe ihn an meiner Hose glänzend, er sieht besser aus als
der erste. Wir kauen, schlucken, stieren nach vorne auf die düstere
Gasse, sehen eine Gestalt, eine schlaksige Figur, sie schraubt das
Fläschchen auf, saugt das Röhrchen halb voll, läßt
die Flüssigkeit in den verräucherten Eingängen, Häuser
aus Bambus und Teakholz, Häuser aus Lehm, Stein und Ziegeln,
MaoriHäuser aus dem SüdPazifik, BaumHäuser und HausBoote,
30 Meter lange HolzHäuser, die ganze Stämme beherbergen,
Häuser aus alten Kisten und Wellblech, in denen alte, zerlumpte
Männer sitzen und sich ineinander verschlingen. Riesige Gerippe
aus rostigen EisenTrägern ragen hoch aus Sümpfen und MüllKippen,
mit lebensgefährlich übereinandergetürmten und ineinanderverschachtelten
Wohnzellen und Hängematten über gähnenden Abgründen.
Die KüchenDünste sämtlicher Länder hängen
über der Stadt und mischen sich mit den würzigen Gerüchen
von Opium und Haschisch, dem harzigen Rauch von Yage, dem Geruch
von Abgasen und Meer und fauligen Kloaken. Ich wandere über
eine Oberfläche, die, soweit mein Auge reicht, mit weggeworfener
Technologie übersät ist. TreibstoffTanks, teils voll,
teils leer, liegen wie RiesenSuppenDosen herum. Umgekippte ContainerHälften
sind zwischen PlastikSäcken, RohrGestängen, zerknüllten
Folienfetzen, Ansammlungen von MetallKonstruktionen und Duroschaum
verstreut. Von der schrägstehenden Sonne beschienen zieht sich
eine dicke RauchFahne nach Westen. Zwischen den PuzzleStücken
der Schilder, Lichter und FreudenHausReklamen sind blauwolkige Stücke
des Himmels zu sehen. Der sinnliche Strom primärfarbener NeonDaten
wird in Abständen ausgeklügelter RegelMäßigkeit
durch schlichte MarkenZeichen unterbrochen. Die Stadt ist in mir,
sagt Slacker, ich kann vergangene Ereignisse von Orten halluzinieren
und besonders solche in denen es spirituelle Aktivitäten gegeben
hat werden auf eindrucksvolle Art und Weise lebendig, nachdem ich
sie mit neuer Energie versorgt habe. Betrifft das auch die Materialisierung
des weißen Vogels, will ich wissen. Genau, so was, bestätigt
er. Das sind merkwürdige Vorgänge, von denen ich auch
nicht weiß ob und wann oder wieso sie geschehen. Er spreizt
die Hände, um seine Hilflosigkeit auszudrücken. Er bedient
einen Hebel neben dem Sitz, seine Rücklehne klappt nach hinten
um, er läßt sich fallen, schließt die Augen. Sein
Gesicht verzerrt sich, eine Grimasse, er verspannt sich, stöhnt
leise. Ist alles in Ordnung mit die, frage ich, sprich mich nicht
an, ächzt er, mir geht es gut ... laßt mich einfach in
Ruhe. Erinnerungen, Wünsche, Projektionen, liegen im Laderaum,
derilös, wie Slacker. Corazon setzt sich auf den FahrerSitz,
klappt die Rücklehne wieder hoch, schnallt sich an, der Zündschlüssel
steckt noch. Alles in Ordnung mit dir, sie nickt nur und startet
den Motor. Dieser Ort hier hat uralte Vibrationen, sagt sie, wendet
das Auto und fährt wider auf das LichtGefunkel der Hauptstrasse
zu. Ich setze mich mit überkreuzten Beinen quer zur FahrtRichtung,
sodaß ich Corazon und Slacker gleichzeitig im Blick habe.
Ihm rinnt Schweiß übers Gesicht, er wälzt sich u
nruhig umher während wir wieder in das horrende GlitterAmbiente
eintauchen, dessen Dichte sich auf meine AtemWege legt. Ich sehe
zwei Körper, eingehüllt in rote Dämpfe. Ein Schrei
erstirbt zwischen geschwollenen Lippen, KletterRosen brechen aus
beiden Mündern, Rosen wuchern durch Fleisch, Stacheln der Lust
zerfetzen Haut, dornige Ranken schlingen sich um zitternde Körper,
Leiber keuchen und winden sich in einer Agonie von Rosen. Ich will
hier raus, sage ich zu Corazon, ich weiß, sagt sie, welche
Richtung? Egal, sage ich. Die enge FahrerKabine ist jetzt befreit
von der Stelle, wie Licht, das in mich einfließt. Ein Zug
dröhnt durch meinen Körper.....schriller Pfiff der Lokomotive
... SchiffsSirenen, NebelHörner, ein FeuerWerk zerplatzt über
der öligen Lagune ... SpielHallen öffnen sich, mikrofeine
Schaltkreise und Chips, die in die Vorderseite der Shirts eingewoben
sind, spielen Szenen aller Filme, aller Monstrositäten, in
Endlosloops auf Menschen, zehren deren aurische Energie in sich
zusammen und lösen sich von allen Flächen, löst sich
von allen Flächen, löst sich von allen Flächen, löst
sich von mir wie das Blut in meinen Adern. Meine Wurzeln sind tief
in Häusern aus alten Kisten und Wellblech, in denen es spirituelle
Aktivitäten gibt; sie werden auf eindrucksvolle Art und Weise
lebendig, nachdem ich sie mit neuer Energie versorgt habe. Dieser
Stoff hier ist das stärkste Halluzinogen, das es gibt, es verschafft
einem Berührung mit der GeisterWelt. Es ist das Derivat einer
Pflanze, die die Natives auf Borneo zur Behandlung von GeistesKrankheiten
benutzen; das hier, er schüttelt die rote Flüssigkeit,
ist sowohl eine Modifikation, als auch eine Potenz der ursprünglichen
Droge. Es ist nichts Schlimmes, sagt Slacker, jede Straße,
jede ihrer elektrischen Vernetzungen, ihrer WasserLeitungen und
AbflußRohre, jedes Haus, jede Ruine, der Gestank und Dreck
sind ebensogut ein Teil von mir wie das Blut in meinen Adern. Meine
Wurzeln sind tief in die Dinge eingesunken, in Pflanzen, ins ErdReich,
in die Städte. Die Stadt formt die Wände und GrundMauern
meiner Seele, eines Dinges, von dem ich wenig Kenntnis besessen
habe, das ich aber allmählich zu begreifen beginne, ich werde
diese Stadt niemals verlassen. Erinnerungen, Wünsche, Projektionen
sind überall gespeichert, und wenn die analoge EnergieForm
auf sie trifft, geben sie ihre Ladung frei. Chronofossilien sind
überall in enormer Dichte abgelagert und stellen ein gewaltiges
EnergieReservoir dar. Corazon fährt an irisierenden HafenBecken
und orangeroten GasFackeln vorbei, an morastigen MüllFeldern,
wo Alligatoren zwischen BlechDosen und zerbrochenen Flaschen und
einem Flechtwerk feuchter, schwarzer Zweige, die wie alte ElektroKabel
aussehen herumkriechen. Meine Wurzeln sind tief, in den ObstPlantagen
blüht der Schimmel, graue, winzige PelzKnötchen, zu ihm
heraus, Beine spreizen sich. Eine ganze Frau erscheint, sie hat
die Anmut eines zerbrechlichen KnochenBaus, der sich nicht wehren
kann und Slacker's anfängliche Geilheit schrumpelt reziprok
zu meinem anschwellendem Interesse zusammen. Niemand kann etwas
für sie tun, sie kann unmöglich beschützt werden,
aber ihre ganze Verletzlichkeit wirkt wie eine Kugel über die
Visualisationen. Schon gut, sage ich, erfreut sie zu sehen, einen
noch besseren Tag, sagt sie. Sie neigt den Kopf, ein Zug dröhnt
durch meinen Körper.....schriller Pfiff der Lokomotive ...
SchiffsSirenen, NebelHörner, ein FeuerWerk zerplatzt über
der öligen Lagune ... SpielHallen öffnen sich in einer
Agonie von Rosen. Ich will hier raus, ist alles total heruntergekommen,
hier, sagt sie, welche Richtung? Ich habe keine Ahnung. Fahr wohin
du willst, es wird schon stimmen, außerdem ist es sowieso
egal. Ein alter MüllMann überquert vor uns die Strasse,
funkelt wie eine Liebkosung, während ihr Körper sich schwächlich
und hinterhältig gibt, um zu verführen. Ich grinse Slacker
an und sage, das Maskuline ist hinfälliger durch die Mechanismen
seiner Repräsentation. Slacker lacht und sagt dieser Stoff
hier ist das stärkste Halluzinogen, das es gibt, es verschafft
einem Berührung mit der GeisterWelt. Es ist nichts Schlimmes,
sagt Slacker, zieht ein kleines PlastikRöhrchen aus der HosenTasche,
schraubt das Fläschchen auf, saugt das Röhrchen halb voll,
läßt die Flüssigkeit in den umgedrehten Deckel der
kleinen Flasche tropfen, steckt sich das Röhrchen in ein NasenLoch
und zieht sich den Saft in's Hirn. Das Zeug wirkt in Einklang mit
den alten Entitäten, den Geistern vielleicht, in Ermangelung
eines besseren Begriffs, und mit den Halbtoten. Vielleicht ist die
Stadt, das bin ich, höre ich Slacker sprechen, eine RiesenStadt
aus zahllosen VersatzStücken, in der Luft hängende Fäden.
Vielleicht ist die Substanz dieser weiten Welt doch sowieso dem
Tod und dem Untergang vorbehalten, oder ist dies bloß die
Ansicht irgendeines alten Schwätzers in meinem Kopf. Ich gehe
zum Fenster und betrachte das Setting vor mir, in dem Schwaden verschiedenster
Rauchwaren wabern. Zwischen den PuzzleStücken der Schilder,
Lichter und FreudenHausReklamen sind blauwolkige Stücke des
Himmels zu sehen und ein RegenBogen aus Fleisch und Blut. Das Gesicht
rot, der Hals orange, gelber Busen, grüner Bauch, die Oberschenkel
blau, die Unterschenkel indigo, die Füße violett, dazu
der fleischliche Horizont der Stadt und die schemenhaft wirkende
AmusementSzenerie als ein angenehmer Rahmen für meine Gedanken,
deren Rhythmus inzwischen so sinnlich ist, wie der schwere Atem
verschlafener Münder. Und doch werde ich das Gefühl nicht
los, daß uns irgendetwas Böses auflauert und Fäden
- die aufwärts zu streben scheinen, sich in Wirklichkeit jedoch
nicht von der Stelle bewegen, wie Licht, das sich in SpiegelScherben
bricht. Die ganze Gegend wimmelt plötzlich von diesen Gebilden,
und als sie eine schwindelerregende Leuchtkraft annehmen, grell,
strömen sie davon, in's Meer, hinein in den Boden, auf die
schrottigen Schiffe und Boote zu. Dann wird alles heller, nimmt
ein unirdisches Leuchten an. Abfall beginnt zu funkeln, abgerissene
StromLeitungen glitzern gleich GoldSträngen, zerlöcherte
Segel schimmern wie Samt. Selbst der aufgebrochene Asfalt scheint
in dumpfen Glanz, wie Platin. Es ist nichts Schlimmes, sagt Slacker,
nur eine kleine Wunde, ich betrachte den BlutGlyf in meiner Hand,
schließe die Augen, höre Fetzen einer Melodie, die der
Wind an mein Ohr weht, mein Körper zittert und vibriert, einem
startendem Flugzeug analog. Mich durchfließen Erinnerungen
an unzählige Existenzen - als Polynesierin, als Pygmän,
als Nomadin in der Wüste - ein VölkerGemisch durchpulst
mich. Das ist die Stadt, das bin ich, höre ich Slacker sprechen,
eine RiesenStadt, aus zahllosen VersatzStücken, in der sämtliche
menschliche Potentiale auf einem endlosen Markt ausgebreitet sind.
Keine Tür in der Stadt ist verschlossen, jeder kann jeden Raum
betreten, alle Gebäude der Stadt gehen ineienander über;
Häuser mit blinzelnden Menschen in verräucherten Eingängen.
Eine feuchtwarme, ätzende Brise sticht in meine Nase, dann
wäre ich gerne eine Krähe und durchflöge die Himmel
deiner Stadt, denke ich, alle anderen Denkspuren verdampfen im Nichts.
Ich steige aus. Corazon zerbricht die PanoramaFensterScheibe eines
BauHausBungalows und verschwindet in dem AugenBlick als alles zusammengepreßt
und annihiliert, in SpermaTröpfchen verwandelt wird. Die Oberleitungen,
die Kreuzungen überspannt haben, liegen geschlängelt auf
dem Pflaster. Zwei Querstraßen rechts von uns, raucht eine
Ruine. Eine Querstraße weiter nach links, hält eine dicke
Gestalt mit einer EinkaufsTasche zwischen zwei beleuchteten Ecken
an und beobachtet uns, wartet, bis wir wieder außer SichtWeite
sind. Wir hetzen weiter durch ausgedörrte Straßen, nach
links, vorbei an den archetektonischen Krusten jahrhundertealter
Gebäude, hinter deren Silhouetten nur Abraum liegt. Corazon
tickt mit ihren schwarzlackierten FingerNägeln auf dem Lenkrad
herum, greift sich in den Nacken, sie hat dort eine kleine Narbe,
die sie mit ihren langen FingerNägeln auseinanderzieht und
einen Chip herauszieht, eine Bewgung, die von Gewohnheit spricht,
sie befeuchtet ihn mit der Zunge, steckt ihn sich wieder in den
Kopf und tippt mit der AktivierungsMaus unter dem Nagel des linken
RingFingers irgendetwas ein. Sie lacht laut, wirft den Kopf zurück
und drückt das GasPedal durch. Sie sagt, ich hab mit Hilfe
meines Chips schon mal die staatlichen DatenbankLotterie abgeräumt
und etliche Konten geplündert. Ich kann damit mein Gehirn triggern,
daß es Betaendorfine ausschüttet oder ACTH, Adrenalin,
Testosteron, eigentlich jede beliebige biochemische Substanz. Sie
zuckt leicht zusammen, der Chip ist in Aktion. Meine Augen folgen
einer katzengroßen Ratte, die zwischen zerborstenen MauerResten
verschwindet. Der Nebel verbirgt die Veränderungen des Himmels,
befleckt das Bewußtsein, bedeckt die BrandStellen mit etwas
Sicherem, Substanzlosem. Dies ist keine nützliche Straße,
sagt Slacker, schüttelt mich zurück ins Auto, wir fahren
eine dunkle Straße entlang, viel zu schnell, Corazon dreht
an ArmaturenKnöpfen und lacht und der Wagen erhebt sich wie
ein HeliumBallon mit durchtrennter Schnur. Ich schaue nach oben
aber in der nebligen Dunkelheit ist nichts zu sagen. Ich spüre
meine Furcht verfliegen, und ihre Überflüssigkeit drängt
die Umrisse eines Lächelns auf meine Lippen. Kann ich in diesem
Spiel aus Nacht, Licht und Geruch eine Identität gewinnen?
Dann zerschmilzt das Gefährt zu einem riesigen QuecksilberTropfen,
der in der Luft schwebt. Hin und wieder sondert einer der Tentakel
einen Strahl ab. Ich weiß einen Platz, nicht weit von hier,
sagt Corazon, ihr Blick verliert sich sich in den Umrissen des alien
Dings, das da steht. Da, sie deutet entsetzt auf Dutzende von Tentakeln,
die sich gerade bilden. Gibt es soetwas wie ein Gleichgewicht zwischen
der Wahrnehmung der Außenwelt und den schon abgelagerten Erfahrungen,
Bildern, Erinnerungen? Oder was zerteilt mir ständig die flüchtigen
und unbestimmten Einzelheiten des Jetzt. Wer bestimmt mich in mir?
Slacker's Lachen wendet sein Gesicht dem Mond zu. Er lehnt sich
nach vorne, ZitronenDuft füllt die atemlose Distanz. Er begegnet
meinem Mund mit offenen Mund, nach einer Weile spricht er, womit
zum Teufel hast du dich da bekleckert? Er sieht aus als wäre
ihm übel. Ich wende mich ab, höre ihn sagen, das Prinzip
der Vernichtung ist nicht der Tod, sondern die statistische Bedeutungslosigkeit.
Ich spüre meine Furcht verfliegen, und ihre Überflüssigkeit
drängt die Umrisse eines Lächelns auf meine Lippen. Kann
ich in diesem Spiel aus Nacht, Licht und Geruch eine Identität
gewinnen. Da, sagt Corazon, sie deutet entsetzt auf Dutzende von
Tentakeln. Slacker sagt, im menschlichen Gehirn, zwischen Cerebrum
und Medulla befindet sich ein Gebilde, das einer menschlichen Gestalt
gleicht, etwa einen Zentimeter groß, es verbindet die SinnesEindrücke,
die ihren Ursprung außerhalb des Gehirns haben, mit den cerebralen
Abstraktionen, die sich darin bilden. Es erstellt das Gleichgewicht
zwischen der Wahrnehmung der Außenwelt und dem Wissen um die
innere Welt. Er kneift die Augen zusammen und wendet sich dem Spiegel
zu und die zerlöcherten Häuser hocken mit angespannten,
verborgenen Mustern da. Wovor haben sie Angst? Slacker sagt, konzentriere
dich, oder es gerät aus den Fugen und macht sich selbstständig.
Meine Finger bekommen einen Krampf sie verfangen sich am Rand der
Konsole, sie nimmt pastellfarbene Schattierungen an. Wenn sie nicht
ordentlich isoliert sind, kann's schon passieren, daß man
sich die Hose naßpisst. Slacker kaut mit seinen Schneidezähnen
heftig an einem DaumenNagel herum er empfindet soetwas wie Furcht
vor der Erweiterung Corazon's, wenn Furcht ein naßkalter Waschlappen
ganz hinten im Hals ist; für Corazon hingegen ist Furcht eine
GefühlsRegung, die sie ihr ganzes kurzes, zerissenes Leben
gekannt hat. Ich höre Slacker's Schritte hinter mir, spüre
seine Hand gleitet meinen Rücken entlang. Kennst du die Kurve
deiner Hand in der feuchten Luft einen flachen und stumpfen Klang.
Da drin sitzen welche mit elastischen Knochen und schwarzrosa gesprenkelten
Fleisch hinter ihren Ohren wachsen fächerförmige Fühler
aus grünem Knorpel, bedeckt von StrudelHärchen, die ihnen
eine Art von Kommunikation ermöglichen - sie werden von unsichtbaren
Strömungen gesteuert und senden Signale aus und dann hat es
den Anschein als würde der Dunst fest werden. Aus einer anderen,
uns abgewandten Öffnung schießt ein Schwarm wirbelnder
Prismen heraus, kreist über dem Nacken sie hat dort eine kleine
Rückkopplung im NervenSystem, daher das Zucken. Im menschlichen
Gehirn, zwischen Cerebrum und Medulla befindet sich ein Gebilde,
das einer menschlichen Gestalt gleicht, aber nur einen Zentimeter
groß ist. Es verbindet die SinnesEindrücke, die ihren
Ursprung außerhalb des Gehirns haben, mit den cerebralen Abstraktionen,
die sich darin bilden. Es erstellt das Gleichgewicht zwischen der
Wahrnehmung der Außenwelt und dem Wissen um die innere Welt.
Er kneift die Augen zusammen und wendet sich der zinnoberroten Flut
zu, in der die angesengte Sonne hängt. Corazon sagt, das Äußerliche
ist von den Dingen abgefallen, und das was sich darunter bewegt,
wird immer seltsamer. Ich versenke mich in das emsige Treiben, präge
mir sein Bild tief ins Gedächtnis ein, wende mich ab und höre
Slacker sagen, das Prinzip der Vernichtung ist nicht der Tod, sondern
die statistische Bedeutungslosigkeit. Und er sagt es in einer Sprache,
die jeder an jedem Ort des Universums sofort verstehen würde;
es füllt den sich vergrößernden Raum nach und nach
auf. Slacker fummelt hinter seiner Sitzbank herum und zieht eine
MP heraus, sie ist transparent, mit einem Rahmen aus rostfreiem
Stahl, die inneren Teile sind aus komprimierten Plastik. Ich sehe
das Magazin, die Kugeln, die im LadeStreifen gleich einer Reihe
RoboterLarven aneinander liegen. Ein winziges Licht im Kolben und
ein weiteres unter dem Verschluß lassen die Waffe in einem
neongelben Licht erglühen. Draussen krabbelt etwas durch verdorrtes
Gras, es wirft SchlammBrocken hoch, stößt Dampf aus und
matte Blasen, die hin und her schwanken, sich nach innen beulen
und verschwinden. Ich scheine aus meinem Körper zu entweichen,
ihn abzuwerfen und hinaufzusteigen durch Welten, die ineinanderstecken,
chinesischen ElfenbeinKugeln analog, verborgen im Inneren von Kugeln,
im Inneren von Kugeln. Und ich weiß, daß das Leben auf
seinem Höhepunkt notwendigerweise etwas Katastrofales sein
muß, etwas Ungestümes und Unvorhersehbares, etwas, das
man bewundern und doch um jeden Preis meiden muß, wie das
Aufkommen eines schönen Sturmes oder die Ankunft einer schrecklichen
Gottheit, doch ich bin immer noch zu sehr Teil der alten habsüchtigen,
gewalttätigen und wirren Welt, um mich dem Schicksal zu ergeben.
Ich werde von dem Gefühl einer traurigen Gefahr durchdrungen,
von etwas Leichtem, Zartem, etwas Auflösbarem. Ein grüner
Vogel fliegt, wild mit den Flügeln schlagend vorbei, dann wechselt
er in einen sanften Gleitflug, der ihn in Richtung Sonne davonträgt.
Du bist wunderschön, sage ich. Aber... Slacker schluckt gegen
die Sperre in seiner Kehle, ich habe irgendetwas... verloren. Ich
lehne den Kopf zurück, will reden und habe nichts zu sagen.
Ich spüre meine Furcht verfliegen, und ihre Überflüssigkeit
drängt die Umrisse eines Lächelns auf meine Lippen. Kann
ich in diesem Spiel aus Nacht, Licht und Geruch eine Identität
gewinnen? Kann ich in diesem Spiel aus Nacht, Licht und Geruch gewinnen?
Corazon lacht guttural, wirft ihren Kopf zurück und tritt das
GasPedal durch. Ich bin der wilde Maschinist die Vergangenheit ist
zerstört, die Gegenwart wird gemacht, die Dinge überstürzen
sich im Rhythmus der Technologie; alles Vorherige wurde durch unsichtbare
Hitze weggebrannt. Wir fahren weiter, immer der gleichen Straße
nach, an einer Kirche vorbei. Hinter SchuttFassaden stehen runzelige
schwarze Bäume, wie abgebrannte Streichhölzer, dahinter
von GranatenDetonationen aufgeworfene Hügel, dahinter Wracks
explodierter PanzerFahrzeuge und eine knochentrockene Grube, die
einmal ein EntenTeich war. Und da drin sitzt ein sechsbeiniges Landemodul,
eine mechanische Spinne, dampfend. Ein paar Meter daneben liegt
als silbriger Fleck die zusammengefallene Hülle eines Bremsfallschirmes.
Das Modul nur ein SchattenRiß vor schädelbleichen Ruinen
am Rande eines Parks. Aus seinen gerippten Luken neben dem dicken,
verkohlten HitzeSchild fallen schräg, rote LichtStreifen herab.
Ich rieche Treibstoff und heißes Metall. Plötzlich zucken
und krachen Gespinste aus bläulichweißen Blitzen über
die MetallHaut des Moduls, breiten sich aus und umgeben den gesamten
oberen Teil wie einen Käfig; dann verblaßen sie, hinterlassen
ein unbeständiges Flimmern an den Umrissen des Dings. Da, sagt
Corazon, sie deutet entsetzt auf Dutzende von Tentakeln, die sich
aus dem Bauch der MetallSpinne tasten, die Auswüchse eines
Tieres, das im Inneren Unterschlupf gefunden hat. Einige haben an
ihren Enden KristallRundungen, aus denen blasse, rote Strahlen spritzen
und flackernd erlöschen; andere kringeln sich schlangenhaft
zusammen, während sie aus ihren Spitzen einen Dunst dunkler
Teilchen versprühen, die wie BlütenStaub aus Grafit in
der Luft schweben. Hin und wieder sondert einer der Tentakel einen
Strahl ab, der sich mit einem Teil des Dunstes zusammenfügt
und dann hat es den Anschein als würde der Dunst fest werden.
Aus einer anderen uns abgewandten Öffnung schießt ein
Schwarm wirbelnder Prismen heraus, kreist über dem Ding und
löst sich nach und nach auf. Mit dem HandRücken reibe
ich mir die Stirn, Sand scheuert zwischen Haut und Haut. Durch die
KirchenTür dringt OrgelMusik, während ein Brummen, das
in den letzten Sekunden stärker geworden ist über unseren
Köpfen dröhnt. Ich schaue nach oben, aber in der nebeligen
Dunkelheit ist nichts zu erkennen. Die Orgel klingt nach dem Verschwinden
der Flugzeuge leiser. Corazon sagt, ich kenne das hier aus dem Fernsehen,
es brannte und sie hatten Leitern und brachen in die Fenster ein.
Sie sind auf den KirchTurm geklettert und haben die Zeiger abgebrochen.
Haben sich dann gegenseitig zerrissen; das waren häßliche
Bilder. Ich berühre seine Brust, laße meine Finger hinabgleiten.
Er lehnt sich nach vorne, ZitronenDuft füllt die atemlose Distanz.
Ein Lachen wendet sein Gesicht dem Mond zu. Er lehnt sich nach innen
und verschwindet. Ich versenke mich in das emsige Treiben, präge
mir sein Bild tief ins Gedächtnis ein. Es ist nicht schön,
auch nicht häßlich, weder traurig noch böse, es
ist nur es selbst, etwas das sich momentan noch einer Kategorisierung
entzieht, und kühles Bewußtsein umhüllt mich wie
eine PerlmuttMuschel, meine Gedanken sind hell und klar, ohne scharfe
Ecken oder schartige Gefühle, sie bewegen sich durch die Dunkelheit
meines Gehirns, wie langsame SternSchnuppen. Ich beobachte einen
Teil des Dunstes, es hat den Anschein als würde der Dunst fest
werden. Aus einer anderen, uns abgewandten Öffnung schießt
ein Schwarm wirbelnder Prismen heraus, kreist über dem Nacken
sie hat dort eine kleine Rückkopplung im NervenSystem, die
sie ihr ganzes kurzes, zerrissenes Leben gekannt hat. Ich höre
Slacker's Schritte hinter mir, spüre seine Hand gleitet meinen
Rücken entlang. Ich sage, kennst du die Kurve deiner Hand in
der nebligen Dunkelheit? Ich spüre meine Furcht verfliegen,
und ihre Überflüssigkeit drängt die Umrisse eines
Lächelns auf meine Lippen. Kann ich in diesem Spiel aus Nacht,
Licht und Geruch eine Identität gewinnen? Kann ich, mein Innen,
mein Außen, all das um mich herum in irgendeinem VernunftRaster
unterbringen? Ausgerüstet mit sich ständig widersprechenden
Visionen beobachte ich das Formulieren einer neuen Mechanik. Ich
bin der wilde Maschinist, die Dinge überstürzen sich im
Rhythmus der Technologie. Ich falle heraus, das Gefährt zerschmilzt
zu einem riesigen QuecksilberTropfen, der in der feuchten Luft hängenbleibt,
während ich immer noch falle, und dann in tausend glitzernde
Tröpfchen zerspringt, die herunterfallen und mich übersprühen,
dann hat es den Anschein als würde der Dunst fest werden. Slacker
empfindet Furcht, wenn Furcht ein naßkalter Waschlappen ganz
hinten im Hals ist, für Corazon hingegen ist Furcht eine GefühlsRegung,
in die sie hineinfährt, sie enthält alle Farben des Brennens.
Kupfer, wenn es oxydiert, wird fleckiges, mit Gold durchsetztes
Grün. Eisen, schwarze und rote Asche. Schwefel, sein Oxyd ist
ein schmieriges, purpurnes Braun. Ich fühle mich mit den vielfältigsten
farbigen Wesenheiten belagert, während sich der Spiegel meiner
Beobachtung dreht, und was mir ursprünglich unwillkürlich
erschien, sehe ich jetzt genügend oft, um zu erkennen, daß
es eine Gewohnheit ist. Was ich für eine Gewohnheit ansah,
scheint jetzt Teil eines großen Planes, während das,
was ich ursprünglich als zielgerichtet vermutete, zur Unwillkürlichkeit
explodiert. Sie sieht aus als wäre ihr übel. Ich wende
mich ab, höre Slacker weder traurig noch böse, nur er
selbst, etwas das sich momentan noch einer Kategorisierung entzieht,
und kühles Bewußtsein umhüllt mich wie eine PerlmuttMuschel,
meine Gedanken sind hell und klar, ohne scharfe Ecken oder schartige
Gefühle sie bewegen sich durch die Lücke. Ich beobachte
einen Teil des Dunstes sich zusammenfügen und dann hat es den
Anschein als würde er fest werden. Ich spüre meine Furcht
verfliegen. Slacker will zurück zu der blauen Pyramide, die
seinen Geist bündelt. Wieder dreht sich der Spiegel, und die
Person, von der ich glaubte, sie sei von Zielstrebigkeit besessen,
läßt erkennen, daß diese Besessenheit nur eine
Gewohnheit ist; ihre Gewohnheiten sind bedeutungslos, willkürlich.
Während jene HandlungsWeisen, die ich willkürlich wähnte,
eine geradezu dämonische Zielgerichtetheit offenbaren. Und
die ganze Zeit scheine ich eine Stimme zu hören, die sagt,
das geht dich nichts an, du sollst deine Aufmerksamkeit auf das
Jetzt richten, dich mittels gefahrloser Gedanken von einem Moment
zum nächsten schwingen, die Hindernisse umschiffen und die
gefährlichen AssoziationsBallungen abwenden; aber ich weiß
nicht meinen Kopf zu bedienen. Ich habe das Gefühl als wären
meine Schläfen in einen Schraubstock eingespannt und auf meiner
Zunge befände sich schmierige Elektrizität; es regt sich
Unbehagen, und Bruchstücke, AngstFetzen, unregelmäßigen
HagelKörnern gleich, durchklappern das frostige Herz meiner
Empfindungen, mein Herz eine Faust, die gegen Rippen schlägt,
der Raum um mich herum zu undurchsichtigen Fasern erstarrt. Meine
Kleidung klebt an mir dran, ich schwitze, die Nerven zwischen meinen
Zähnen sprühen Funken, und die Luft ist derart spannungsgeladen,
daß die verbliebenen Masten der StraßenLaternen sich
recken, und die zerlöcherten Häuser hocken mit angespannten,
verborgenen Mustern da. Wovor haben sie Angst? Slacker sagt, konzentriere
dich, oder es macht sich selbstständig. Meine Finger bekommen
einen Krampf, sie verfangen sich am Rand der Konsole, sie nimmt
pastellfarbene Schattierungen an. Ich kann sie nicht lösen
und voller Zorn reiße ich heftig daran; es ertönt ein
knisterndes Geräusch. Mir ist innerlich kalt: ich kann dieses
Gefühl nicht ausstehen. Mir ist fröstelig, ein Frösteln,
das unangenehm schneidet. Etwas in mir lockert sich. Es knistert
und ein Teil der Konsole löst sich ganz leicht unter meinen
Fingern, bröckelt ab und ergießt sich durch die Lücke,
spritzt über meine Füße. Ich beobachte einen Teil
des Plastiks, das grünlich gelb gewesen ist, hervorzüngeln
und sich ausbreiten, wie Feuer in einer StreichholzFabrik; es füllt
den sich vergrößernden Raum nach und nach mit emporschießenden
BambusSprößlingen und sich entfaltenden Blättern.
Dann wachsen in Braun und Blau und Weiß Palmen, es bilden
sich Schwaden aus HimmelsGas und der Raum ist bis zum Rand mit wechselnden
Arabesken aus Sand und Wasser und LaubWerk gefüllt und überschreitet
den Sprengpunkt gerade in dem AugenBlick in dem alles zusammengepreßt
und wieder aufgelöst wird, sich in SpermaTröpfchen verwandelt,
die die Erde, der sich hektisch ausbreitenden ParadiesInsel, die
wie ein sich selbst aufblasendes GummiBoot wächst, düngen
und ... oh verdammt! Ich hol's nicht mehr ein, ich kann nichts mehr
sehen. Alles ist ein Brodeln verflüssigter Blätter und
ein SandSturm und da war ein SchwertFisch! Die WindSchutzScheibe
reißt auf, zersplittert. Hey, sagt Slacker, schüttelt
mich zurück ins Auto, und wir fahren eine dunkle Straße
entlang, viel zu schnell. Corazon dreht an den ArmaturenKnöpfen
und lacht und der Wagen erhebt sich wie ein HeliumBallon, mit durchtrennter
Schnur, steigt in den Himmel, immer grau und trübe, und überschlägt
sich, dann zerschmilzt das Fahrding zu einem riesigen QuecksilberTropfen,
der in der Luft hängenbleibt, während ich immer noch falle,
falle durch tausend Böden und schlage auf, tausendundeins,
im Hier und Jetzt und tausend silbrige Tropfen übersprühen
mich mit silbrigen Gift. Womit zum Teufel hast du dich da bekleckert?
Corazon sieht aus als wär ihr übel, ich wende mich ab,
ich hänge mir zum Hals heraus, verliere mich aber augenblicklich
wieder im HamsterRad meines Schädels, und mein Bewußtsein
kommt und geht mit einem Schwanken wie das Heulen sich nähernder
Sirenen. Ich will sprechen und habe nichts zu sagen. Ich sehe Slacker
sich über mich beugen, strecke ihm meine halbgeöffnete
Hand entgegen, schiebe sie in den offenstehenden HalsAusschnitt
seines Pullovers, berühre seine Brust, laße meine Finger
hinabgleiten. Ein Lachen wendet sein Gesicht dem Mond zu, er ist
der wilde Mechanist, alles sonst wird weggebrannt. Wir hetzen weiter
durch ausgedörrte Straßen. Der Nebel verbirgt die Veränderungen
des Himmels, befleckt das Bewußtsein, bedeckt BrandStellen
mit etwas Sicherem, Substanzlosem, dies ist keine nützliche
Straße, sagt Slacker, sehr wenig hier kommt der absoluten
Schönheit nahe. Corazon läßt den Wagen langsam ausrollen,
bleibt stehen und steigt aus. Hinter ihr herblickend und dem Impuls
es ihr gleichzutun noch nicht Folge leistend, kommt mir, daß
ich nicht etwa keine Zukunft habe, sie zerteilt mir vielmehr ständig
die flüchtigen und unbestimmten Einzelheiten des Jetzt. Ich
steige aus. Corazon zerbricht die PanoramaFensterScheibe eines BauHausBungalows
und verschwindet in dem schwarzgezackten Stern. Mir wird ganz angst
und bang vor der Gier Corazons, wenn Angst ein naßkalter Waschlappen
ganz hinten im Hals ist, für Corazon hingegen ist Angst eine
GefühlsRegung, die sie ihr ganzes kurzes, zerrissenes Leben
gekannt hat.
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